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Studie: Rechtspopulisten verbreiten überdurchschnittlich viele Fake News

epa11622024 A handout photo made available by Chigi Palace on 24 September 2024 shows Italian Prime Minister Giorgia Meloni (L) and Tesla co-founder and CEO Elon Musk talking during a ceremony at the  ...
X-Besitzer Elon Musk und die italienische Premierministerin Giorgia Meloni.Bild: keystone

Studie zeigt: Rechtspopulismus und Fake News gehen Hand in Hand

Radikale Rechtspopulisten verbreiten auf X, ehemals Twitter, viel mehr Falschinformationen als Abgeordnete anderer Parteien. Dies zeigt eine neue Studie der Universität Amsterdam.
12.02.2025, 19:4412.02.2025, 19:44

Für die besagte Studie haben der Sozialwissenschaftler Petter Törnberg und die Politikwissenschaftlerin Juliana Chueri der Universität Amsterdam zwischen 2017 und 2022 insgesamt 32 Millionen Tweets von 8198 parlamentarischen Abgeordneten aus 26 westlichen Demokratien ausgewertet. Dabei wurden die auf den Tweets verlinkten URLs nach deren «factuality» (zu Deutsch: Faktizität, auf Fakten basierend) bewertet. Ziel war es, herauszufinden, ob gewisse politische Parteien oder Strömungen häufiger Fake News verbreiten als andere.

Dabei stellte sich heraus, dass radikale rechtspopulistische Politikerinnen und Politiker deutlich mehr Internetlinks mit fragwürdigen Informationen verbreiten als solche anderer politischer Gesinnungen.

Populismus alleine kein Indikator für Fehlinformationen

Interessant ist dabei: Die Kombination von «rechts» und «populistisch» scheint entscheidend zu sein. Denn Parlamentarierinnen und Parlamentarier des rechten oder populistischen Spektrums, die nicht beides gleichzeitig sind, verbreiten laut Studie nicht mehr Fake News als solche des linken Spektrums oder der Mitte.

Oder, mit anderen Worten: Die Korrelation zwischen Populismus und Falschinformationen existiert nur, wenn man ins rechte Spektrum schaut. Linke Abgeordnete, die populistisch sind, verbreiten laut den Ergebnissen der Studie nicht mehr Falschinformationen als linke Abgeordnete, die es nicht sind. Wobei Populismus hier eine anti-elitäre Haltung beschreibt.

grafik verteilung von faktizität nach populismus und links-rechts achse

Figure 1. Association between factuality score adjusted by country mean, parties’ left-right ideology (right), and populism (mi ...
Die Populismus-Achse vergleicht den Populismus-Score einer Partei mit der Zuverlässigkeit der verbreiteten Informationen. Links auf der Achse sind die Parteien weniger populistisch und rechts populistischer.Bild: The International Journal of Press/Politics

Warum ist das so? Zu dieser Frage liefert die Studie eine mögliche Erklärung. Der Populismus – links wie rechts – prangert gemäss Definition der Studie etablierte Institutionen und «Eliten» an. Doch während sich Linkspopulisten in ihrer Argumentation eher auf wirtschaftliche Ungleichheiten und damit auf eine Finanzelite fokussieren, bedienen Rechtspopulisten eher kulturelle und gesellschaftliche Ängste. Dazu gehören demnach die «Angst des Verlusts der nationalen Identität» oder die «der gesellschaftlichen Verrohung».

Und: Letztere können laut den Studienautoren Törnberg und Chueri deutlich besser mit Falschinformationen befeuert werden, als dies bei abstrakteren Konzepten wie der Ungleichverteilung von Vermögen oder Einkommen der Fall ist.

Ökonomische Links-Rechts-Achse alleine ebenfalls nicht ausschlaggebend

Doch wo eine Partei auf der rein wirtschaftspolitischen Links-Rechts-Achse positioniert ist, reicht laut Studie nicht aus, um zu erklären, warum ihre Mitglieder Falschinformationen verbreiten. Die verwendete Links-Rechts-Achse stellt hier nur die Wirtschaftspolitik der Parteien (und deren Mitglieder) dar – also die Themen Sozialstaat, Regulationen, Steuern und Staatsinvestitionen. Links bedeutet mehr davon, Rechts weniger.

