Schweiz
Immobilien

Wincasa erhöht Miete wenige Tage vor Einzug um mehrere hundert Franken

Der angekündigte Preis galt plötzlich nicht mehr: Kurz vor Vertragsabschluss erfuhr Samira G.*, dass sie hunderte Franken mehr für die neue Wohnung zahlen soll.
Der angekündigte Preis galt plötzlich nicht mehr: Kurz vor Vertragsabschluss erfuhr Samira G.*, dass sie hunderte Franken mehr für die neue Wohnung zahlen soll. bild: watson

Samira findet Wunschwohnung in Zürich – doch plötzlich ist die Miete eine andere

Samira G.* hatte sich auf ihre Wohnung in der Stadt Zürich gefreut. Dann verlangt die Verwaltung Wincasa fast 400 Franken mehr pro Monat als versprochen. Am Ende hat die Sozialarbeiterin viel Energie verschwendet und muss weiter ein neues Zuhause suchen.
16.01.2026, 15:3616.01.2026, 17:25

Eine Wohnung an bester Lage und für Stadtzürcher Verhältnisse bezahlbar. Für Samira G.* hat es sich wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk angefühlt.

2.5 Zimmer, 2113 Franken pro Monat, unbefristet.

Die Sozialarbeiterin wohnt Ende Dezember in einer Wohnung in Untermiete. Schon beim Einzug war klar, dass sie nach spätestens einem Jahr ein neues Zuhause finden muss.

«Nach drei Monaten intensiver Suche die Zusage für eine Wohnung zu erhalten, auf die sich wahrscheinlich hunderte Personen beworben haben, war ein riesiger Erfolg», sagt Samira gegenüber watson.

Noch vor den Festtagen erhält sie von der neuen Verwaltung die Bestätigung. Diese Mail liegt watson vor. Auf den 16. Januar 2026 darf Samira einziehen. Doch ein entscheidender Punkt ist anders als erwartet: «Mietzins brutto: CHF 2163». Das sind monatlich 50 Franken mehr als die Vormieterin bezahlt hat.

«Mit 50 Franken mehr, damit kann ich leben», denkt sich Samira und bestätigt das Angebot. Daraufhin erhält sie eine weitere Mail. Darin schreibt die Verwaltung, der Vertrag sei übrigens nicht unbefristet. Anders als angekündigt. Stattdessen soll Samira nun ein auf fünf Jahre befristetes Mietverhältnis eingehen, wobei danach eine Verlängerung möglich sei. Auch diese Mail liegt watson vor. Auch diese Kröte schluckt Samira.

2.5 Zimmer, 2163 Franken pro Monat, befristet auf 5 Jahre.

Das Angebot ist nicht mehr traumhaft, aber für Samira immer noch gut genug. Bis zu diesem Zeitpunkt hat sie noch keinen Mietvertrag unterschrieben. Erst am 5. Januar wird ihr – wiederum per Mail – mitgeteilt, der Mietvertrag sei nun per Post unterwegs zu ihr.

Diesen Mietvertrag hat sie bis heute nicht erhalten.

watson-Reporterin Aylin Erol schreibt immer wieder über Miet-Missstände:

Samira macht sich Sorgen. In anderthalb Wochen soll sie in die Wohnung in der Nähe des Schaffhauserplatzes einziehen. Ihre alte Wohnung hat Samira auf Ende Januar gekündigt, sie hat mehrere Nachmieter gestellt.

Sie fragt bei der Verwaltung nach. Per Mail erhält sie keine Antwort. Eine Woche später, am 12. Januar, teilt ihr eine Mitarbeiterin der Verwaltung mit, der Vertrag sei am 8. Januar verschickt worden. Bei Samira ist immer noch nichts eingetroffen.

Stattdessen erhält sie gleichentags einen weiteren Anruf, von einem anderen Mitarbeiter. «Er hat mir mitgeteilt, die Miete sei neu 2500 Franken pro Monat». Also monatlich fast 400 Franken mehr als schriftlich vereinbart.

Zur Erinnerung: Samira hat dies Information drei Tage vor Beginn des Mietverhältnisses erhalten.

2.5 Zimmer, 2500 Franken pro Monat, auf fünf Jahre befristet.

Das ist kein Angebot mehr, das Samira annehmen kann. «Das ist mehr als das Doppelte als ich in meiner alten Wohnung bezahlt habe.» Am 14. Januar teilt sie der Verwaltung darum mit, dass sie den Vertrag jetzt nicht mehr braucht. Sie wolle nicht mehr einziehen.

Im ersten Moment sei sie einfach überfordert gewesen, sagt Samira:

«Zu checken, dass der ganze Aufwand für den bevorstehenden Umzug nun umsonst war, war hart. Ich bin sehr enttäuscht»

Die Verwaltung der Liegenschaft, in die Samira nun nicht einzieht, heisst Wincasa. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als «führender Immobilien-Dienstleister» der Schweiz. Wincasa bewirtschaftet 254'000 Objekte und verwaltet ein Vermögen von 83 Milliarden Franken.

Auf Anfrage schreibt Wincasa von einem «unglücklichen Vorfall». Man bedauere den Ablauf, der nicht den eigenen Qualitätsansprüchen genüge. «Dass diese Korrektur sehr kurzfristig – kurz vor dem vorgesehenen Mietbeginn – kommuniziert wurde, ist für die betroffene Mietinteressentin verständlicherweise äusserst unbefriedigend», heisst es in der Stellungnahme weiter. Wincasa entschuldige sich bei Samira.

Hintergrund des Vorfalls sei ein Systemfehler, aufgrund dessen falsche Vertragsbedingungen verwendet wurden. Den Fehler habe man dann erst im Zuge der finalen Vertragsprüfung erkannt. Grund dafür seien auch die Festtage, wegen derer sich der Prozess verzögert habe.

Wincasa habe Samira G. nun angeboten, mit ihr nach einer anderen Wohnung im ursprünglichen Preisrahmen zu suchen. Nach der Stellungnahme von Wincasa hat watson Samira G. gefragt, ob das Angebot bei ihr angekommen sei. Nein, sei es nicht. Sollte Wincasa noch auf sie zukommen, müsse sie noch überlegen, ob sie die Hilfe annimmt.

Bereits im ersten Gespräch hat watson Samira gefragt, ob eine Unterschrift des Vertrags über 2500 Franken Monatsmiete infrage käme, nur um ihn dann gleich anzufechten.

Das sei ihr zu heikel gewesen, sagt sie, insbesondere auch, weil ihr der Mieterverband gesagt habe, das eine schriftliche Zusage per Mail möglicherweise nicht ausreiche, um den Mietzins anfechten zu können.

Und abgesehen davon: «Ich arbeite fast 100 Prozent als Sozialarbeiterin, das ist ein anspruchsvoller Job. Mir fehlt die Energie, um monatelang zu kämpfen»

Kein Mietvertrag, keine Ressourcen für einen Rechtsstreit und viel verschwendete Energie.

Ein Problem, das sich für Wincasa nicht stellen würde. Das Unternehmen beschäftigt über 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

*Name geändert

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