Schweiz
Gesellschaft & Politik

Zürcher Stadtrat will Gratis-Coupons für Sperrgut abschaffen

Zürcher Stadtrat will Gratis-Coupons für Sperrgut abschaffen – der Gemeinderat geht steil

Die vom Zürcher Stadtrat angekündigte Abschaffung der Gratis-Coupons für Sperrgut hat den Gemeinderat aufgeschreckt: Er hat am Mittwochabend gleich über fünf Entsorgungs-Postulate diskutiert.
26.09.2024, 03:0726.09.2024, 03:07

Die fünf dringlichen Vorstösse trugen ähnliche Titel: «Verzicht auf die Abschaffung der kostenlosen Entsorgungs-Coupons bis zu einem praktikablen Ersatzangebot mit dezentralen Entsorgungsstellen», forderte etwa die FDP in ihrem Postulat.

Ein Schild mit der Aufschrift "Recycling Center" bei der Schneider Umweltservice AG, aufgenommen anlaesslich einer Medienbesichtigung am Freitag, 9. Februar 2024 in Volketswil.(KEYSTONE/Mich ...
In der Zürcher Politik wird intensiv über das Entsorgen von Sperrgut diskutiert. Bild: keystone

Anfang September hatte der Stadtrat mitgeteilt, dass er keine finanziellen Anreize mehr für das Entsorgen in den Recyclinghöfen bieten wolle. Die jährlichen Coupons, um 400 Kilogramm Sperrgut, Metall und Grubengut gratis abzugeben, werden 2025 gestoppt.

Zehn Prozent der Coupons eingelöst

Die Coupons seien eine sympathische Sache gewesen, räumte Stadträtin Simone Brander (SP) ein. Die Coupons hätten aber alle über die Grundgebühr mitfinanziert, aber nur zehn Prozent der Haushalte hätten sie eingelöst. Das sei nicht verursachergerecht.

Brander wies zudem darauf hin, was der Stadtrat am Mittwochmittag mitgeteilt hatte: Die Quartierbevölkerung soll dereinst in bis zu 30 mobilen Recylinghöfen kostenlos Sperrgut und Elektrogeräte entsorgen können. Der Stadtrat beantragt dafür zu einem späteren Zeitpunkt einmalige Kosten über 3,9 Millionen Franken sowie jährlich wiederkehrende Ausgaben von 1,6 Millionen Franken.

Vehement gegen die Coupons sprachen sich die Grünen aus, da diese «Fehlanreize» schaffen würden. Ähnlich sah es die SP, allerdings votierte sie bis zum Vorliegen einer neuen Lösung für eine Beibehaltung der Gutscheine. Auch die FDP verlangte, dass zuerst eine Alternative bereitstehen müsse, bevor etwas gestrichen werde.

Nach einer einstündigen Debatte überwies der Gemeinderat schliesslich ein Postulat von FDP und eines von FDP, SP und Mitte an den Stadtrat. Drei Vorstösse von SVP, AL und Mitte/EVP, die neben dem Festhalten an den Coupons weitere Forderungen nach einem Angebotsausbau oder tieferen Kosten enthielten, lehnte er ab. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Er erfand den sprechenden Bankomaten – das machte ihn verdächtig
Gegen alle Widerstände studiert Alireza Darvishy in Zürich Informatik, macht bei der Credit Suisse Karriere – und wird zum Pionier für digitale Barrierefreiheit.
Alireza Darvishy steht am Zürcher Central und möchte in der nahegelegenen UBS-Filiale Geld abheben. Für die allermeisten Menschen ist das Routine: Karte rein, Betrag auswählen, fertig. Für Darvishy ist es etwas komplizierter. Er lebt mit einer Sehbehinderung und nimmt durch ein eingeschränktes Sichtfeld nur Formen, Farben und Bewegungen wahr. Deshalb sucht er beim Bankomaten die Kopfhörerbuchse. So kann die Maschine mit ihm sprechen.
Zur Story