Das Hockey-Wahldebakel beschert Marc Lüthi viel unnötige Arbeit
Zur Erklärung: ZSC-Manager Peter Zahner hat den Verwaltungsrat des Verbandes dazu gebracht, ihn statt den bisherigen Amtsinhaber Raëto Raffainer (44) als Kandidaten für die Wahl ins Council des internationalen Verbandes (IIHF) aufzustellen. Er ist 65, wird bald pensioniert und die Wahl ins IIHF-Council wäre die Krönung seiner Karriere gewesen. Er ist kläglich gescheitert (Raffainer hätte die Wiederwahl problemlos geschafft) und nun hat die Schweiz erstmals seit 1986 keinen Sitz mehr im höchsten Gremium des Weltverbandes. Die Kalberei, einen aussichtsreichen Kandidaten zu Gunsten eines aussichtslosen Bewerbers auszutauschen, hat unseren Verband zur internationalen politischen Lachnummer gemacht. Peter Zahner hatte schon wegen seiner Nähe zum ehemaligen Präsidenten René Fasel (bekennender Freund der Russen) nie eine echte Chance.
Was nun? In den nächsten Wochen werden vom IIHF-Council die verschiedenen Komitees (Fachkommissionen) zusammengestellt. Da die Schweiz im Council nicht mehr vertreten ist und bei der Berufung in die Fachkommissionen nicht mehr mitreden kann, gilt es nun, mit intensiver Lobby-Arbeit und einer politischen Charme-Offensive bei den gewählten Council-Mitgliedern die Schweizer Präsenz zu retten. Das Ziel ist es, die zehn wichtigen Vertretungen zu verteidigen und wenn irgendwie möglich zwei oder drei weitere zu bekommen.
Eine höchst anspruchsvolle politische Aufgabe für den neuen Obmann Marc Lüthi, der international gut vernetzt ist. Viel Arbeit, die man sich wahrlich hätte ersparen können. Bei der Nomination von Peter Zahner auf Kosten von Raëto Raffainer war er noch nicht im Amt. Mit der grössten politischen Dummheit in der Geschichte unseres Hockeys hatte er nichts zu tun.
Ein Rücktritt aus dem Verbands-Verwaltungsrat soll Peter Zahner erspart bleiben. In einem Jahr sind Wahlen und es wird erwartet, dass der ZSC-Manager dann nicht mehr antritt, in Ehren verabschiedet werden kann und die National League einen anderen Kandidaten für die Wahl in den Verbands-Verwaltungsrat nominiert.
Für den neuen Präsidenten Marc Lüthi entscheidend: Wenn es ihm nicht gelingt, im Verbands-Verwaltungsrat eine Mehrheit für seine Vorhaben zu finden, dann bleibt er ein Operetten-Präsident wie seine beiden Vorgänger Stefan Schärer und Urs Kessler.
Am Montag wird Nina von Siebenthal offiziell als 8. Mitglied in den Verbands-Verwaltungsrat aufgenommen. Die ehemalige Spitzengolferin verstärkt die Leistungsport-Fraktion im Verwaltungsrat und wird eine Verbündete von Marc Lüthi sein. Lüthis Vorgänger scheiterten unter anderem, weil es den Vertretern des Amateurhockeys immer wieder gelungen ist, im Verwaltungsrat Mehrheiten gegen Reformen und Personalentscheide zu organisieren. Der Präsident braucht im achtköpfigen Gremium vier Verbündete. Bei Stimmengleichheit hat er keinen Stichentscheid.
Im Herbst 2030 findet der nächste IIHF-Wahlkongress statt. Die wichtigste aussenpolitische Aufgabe des Verbandes: Bis 2030 einen aussichtsreichen Kandidaten für die Wahl ins IIHF-Council aufbauen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Raëto Raffainer zu einem Comeback kommt. Als Geschäftsführer des internationalen Hochschul-Sportverbandes (Fédération internationale du Sport Universitaire) ist er weiterhin bestens vernetzt und als Verwaltungsrat des EHC Chur mit dem Hockey verbunden. Er sagt auf eine entsprechende Anfrage: «Mit mir kann man immer reden…»
Ein Comeback ist durchaus realistisch. Schon mehrmals ist sogar abgewählten Mitgliedern beim nächsten IIHF-Kongress die Rückkehr ins Council gelungen.
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