Filme aus den USA und Frankreich gewinnen ZFF-Hauptpreise
Im Opernhaus Zürich hat «Flesh & Fuel» den Spielfilm-Wettbewerb des 22. Zurich Film Festival gewonnen. Im Dokumentarfilm-Wettbewerb geht das Goldene Auge an «Bucks Harbor» des US-Amerikaners Pete Muller. Beide Preise sind mit 25'000 Franken dotiert.
«Flesh & Fuel» des französischen Regisseurs Pierre le Gall biete eine «zutiefst filmische Auseinandersetzung mit dem grundlegenden menschlichen Bedürfnis nach Verbundenheit», heisst es in der Begründung der Jury. Das Drama erzählt von einem französischen und einem polnischen Lkw-Fahrer, die trotz Beruf der Liebe eine Chance geben wollen.
«Die Auszeichnung widme ich all jenen, die bemüht und mit Stolz arbeiten und die müde sind», sagte der Filmemacher in einer Videobotschaft, der sich nicht in Zürich befand. Das Leben sei kurz, fügte er hinzu und forderte das Publikum dazu auf, den Abend mit jenen zu verbringen, die sie lieben.
Das Liebesdrama ist der erste Spielfilm von le Gall. Bei den Filmfestspielen von Cannes wurde er zur queeren Entdeckung des Festivals gekrönt (Queer Palm Revelation) – eine Ehrung, die 2026 eingeführt wurde und an ein Debüt mit LGBTQIA+-Thematik geht. Mitte Dezember wird die Liebesgeschichte, deren Originatitel «Du fioul dans les artères» lautet, in den Kinos der Deutschschweiz anlaufen.
Der Film setzte sich gegen 13 weitere Erst-, Zweit-, und Drittwerke durch, darunter zwei Schweizer Produktionen: die beiden Westschweizer Produktionen «Sevda» von Ufuk Emiroglu und «Serife Tavsan» von Tareq Daoud. Und gegen die kosovarisch-schweizerische Koproduktion und Kosovos offiziellen Oscar-Beitrag «Dua» von Blerta Basholli. Für das Coming-of-Age über ein Mädchen in Priština der 90er-Jahre gab es aber eine der lobenden Erwähnungen von der Jury: «Es ist eine eindringliche und hochaktuelle Geschichte darüber, wie sich politische, ethnische und sexuelle Unterdrückung auf das Leben des Einzelnen auswirkt.» Der Film kommt am 15. Oktober in die Deutschschweizer Kinos.
Dok zu Männlichkeit im Fischerdorf
Der im zweiten Hauptwettbewerb des Festivals prämierte Film, der Dok «Bucks Harbor», erzählt vom Erwachsenwerden junger Fischer in Downeast Maine – geprägt von harten Wintern, der Arbeit auf dem Meer und den Regeln ihrer Väter.
Der Film des US-amerikanischen Filmemachers Pete Muller verbinde «die Welt des Menschen mit den Kräften einer extremen Natur und zeichne ein schonungsloses, tiefgehendes Porträt fragiler Männlichkeit in einer benachteiligten Gemeinschaft im ländlichen Nordamerika, die mit den Folgen des Klimawandels und dem Verlust ihrer Lebensgrundlage konfrontiert ist», schreibt die Jury in ihrer Begründung.
Muller ist Filmproduzent und ein preisgekrönter Pressefotograf. Als er das Goldene Auge überreicht bekam, bedankte er sich bei allen Mitwirkenden und sagte, sein Film stelle Fragen zu Männlichkeit. Und: «Es ist ein Film darüber, wie wir einander zuhören und anerkennen.»
Auch im Dokumentarfilm-Wettbewerb gab es Schweizer Werke. «Schreckschraube» («Vieille Peau»), ist das Debüt des Filmemachers Simon David, der über Jahre mit der Kamera seine Grosstante porträtierte. Und der Dok über den Übertourismus in den Cinque Terre, «The Siege of Paradise» des irischen Regisseurs Gar O’Rourke, ist eine Schweizer Koproduktion. Beide gingen an der Award Night leer aus.
Der Kritikerpreis für das beste Schweizer Erstlingswerk geht an Heinz Bütlers Dok «Ebjä! Adolf Wölfli» über den Pionier der Art Brut.
Film über Partisanin holt Publikumspreis
Während des Festivals konnte das Publikum für seinen Favoriten abstimmen: «Mila/Marija» von der österreichischen Drehbuchautorin und Regisseurin Andrina Mračnikar holte den Publikumspreis. Der Film bietet eine Sicht der slowenischsprachigen Minderheit in Österreich auf den Zweiten Weltkrieg. Die junge Protagonistin schliesst sich in diesem Drama gemeinsam mit ihrem Bruder dem bewaffneten Widerstand gegen die deutsche Besatzung an. Nach dem Krieg muss sie merken, dass sich wenig für sie in der Gesellschaft verändert hat.
Auch im Kinderprogramm des Zurich Film Festivals (ZFF) wurde prämiert. Der grosse Gewinnerfilm hier ist «Das Geheimnis der gestohlenen Maske» von Nancy Mac Granaky-Quaye: Sowohl der Jurypreis als auch der Kinder-Publikumspreis gingen an die deutsche Verfilmung des Romans «Johanna und die Maske der Makonde» von der Schweizer Autorin Eva Lezzi und der deutschen Autorin Anna Maria Prassler.
Andy García an der Award Night
Am elftägigen Festival gastierten Stars aus der Filmbranche, darunter Julianne Moore, Casey Affleck oder Olivia Colman. Am Samstagabend war der in Kuba geborene US-amerikanische Schauspieler Andy García («The Untouchables», «The Godfather III») Ehrengast: Mit Zigarre in der Hand lief er über den grünen Teppich in Richtung Opernhaus.
Für sein persönliches Film-Noir-Drama «Diamond», das nach der Preisverleihung auf dem Programm stand, war García Produzent, hat die Hauptrolle gespielt, Regie geführt, das Drehbuch geschrieben und die Musik mitverantwortet. Auf die Frage von Keystone-SDA am Teppich, ob so viele Aufgaben an einem Film auch seine Tücken haben kann für das Endprodukt, antwortete er nonchalant: «Ich habe schon so lange an diesem Film gearbeitet, da gab es keine Gefahren. Einzig die Finanzierung war eine Herausforderung.»
Am Sonntag sind am ZFF noch Filme zu sehen, bevor es seine 22. Ausgabe ganz beendet. (sda)
