So geht's im Film wirklich zur Sache – eine Intimitätskoordinatorin erzählt
Viele von uns mussten da durch: Man sitzt als Knirps oder – noch schlimmer – als Teenie mit den Eltern auf dem Sofa vor dem Fernseher, als sich das Programm dort zum eigenen grossen Leidwesen in einen Streifen mit viel Körperkontakt verwandelt. Mit glasigen Augen versucht man, durch den Bildschirm hindurchzuschauen, oder man verzieht sich rot angelaufen und hüstelnd ins Nebenzimmer (äh, WC oder so, dringend!).
Für die gebrandmarkten Kinderseelen unter uns dürften die Aussagen von Désirée Wenger heilsam sein: Sie verrät, dass im Film und auf der Bühne nicht wirklich geschnackselt wird und im Gegenteil ganz genau darauf geachtet wird, dass die Schauspielenden nicht in Kontakt mit Körperflüssigkeiten des Gegenübers kommen. Phu!
Zumindest dann, wenn eine Intimitätskoordinatorin vor Ort ist. Eine solche ist Désirée Wenger.
Ihr Weg übers Studium der Theaterregie und ihr Interesse an Tabuthemen wie Intimität und Trauer haben sie zu diesem wenig bekannten Beruf gebracht. Désirée Wenger will mit ihrer Arbeit für Theaterinszenierungen und auf Filmsets dafür sorgen, dass die Schauspielenden in Szenen, in denen Intimität gespielt wird, nicht traumatisiert werden.
Insbesondere seit der MeToo-Bewegung, die Machtstrukturen und sexuellen Missbrauch in der Unterhaltungsindustrie aufzeigte, sei es üblicher geworden, Intimitätskoordinator:innen am Set dabeizuhaben.
Was genau ihr Job beinhaltet und was sie zum Vorwurf sagt, dass ihre Arbeit die Chemie zwischen den Schauspielenden stört, verrät sie im Fragenbot.
(hde)
