KI-Irrsinn: Google will Pleite-Airline 10 Millionen Dollar zahlen
Als die Swissair 2001 pleiteging, wurde sogar das Tafelsilber versteigert. Tempi passati, würden Bildungsbürger sagen. Und das mit Recht. Oder wann haben Sie das letzte Mal über den Wolken mit Silberbesteck gespeist?
In einer Billigairline sicher nicht. Fliegen ist kein Luxus mehr. Die technologische Revolution macht es möglich. Doch Fluggesellschaften gehen noch immer bankrott. Diesen Frühling wurde die amerikanische Spirit Airlines gegroundet. Auch hier wird nun versteigert. Google bietet 10 Millionen Dollar für den Datenschatz der Airline. Keine Löffel, Messer und Gabeln, sondern E-Mails, Chat-Nachrichten und Präsentationen. Der Tech-Riese will die Hinterlassenschaften nutzen, um seine KI auf Vordermann zu bringen.
Unverbrauchtes Material
Denn um künstliche Intelligenz zu trainieren, braucht es unverbrauchtes Material – also Texte von Menschen, die eine KI nicht schon längst wiedergekäut hat. Und je mehr Arbeit wir an die KI auslagern, desto rarer wird dieses Gut. Kürzlich machte die Meldung die Runde, dass KI-Firmen Bücher aus dem Antiquariat aufkaufen und anschliessend vernichten. Und das KI-Unternehmen Anthropic entschädigte Autoren mit 3000 Dollar, nachdem es ihre Werke ungefragt an seine KI verfüttert hatte.
Vor rund 25 Jahren konnte die Swissair einen Silberlöffel für 10 Franken verscherbeln. Die Versteigerungen ihres Flugzeug- und Büroinventars brachten 5,5 Millionen Franken ein. Google bietet heute allein für die Daten einer Pleite-Airline 10 Millionen Dollar. Daraus lässt sich zweierlei folgern: Löffel sind aus Silber, Daten aus Gold. Und: Die Swissair ging wohl tatsächlich zu früh bankrott. (schweizheute.ch)
