International
Spanien

Umstrittene Amnestie für katalanische Separatisten verabschiedet

Umstrittene Amnestie für katalanische Separatisten verabschiedet

30.05.2024, 14:1230.05.2024, 14:12

Das Parlament in Spanien hat eine umstrittene Amnestie für katalanische Separatisten verabschiedet.

Das «Gesetz für die institutionelle, politische und soziale Normalisierung in Katalonien» wurde am Donnerstag im Unterhaus in Madrid mit 177 zu 172 Stimmen endgültig gebilligt. Mit der Veröffentlichung im Amtsblatt wird das Regelwerk in den nächsten Tagen in Kraft treten. Der Verabschiedung waren seit Ende vorigen Jahres hitzige Debatten und mehrere Abstimmungen in beiden Parlamentshäusern vorangegangen.

Catalan politicians Oriol Junqueras and Carme Forcadell, foreground and center, celebrate after the approval to an amnesty law at the Spanish parliament's lower house in Madrid on Thursday, May 3 ...
Applaus von katalanischen Politikerinnen und Politikern nach dem Verabschiedung der Amnestie für katalanische Separatisten.Bild: keystone

Die Amnestie und andere Zugeständnisse hatte Ministerpräsident Pedro Sánchez den «Catalanistas» zugesagt, um sich die Stimmen von zwei separatistischen Parteien für seine Wiederwahl im November zu sichern. Die liberale Junts von Separatistenführer Carles Puigdemont und die linke ERC streben beide weiterhin die Abspaltung Kataloniens von Spanien an. Sánchez möchte das aber verhindern und den Konflikt durch Dialog entschärfen.

Als Erfolg der Appeasementpolitik wurde das Ergebnis der Parlamentswahl am 12. Mai in Katalonien gewertet. Erstmals seit 1980 verloren die verschiedenen Parteien der Unabhängigkeitsbefürworter in der Konfliktregion bei der Abstimmung die absolute Mehrheit. Die Sozialisten von Sánchez und Spitzenkandidat Salvador Illa bekamen hingegen erstmals die meisten Stimmen und auch die meisten Sitze im Parlament in Barcelona.

Die Amnestiepläne hatten in den vergangenen Monaten in der viertgrössten EU-Volkswirtschaft viel Unmut ausgelöst. Es gab Proteste mit Tausenden Teilnehmern. Oppositionsführer Alberto Núñez Feijoó von der konservativen Volkspartei PP bezeichnete die Massnahme als «nationale Schande» und «internationale Blamage». Sánchez warf er politische «Korruption» vor, da er sich mit der Amnestie seine Wiederwahl «erkauft» habe.

Die Amnestie gilt für alle, die im Zusammenhang mit den Unabhängigkeitsbestrebungen seit 2012 mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Nur wenige Verbrechen, wie Terrorismus, sind ausgeschlossen. Zu den gut 400 Begünstigten zählt auch Puigdemont, unter dessen Ägide Katalonien nach einem illegalen Unabhängigkeitsreferendum und einem Beschluss zur Abspaltung von Spanien im Herbst 2017 ins Chaos gestürzt war.

Die damalige konservative Zentralregierung setzte die Region unter Zwangsverwaltung. Puigdemont konnte mit einigen Mitstreitern fliehen und lebt seitdem in Belgien im Exil, könnte aber nun bald zurückkehren.

Mehrere im Land gebliebenen Separatisten wurden zu Haftstrafen von bis zu 13 Jahren verurteilt, inzwischen aber begnadigt. Unter den Folgen des Trennungsversuches – politische Instabilität sowie eine Unternehmens- und Kapitalflucht – leidet die Region noch heute. (saw/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Pest in Russland – Russen kaufen Apotheken leer
Eine junge Forscherin stirbt in Sibirien an der Pest. Die Behörden in Russland versuchen, den Fall vor der Öffentlichkeit geheim zu halten. In der Region wächst die Panik, während Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt werden.
In Russland versuchen die Behörden der Region Irkutsk, einen Ausbruch der Pest zu verhindern. Gleichzeitig setzen sie alles daran, Informationen über den tödlichen Fall in der Stadt Schelechow von der Öffentlichkeit fernzuhalten: Berichte verschwinden wieder aus dem Netz, offizielle Aussagen werden nachträglich zensiert, in Mitteilungen ist teils nur noch von einer «besonders gefährlichen Infektion» die Rede.
Zur Story