Wirksam, aber unbeliebt: Kaum jemand würde fürs Klima sein Auto verkaufen
Auto, Langstreckenflug oder Fleisch auf dem Teller: Auf welche Massnahme würden Sie am ehesten verzichten, um der Klimaerwärmung etwas entgegenzusetzen? Und was bringt das überhaupt? Genau das haben Forschende der ETH Zürich untersucht. Auf Basis einer repräsentativen Schweizer Stichprobe analysierten sie die Angaben von 2793 Personen. Sie prüften, welche persönlichen Klimamassnahmen Menschen in der Schweiz wählen würden, um ihren Treibhausgas-Ausstoss um 30 Prozent zu senken.
Zunächst ermittelten die Forschenden für jede Person einen persönlichen Treibhausgas-Ausstoss. Anschliessend konnten die Befragten aus Klimamassnahmen wählen, die auf ihre Lebenssituation zugeschnitten waren – samt persönlicher Einsparwirkung. Wer etwa kein Auto hatte, bekam keine entsprechenden Massnahmen angezeigt. Eine Wärmepumpe wurde nur Hausbesitzenden vorgeschlagen, für die sie infrage kam. Wer wenig Auto fuhr, konnte mit einem Verzicht entsprechend weniger einsparen.
Das 30-Prozent-Ziel erreichten 56 Prozent der Befragten. Besonders attraktiv waren Massnahmen, die wenig Veränderung im Alltag verlangten. So entschieden sich 58 Prozent der infrage kommenden Befragten für eine Wärmepumpe und 54 Prozent für eine Solaranlage. Doch auch zu Verhaltensänderungen waren viele bereit: 53 Prozent etwa wählten eine tiefere Raumtemperatur, 36 Prozent weniger Langstreckenflüge.
Verzicht aufs Fliegen womöglich überschätzt
Die hohe Bereitschaft zum Flugverzicht überrascht selbst die Forschenden. Die Befragung fand jedoch 2022 statt, kurz nachdem die Corona-Reisebeschränkungen in der Schweiz aufgehoben wurden. Dadurch könnten die Befragten den Verzicht aufs Fliegen als leichter eingeschätzt haben. Ob die Befragten die gewählten Massnahmen tatsächlich umgesetzt hätten, wurde nicht erhoben.
Doch beliebt heisst nicht automatisch wirksam. Durchschnittlich am meisten brachte bei den infrage kommenden Hausbesitzenden die Wärmepumpe. Wer sie wählte, senkte seinen berechneten Ausstoss im Schnitt um 44 Prozent. Wer seine Langstreckenflüge reduzierte, senkte seinen gesamten berechneten Treibhausgas-Ausstoss dadurch im Schnitt um 29 Prozent. Dabei konnten die Befragten selbst festlegen, wie viele ihrer zuvor angegebenen Flüge sie streichen wollten. Der komplette Verzicht aufs Auto brachte 14 Prozent, wurde allerdings nur selten gewählt.
Auffällig beliebt waren auch CO2-Zertifikate: Ein Drittel wählte diese Möglichkeit. Die Autoren vermuten, dass sie attraktiv sind, weil sie vergleichsweise wenig kosten und keine Verhaltensänderung verlangen. Im Rechenmodell liessen sich damit im Schnitt 21 Prozent des persönlichen Ausstosses anderswo ausgleichen. Ob das jeweils tatsächlich geschieht, ist allerdings umstritten.
Auch das Einkommen beeinflusste die Wahl: Menschen mit höherem Einkommen entschieden sich häufiger für teure Technik wie Wärmepumpen oder einen Fahrzeugwechsel. Beim Autoverkauf war es umgekehrt: 8 Prozent der Menschen mit tieferem Einkommen wählten diese Option, gegenüber 4 Prozent mit hohem Einkommen. Bei weiteren Verhaltensänderungen spielte das Einkommen dagegen kaum eine Rolle.
Hier sehen die Forschenden die Politik gefordert. Sie solle vor allem dort ansetzen, wo hohe Klimawirkung und hohe Bereitschaft zusammenkommen. Haushalte mit tieferem Einkommen sollen etwa beim Umstieg auf Wärmepumpen unterstützt werden. Bei Langstreckenflügen schlagen die Autoren Abgaben für Vielfliegende vor. (schweizheute.ch)
