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Wir haben ein Goalieproblem – aber niemand merkt es

Ehrenbanner für eine Goalielegende. Ari Sulander vom ZSC. 
Ehrenbanner für eine Goalielegende. Ari Sulander vom ZSC. Bild: KEYSTONE
NLA ohne Helden

Wir haben ein Goalieproblem – aber niemand merkt es

Wo sind bloss die Torhüter geblieben, die unsere Hockeylandkarte neu gestalten? Die alten Helden sind müde und neue Helden haben wir keine.
18.03.2014, 07:1618.03.2014, 08:22

Ach, das waren noch Zeiten. Vor 16 Jahren, im Frühjahr 1998, hexte Martin Gerber die SCL Tigers in einer Aufstiegsrunde gegen die NLA-Teams aus Herisau und La Chaux-de-Fonds im Alleingang in die oberste Liga zurück. Später ist er Meister in Schweden sowie Stanley-Cup-Sieger und Dollarmillionär in Amerika geworden. Aber nie war er besser als damals im Frühjahr 1998. 

Martin Gerber im Jahre 1998, damals übrigens auch Goalie der Inline-Hockey-Nationalmannschaft.
Martin Gerber im Jahre 1998, damals übrigens auch Goalie der Inline-Hockey-Nationalmannschaft.Bild: KEYSTONE

Und heute? Martin Gerber wird im September 40 Jahre alt. Er ist immer noch ein guter Goalie. Aber diese Saison war er noch nie ein grosser Goalie. Am Samstag ist er auch noch ausgerastet und ist für eine Partie gesperrt worden. Die Hockeylandkarte kann Martin Gerber nicht mehr umgestalten. Wäre er immer noch so gut wie 1998, dann würden die Kloten Flyers Meister. Mit dem Martin Gerber von 2014 ist noch nicht sicher, dass Kloten die Viertelfinals gegen Davos gewinnt. 

Stammspieler, Millionär und Stanley-Cup-Sieger in der NHL

Und was ist bloss aus David Aebischer geworden? Er wurde als erster Schweizer NHL-Stammspieler, NHL-Millionär und Stanley-Cup-Sieger. In Colorado war er Nachfolger von Patrick Roy, dem damals weltbesten Goalie. David Aebischer veränderte nicht nur die Hockeylandkarte. Er veränderte die Hockeywelt. Indem er für die Schweizer den Weg in die NHL frei machte. 

Der Wegbereiter für viele Schweizer, David Aebischer im Dress der Colorado Avalanche.
Der Wegbereiter für viele Schweizer, David Aebischer im Dress der Colorado Avalanche.Bild: AP

Und heute? David Aebischer ist im Februar 36 geworden und bei den Lakers zum Lottergoalie mit weniger als 88 Prozent Fangquote verkommen. Oder ist er eher das Opfer einer miserablen Mannschaft? Vermutlich schon. Die Schmach eines Abstieges in die NLB kann nicht ausgeschlossen werden. Es ist ein Glück für die Lakers, dass die SCL Tigers, das einzige NLB-Team mit Aufstiegsambitionen, mit Lorenzo Croce auch einen Lottergoali haben. Mit einem Martin Gerber, wie damals im Frühjahr 1998, würden die Langnauer definitiv die NLB gewinnen und wieder aufsteigen. 

SCB-Torhüter Renato Tosio stürzte im Frühjahr 1989 das «Grande Lugano» praktisch im Alleingang. Der Titan Ari Sulander bescherte den ZSC Lions Triumphe (Meister 2000, 2001 und 2008, Champions Hockey League und Victorias Cup 2009) die nicht einmal mit einem sehr guten Torhüter möglich gewesen wären. Klotens Reto Pavoni stoppte in den 1990er Jahren im Finale zweimal Slawa Bykow und Andrej Chomutow, damals die besten Stürmer ausserhalb der NHL. Reto Berra hexte Biel zweimal hintereinander (2012, 2013) in die Playoffs und die Schweiz 2013 ins WM-Finale. Ja, das waren Goaliehelden in unserer Liga. 

Keine Überflieger mehr 

Wo aber sind die neuen Helden? Es gibt keine. Wir haben in dieser Saison ein paar sehr gute, einige gute, aber nach wie vor keinen grossen Goalies gesehen. Weder Lukas Flüeler (ZSC Lions) noch Leonardo Genoni (Davos) oder Benjamin Conz (Fribourg) waren bisher in dieser Saison grosse Goalies. Vielleicht wird es ja Tobias Stephan noch. Aber dann, wenn er Servette zum ersten Titel der Klubgeschichte zu hexen vermag. Und es ist noch lange nicht sicher, ob Melvin Nyffeler (19), nächste Saison bei Servette, Lukas Meili (22), in Biel Nachfolger von Reto Berra und Ambris Sandro Zurkirchen (24) grosse Goalies werden.  

Lausanne-Hüter Huet macht auch den ZSC-Fans Eindruck.
Lausanne-Hüter Huet macht auch den ZSC-Fans Eindruck.Bild: KEYSTONE

Nur einer hat in den letzten zwei Jahren unsere Hockeylandkarte verändert: Cristobal Huet. Er hat Lausanne in die NLA zurück und nun in die Playoffs gebracht. Kein anderer Torhüter hatte in der jüngsten Vergangenheit so viel Einfluss auf unsere Meisterschaft wie der eingebürgerte Franzose und Stanley-Cup-Sieger von 2010 und Luganos Meistergoalie von 1999. Aber er ist kein neuer Held. Er ist 38 und ein alter Held. 

Lachender Dritter Tobias Stephan?

Bei der WM 2013 nur Nr. 3, bald vielleicht die neue Nummer 1 der Schweiz, Tobias Stephan.
Bei der WM 2013 nur Nr. 3, bald vielleicht die neue Nummer 1 der Schweiz, Tobias Stephan.Bild: KEYSTONE

Wenn wir wieder eine WM-Medaille holen wollen, brauchen wir zwei grosse Torhüter. Wie Reto Berra und Martin Gerber im letzten Frühjahr in Stockholm. Aber Martin Gerber ist von Nationaltrainer Sean Simpson nicht einmal mehr als Nummer 3 fürs olympische Turnier berücksichtigt worden. Und Reto Berra spielt jetzt für das NHL-Spitzenteam Colorado. Die «Gefahr», dass Reto Berra und Jonas Hiller (Anaheim) für die WM nicht zur Verfügung stehen, ist erheblich.

Es kann gut sein, dass Tobias Stephan, bei der Silber-WM nur unsere Nummer 3, bei der nächsten WM in Weissrussland unsere Nummer 1 sein muss. Wir werden ohne Reto Berra und Jonas Hiller bei der WM zwar nicht gerade zum EV Zug des internationalen Hockeys. Aber wir haben ein Goalieproblem. Nur merkt es noch keiner. 

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