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Zürcher Forschungsteam entdeckt Auslöser von Multipler Sklerose

Zürcher Forschungsteam entdeckt Auslöser von Multipler Sklerose

13.01.2026, 17:0013.01.2026, 19:26
Multiple Sklerose, Frau im Rollstuhl.
Multiple Sklerose kann unter anderem zu Lähmungen führen. (Symbolbild)Bild: shutterstock.com

Das Zusammenspiel eines weit verbreiteten Virus und bestimmter Gene kann Multiple Sklerose auslösen. Das zeigt ein Forschungsteam der Universität Zürich in einer neuen Studie.

Die am Dienstag im Fachjournal «Cell» veröffentlichten Resultate zeigen, wie Umwelteinflüsse und Gene gemeinsam zur Erkrankung beitragen.

Multiple Sklerose, kurz MS, ist eine chronische Erkrankung des Nervensystems. Dabei greift das eigene Immunsystem Gehirn und Rückenmark an. Die Krankheit verläuft sehr unterschiedlich und kann unter anderem zu Lähmungen, Sehstörungen, Gefühlsstörungen oder starker Erschöpfung führen.

Schon länger ist bekannt, dass alle Menschen mit MS auch das Epstein-Barr-Virus, den Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers, in sich tragen, wie die Universität Zürich in einer Mitteilung zur Studie erklärte. Eine Infektion mit dem weit verbreiteten Epstein-Barr-Virus allein reicht aber nicht aus, um MS auszulösen. Rund 95 Prozent der Bevölkerung tragen das Virus in sich, an Multipler Sklerose erkrankt sind schweizweit rund 18'000 Menschen.

Besonders hoch ist das MS-Risiko, wenn die Infektion erst im Jugendalter erfolgt und als Pfeiffersches Drüsenfieber ausbricht. Doch auch dann erkranken längst nicht alle.

An Impfung wird bereits gearbeitet

Wie die Forschenden nun zeigten, braucht es neben dem Virus auch einen genetischen Risikofaktor, den sogenannten HLA-DR15 Haplotyp. Gemäss der Studie verändert eine EBV-Infektion die Funktionsweise von B-Immunzellen. Diese veränderten Zellen präsentieren auf ihrer Oberfläche Bruchstücke eines körpereigenen Proteins namens Myelin-Basisprotein (MBP). Myelin bildet die Schutzschicht von Nervenfasern, die bei MS geschädigt wird. Die Forschenden wiesen exakt dieselben MBP-Bruchstücke auch im entzündeten Hirngewebe von MS-Betroffenen nach.

Eine weitere, im selben Fachblatt erschienene Studie der Universität und des Universitätsspitals Basel zeigt zudem, dass ein Protein des Epstein-Barr-Virus verhindert, dass fehlgeleitete Immunzellen im Gehirn absterben. Normalerweise sterben B-Zellen, die körpereigenes Gewebe wie die Nervenhülle Myelin angreifen, im Gehirn ab. Das EBV-Protein LMP1 kann diesen programmierten Zelltod jedoch verhindern, wie die Forschenden in Tests an Mäusen zeigten.

Mehrere Forschungsgruppen und Firmen arbeiten laut der Universität Zürich bereits an Impfungen gegen das Epstein-Barr-Virus. Dieses wird nicht nur mit MS, sondern auch mit anderen Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis und systemischem Lupus sowie mit verschiedenen Krebsarten in Verbindung gebracht. (sda)

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