Die Grafik unten zeigt jedoch einen deutlichen Unterschied zwischen linken und rechten Populisten: Informationen von Abgeordneten linkspopulistischer Parteien werden im Durchschnitt um 20 Prozentpunkte «wahrer» bewertet als jene von rechtspopulistischen Abgeordneten.

Figure 3. Predicted values of factuality score, by party position into the left-right scale and populist ideology with 95% confidence intervals.

https://journals.sagepub.com/cms/10.1177/1940161224131 ...
Nicht populistische (rot), gemässigt populistische (blau) und stark populistische Parteien (grün) auf der Links-Rechts-Achse, gemessen am Faktizitätsgrad.Bild: The International Journal of Press/Politics

Auch zu sehen: Während rechte Parteien, die nicht populistisch sind, einen ähnlich hohen Faktizitätswert aufweisen, wie linke Parteien, die nicht populistisch sind, zeigt sich bei populistischen Parteien ein signifikantes Faktizitäts-Gefälle zwischen Links und Rechts.

Das vermehrte Verbreiten von Fake News unter Rechtspopulisten erklären sich Törnberg und Chueri vor allem mit der Radikalität der Rechtspopulisten. Diese, kombiniert mit der populistischen Ablehnung etablierter Institutionen, wie der westlichen Demokratie, führt eher dazu, dass unkonventionelle Mittel wie Desinformation eingesetzt werden, um politische Ziele voranzutreiben.

Unterschiede zwischen Parteienfamilien

Die Studie untersuchte die Faktizität nicht nur entlang des wirtschaftspolitischen Links-Rechts- und des Populismus-Spektrums, sondern auch anhand der Parteienfamilien. Dafür stützt sich die Studie auf einen anderen Datensatz. Die Parteienfamilien wurden dabei anhand ihrer Position entlang einer wirtschaftlichen (Staat/Markt) und einer kulturellen (Freiheit/Autorität) Achse bestimmt. Dabei bilden sich acht Parteienfamilien, plus zwei Sonderfälle. Ebenfalls zu beachten: Ist eine Partei einmal einer Parteienfamilie zugeteilt, wird sie nicht mehr verschoben.

Das Ergebnis des Vergleichs: Von allen Parteienfamilien sind Rechtsaussen-Parteien (abgekürzt RR) klar diejenigen, deren Abgeordnete auf X, ehemals Twitter, am meisten Falschinformationen verbreiten. Sozialistische und kommunistische Parteiangehörige hingegen verbreiten am wenigsten Falschinformationen von allen Abgeordneten auf X.

Figure 2. Boxplot of factuality scores adjusted by country means by party family.

https://journals.sagepub.com/cms/10.1177/19401612241311886/asset/images/large/10.1177_19401612241311886-fig2.jpeg
Box-Plot der Faktizitätswerte nach Parteienfamilie. SD steht für Sozialdemokraten, CD für Christdemokraten, Agr für bäuerlich, landwirtschaftliche Parteien, Eth für ethnische Parteien (Minderheiten) und SI für Ein-Themen-Parteien. NA sind andere Parteien, die nicht in eine Parteienfamilie passen.Bild: The International Journal of Press/Politics

Auch die konservative Parteienfamilie (Cons) weist im Median eine deutlich geringere Faktizität auf als alle anderen Parteienfamilien. Die Studienautoren führen dies auf die Annäherung zwischen konservativen und radikalrechten Partien zurück, die in den vergangenen Jahren stattgefunden hat. Beispiele für Parteien der konservativen Parteienfamilie sind die «Conservative Party» aus Grossbritannien oder Berlusconis «Forza Italia» aus Italien.

Die Studie zeigt klar, dass vor allem rechtspopulistische Parlamentarierinnen und Parlamentarier auf X überdurchschnittlich viele Falschinformationen verbreiten – eine Kombination aus rechter Ausrichtung und hohem Populismusgrad scheint dafür entscheidend zu sein.

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