Schweiz
Coronavirus

Leiter von Covid-Task-Force hält an Strategie fest

«Gibt zurzeit keine Alternative» – Leiter von Covid-Task-Force hält an Strategie fest

20.09.2020, 09:3420.09.2020, 13:53

Der Leiter der Covid-Task-Force des Bundes, Martin Ackermann, hält weiterhin an der eingeschlagenen Strategie zur Bekämpfung des Coronavirus fest. «Zu dieser Strategie gibt es zurzeit – das ist meine Sicht – keine Alternative», sagte er der «NZZ am Sonntag».

Deshalb sei sie einfacher und billiger und weniger einschneidend als die flächendeckenden Massnahmen, die bei hohen Fallzahlen nötig wären. «Lassen Sie mich dafür ein Bild brauchen: Zurzeit gehen wir mit dem Skalpell gegen Corona vor. Im letzten Frühling brauchten wir dafür eine Axt», sagte Ackermann in dem Interview.

«Wir wollen sichergehen, dass sich die Frage von weiteren Lockdowns nicht mehr stellt.» Man müsse den Leuten erklären, dass es keinen Widerspruch zwischen dem Schutz der Gesundheit und dem Aufrechterhalten des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens gebe.

Studentinnen und Studenten mit Masken an der Universitaet Zuerich am Montag, 14. September 2020, in Zuerich. An der UZH gilt eine Maskentragepflicht in oeffentlich zugaenglichen Innenraeumen, wie Korr ...
Semesterstart an der Universität Zürich – mit Masken und Abstand.Bild: keystone

Der Professor für Mikrobiologie an der ETH Zürich glaubt, dass mit der auf auf Hygiene- und Abstandsregeln, auf Masken, Tests und Verfolgung von Kontaktpersonen sowie auf Isolationen und Quarantänen beruhenden Strategie eine zweite Welle abgewendet werden kann. «Diese Strategie funktioniert, ja, sie funktioniert gut.»

Das zeige sich auch daran, dass in der Schweiz zurzeit zehn infizierte Person elf andere anstecken. «Das ist, salopp gesagt, nur eine zu viel. Wären es zehn, läge die Reproduktionszahl bei eins. Dann wäre die Lage stabil», sagte Ackermann. Er sei zuversichtlich, dass diese Strategie auch im Herbst und im Winter funktioniere.

Kapazitäten sind entscheidend

Wichtig sei, dass das Contact Tracing auch bei steigenden Infektionszahlen aufrechterhalten werden könne. Konkret heisse das, dass die Kantone jederzeit genügend Personal, auch genügend Personal in Reserve, haben müssten, betonte Ackermann. «Sonst bricht das System zusammen.»

Auch die Testkapazitäten dürften nicht an den Anschlag kommen. Es brauche jederzeit genügend Reserven. Denn «die Strategie der Schweiz beruht darauf, dass möglichst viele Personen getestet werden».

Von der Idee einer Durchseuchung der Schweizer Bevölkerung mit dem Coronavirus hält der Task-Force-Leiter nichts. «Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kosten einer Durchseuchung sind viel zu hoch. Dazu kommt, dass eine zentrale Frage noch immer unbeantwortet ist: Wie lang ist man nach einer Infektion wirklich immun?» (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
17 Menschen, bei denen in Quarantäne alles schiefläuft
1 / 19
17 Menschen, bei denen in Quarantäne alles schiefläuft
bild: reddit
Auf Facebook teilenAuf X teilen
So sehen Liebeserklärungen in Zeiten von Corona aus
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Streit um Teilzeit: Eine neue Studie zeigt Überraschendes
Viele Männer würden gern Teilzeit arbeiten, aber nur ein Bruchteil tut es. Warum verhalten sich gerade Lastwagenchauffeure und Firmenchefs so ähnlich? Erkenntnisse einer Studie.
Macht der wirtschaftliche Erfolg der Schweiz die Leute bequem? Die vom Arbeitgeberverband und von anderen wirtschaftsnahen Kreisen vertretene These von der Teilzeitarbeit als neuem Phänomen polarisiert – zu Recht.
Zur Story