Wissen
Forschung

Studie: Waschbären werden in den USA zu Haustieren

ARCHIV - 23.06.2024, Brandenburg, Sieversdorf: Ein noch junger Waschb
Auch wenn der Waschbär niedlich aussieht, hat er es faustdick hinter den Ohren.Bild: DPA

Forschende stellen fest: Waschbären verwandeln sich allmählich in Haustiere

In der Schweiz breiten sie sich zwar aus, sind aber noch nicht alltäglich – in den USA hingegen sind Waschbären weit verbreitet. Eine Studie zeigt nun, dass sich die Tiere immer mehr zu Haustieren entwickeln. Sie schlagen einen ähnlichen evolutionären Weg ein wie einst Katzen und Hunde.
21.11.2025, 18:3121.11.2025, 18:31

Aus evolutionärer Sicht hat der Waschbär offensichtlich vieles richtig gemacht: Obwohl er grosse Schäden anrichten kann, wird er von den meisten Menschen als niedlich empfunden. In den USA ist das Tier heimisch und wird auf eine Population von rund fünf bis zehn Millionen Tieren geschätzt. Es könnten aber auch über 20 Millionen sein, ganz genau weiss das niemand.

Dass er regelmässig auch im Abfall wühlt, lässt man ihm vermutlich gerne mal durchgehen. So könnte sich zumindest die grosse Verbreitung in den USA erklären lassen. Ein paar Exemplare haben es sogar schon zum Tiktok-Star geschafft, nachdem sie als Haustier adoptiert worden sind oder einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren.

Letzteres gilt etwa für den Waschbären, wegen dem im vergangenen Jahr in den USA ein Fussballspiel unterbrochen werden musste:

Auch wenn sie nicht überall gerne gesehen und von manchen als Plage empfunden werden, sind die Waschbären bei anderen äusserst beliebt. Das hat nun Folgen. Forschende um die Co-Autorin Raffaela Lesch von der University of Arkansas haben in einer Studie rund 20'000 Bilder der Tiere verglichen und kamen zum Schluss, dass sich die Schnauzenlänge jener Waschbären, die in urbanen Gebieten leben, verkürzt hat.

Das ist auch bei Hunden und Katzen passiert, als sie allmählich domestiziert wurden: Die Schnauzen wurden kürzer, die Ohren veränderten sich, das Fell nahm ein anderes Muster an.

Der Vorteil bei diesen Anpassungen: Die Tiere wirken weniger bedrohlich auf Menschen und darauf kommt es an. Um an den Siedlungsabfall zu gelangen, müssen sie dreist sein, dürfen aber nicht bedrohlich wirken, berichtet BBC.

ARCHIV - 12.05.2021, Berlin: Ein Waschb�r auf Futtersuche nachts im Grunewald. Beim Zur�ckdr�ngen der inzwischen weit verbreiteten Waschb�ren in Berlin setzt der Senat auf Appelle und Aufkl�rung der � ...
Waschbären wühlen gerne im Abfall der Menschen, um Nahrung zu finden.Bild: DPA-Zentralbild

Gleichzeitig hat sich auch das Fluchtverhalten der Tiere verändert – sie sind weniger scheu geworden. Noch fehlen jedoch weitere Anzeichen von einer Domestizierung. «Das zeigt wahrscheinlich, dass sie sich noch in den Anfangsstadien dieses Domestikationsprozesses befinden», erklärt Lesch gegenüber ORF.

Der Nordamerikanische Waschbär breitet sich auch in Europa zunehmend aus. In Deutschland gibt es laut Schätzungen bereits bis zu 2 Millionen Tiere, in der Schweiz gibt es ihn seit den 70er-Jahren. Zwar ist die Anzahl hierzulande nicht so hoch, doch der Neozoon breitet sich vor allem in der Nordwestschweiz aus. Sie kommen aber auch andernorts im Norden der Schweiz vor.

Sichtungen müssen gemeldet und die Tiere dürfen das ganze Jahr geschossen werden. Die Folgen für das Schweizer Ökosystem sind zwar gemäss der Umweltberatung Luzern noch nicht ganz klar, es wird jedoch befürchtet, dass Waschbären anderen Tieren den Lebensraum streitig machen könnten.

Auch wenn die Tiere niedlich wirken, haben sie es in sich. Sie können Krankheiten übertragen, wühlen im Abfall und nisten sich in Dachböden ein, wo sie auch Schäden anrichten können. Werden sie gefüttert, können sie auch aufdringlich werden.

ARCHIV - 12.05.2020, Berlin: Ein Waschb�r krabbelt aus seinem Versteck auf einem Berliner dem Dach. Die Waschb�ren-Population in der Hauptstadt wird inzwischen auf hunderte Tiere gesch�tzt. Foto: Brit ...
Die Tiere nisten sich auch gerne in Dachböden ein. Um dorthin zu gelangen, richten sie oft auch Schäden an.Bild: DPA-Zentralbild

Immerhin gilt der Uhu hierzulande als grösster Feind des Waschbärs. Generell sind auch Wölfe, Rotmilane oder Seeadler natürliche Fressfeinde. Und natürlich auch der Mensch, der ihnen zwar einerseits Nahrung bietet, ihn aber auch jagt. Trotzdem: Mit dem Abschuss tun sich sogar Jägerinnen und Jäger manchmal schwer:

(vro)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Hier kommen süsse Waschbärbabys
1 / 9
Hier kommen süsse Waschbärbabys
Darf ich vorstellen: Tschakko und seine Brüder ...Bild: Imgur
quelle: imgur
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Du denkst, Waschbären sind niedlich? Dieses Video zeigt etwas anderes
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Studie: Im Wallis gibt es weniger Luchse als angenommen
Im Wallis leben laut einer neuen Studie deutlich weniger Luchse als bisher angenommen. Forschende der Universität Bern schätzen den Bestand auf 37 Tiere. In den jüngsten öffentlichen und politischen Diskussionen war von bis zu 80 Luchsen die Rede.
Zur Story