Bschiss-Vorwurf gegen Eishockey-Goalies: Hrubec und Hughes verlangen strengere Kontrollen
Auslöser ist eine Kolumne, die Simon Hrubec (35) im Frühling in seiner Heimat Tschechien veröffentlichte. Darin kritisierte der zweifache Meisterkeeper der ZSC Lions die Ausrüstungsregeln der National League. Einige Torhüter sollen sich mit zusätzlicher Fläche an den Protektoren unerlaubte Vorteile verschaffen, die Kolumne sprach von «Goalie-Doping». Gegenüber Blick sagt Hrubec, vor der Saison gebe es den Stempel, dass alles regelkonform sei. Danach könne man mit der Ausrüstung machen, was man wolle. Wer die «Täter» seien, sei für Goalie-Kenner auf den ersten Blick offensichtlich. Namen wolle er nicht nennen.
Das Hauptproblem
Hrubec sieht das Hauptproblem im System. Zusätzliche Polster im Brustschutz seien für Schiedsrichter ohne tiefes Detailwissen kaum zu erkennen. Ein blaues Siegel bedeute nicht, dass nach der Lieferung durch den Ausrüster nichts verändert wurde. Er wäre damit einverstanden, dass seine eigene Ausrüstung vor jedem Spiel gemessen wird.
Nach der Kolumne meldeten sich laut Hrubec viele Goalies bei ihm. Einige Schweizer schrieben, es nerve sie schon lange, aber sie seien zu brav, um darüber zu sprechen.
Hughes: «Das System muss angepasst werden»
Rückendeckung bekommt Hrubec von SCB-Keeper Connor Hughes (30). Laut Blick pflichten auch Biels Harri Säteri und Fribourgs Ludovic Waeber bei. Hughes sagt, es sei teils fragwürdig, womit einige in der Schweiz durchkämen, und man erkenne auf dem Eis, wer grösser wirke. Namen nennt er ebenfalls keine, er habe keine Beweise.
Er glaube aber, dass einzelne Goalies bewusst zu weit gingen, etwa mit mehreren Schulterpolstern, damit der Oberkörper grösser aussieht. Er sei in seiner Schweizer Karriere nur ein- oder zweimal kontrolliert worden, dabei sei jeweils nur das blaue Siegel geprüft worden. Die geltenden Regeln hält er nicht mehr für zeitgemäss: «In der Schweiz kann grundsätzlich jede Grösse bestellt werden, solange sie den IIHF-Regeln entspricht.»
Der Vergleich mit der NHL
In der NHL, so Hughes, wird die Goalie-Ausrüstung von der Liga nachgemessen und von Liga-Manager Kay Whitmore mit dessen Initialen signiert. Der frühere Goalie kenne die Körpermasse jedes Torhüters, nichts Grösseres sei erlaubt, Änderungen müssten genehmigt werden.
Die National League zeigt sich mit dem Status quo zufrieden. Die Ausrüstung wird gemäss Liga-Direktor Denis Vaucher von den Ausrüstern mit einer Plombe versehen und stichprobenartig kontrolliert. (car)
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