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Baby-Kaiserpinguine ertrinken, weil ihnen ihr Lebensraum wegschmilzt

Emperor Penguins, Aptenodytes forsteri, Snow Hill Island Weddell Sea, Antarctica. (Photo by: David Tipling/Education Images/Universal Images Group via Getty Images)
Ein Kaiserpinguin und sein Küken.Bild: Universal Images Group Editorial/getty images

Eis schmilzt – Pingu tot

Laut einer neuen Studie gehören die anmutigen Kaiserpinguine zu den grossen Verlierern des Klimawandels: Ihnen schmilzt das Eis unter den Füssen weg. Das hat fatale Folgen für ihren Nachwuchs.
30.08.2023, 20:1030.08.2023, 20:10

Ein Kaiserpinguins-Küken hat es nicht leicht. Zwischen Mai und Juli schlüpft der kleine Federball und taucht somit in eine Welt voller Dunkelheit. Denn während in unseren Längengraden zu dieser Zeit die Tage lang und die Nächte kurz sind, ist in der Antarktis Winter und die Tage sind von Nächten – und nur von Nächten – geprägt.

Ein gutes halbes Jahr später, etwa im Dezember, sieht die Lage anders aus. Je nach Standort scheint auf der Antarktis 24 Stunden am Tag die Sonne. Zu dieser Zeit werden die kleinen Kaiserpinguine flügge – ihre grauen Daunen werden dann durch robustes weiss-schwarzes Gefieder ersetzt.

Bis zu diesem Zeitpunkt leben die Kaisers-Küken ausschliesslich auf dem Eis. Sie sind erst mit dem Flüggewerden imstande, zu schwimmen und sich selbst zu ernähren. Doch genau dieses Eis fehlt ihnen jetzt, wie eine neue Studie bescheinigt. Die Folgen sind fatal.

Vier Kolonien ohne Junge

Die Studie um Geograf Peter Fretwell analysiert das Brutverhalten von fünf spezifische Kaiserpinguins-Kolonien, die in der Beringshausen-See im Westen der Antarktis hausen. 2022 war so wenig Eis vorhanden, dass wohl sämtliche Küken von vier der fünf Kolonien verstorben sind.

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«Das ist etwas noch nie dagewesenes. So etwas haben wir noch nie erlebt.»

Tatsächlich ist «nie» in dem Kontext vielleicht das falsche Wort – Kaiserpinguine werden erst seit relativ kurzer Zeit explizit beobachtet und studiert. «Vor etwa 15 Jahren gehörten Kaiserpinguine noch zu den am wenigsten bekannten Tieren der Welt», so Fretwell gegenüber dem Magazin «Scientific American». Dies läge unter anderem daran, dass die Kolonien der Kaiser für Menschen unmöglich zu erreichen sind.

Seit rund einem Jahrzehnt untersuchen Fretwell und sein Team die majestätischen Südvögel. Mittels hochauflösender Satellitenbilder schätzen sie die Bevölkerungszahlen der einzelnen Kolonien.

Die letzten Auswertungen zeigten nun erschreckenderweise an, dass vier der fünf Kolonien Anfang Dezember verlassen waren – also noch bevor die Küken flügge waren. Als Beispiel hier die Kolonie bei Smiley Island:

Der schwarze Fleck links und in der Mitte stellt eine ganze Pinguin-Kolonie der Smiley-Insel mit schätzungsweise 2000-10'000 Kaiserpinguinen dar. Nota bene sind dies nicht die hochauflösenden Bilder,  ...
Der schwarze Fleck links und in der Mitte stellt eine ganze Pinguin-Kolonie der Smiley-Insel mit schätzungsweise 2000-10'000 Kaiserpinguinen dar. Nota bene sind dies nicht die hochauflösenden Bilder, mit denen die Bestände gezählt werden.bild: Copernicus Sentinel-2

Bei drei anderen Kolonien sieht es ähnlich aus. Demnach gehen die Wissenschaftler davon aus, dass rund 10'000 Küken über alle vier Kolonien ertrunken oder verhungert sind.

Logische Konsequenz mit langfristigen Folgen

«Wir haben schon seit Jahren beobachtet, dass sich das Meereis zurückbildet», meint Michelle LaRue von der University of Canterbury in Neuseeland, die auch bei der Untersuchung dabei war. Dass die Kaiserpinguin-Kolonien nun betroffen sind, sei nur logisch.

Dass die Probleme für die Pinguine aber bereits so schnell auftauchen würden, hätte man nicht erwartet. Und: «Dass das an mehreren Orten zur gleichen Zeit geschieht, ist äusserst beunruhigend», so die Forscherin.

Emperor Penguin, Aptenodytes forsteri, adults and chicks at colony Snow Hill Island, Antarctica. (Photo by: David Tipling/Education Images/Universal Images Group via Getty Images)
Solange die Küken noch ihre grauen Daunen haben, können sie sich nicht im Meer fortbewegen und treiben auf offener See ab.Bild: Universal Images Group Editorial/getty images

Sollte sich der Eismangel als länger andauerndes Problem herausstellen, sind die Folgen für die Kaiserpinguine noch viel gravierender. Nach etwa drei fehlgeschlagenen Brut-Saisons sucht sich eine Kolonie einen neuen Nestplatz. Da aber scheinbar die gesamte Bellingshausen-See betroffen ist, müssten die Pinguine hunderte, vielleicht tausende Kilometer weit weg migrieren, so Fretwell:

«Es können nicht einfach 10'000 Pinguine an einem neuen Ort auftauchen und sich dort vermehren.»

Wie sich die veränderten Umstände auf die ausgewachsenen Kaiserpinguine auswirken, kann man nur erahnen. Doch ihre Zukunft sieht düster aus: Dieses Jahr liegt noch weniger Eis um die Antarktis – ein neues Allzeit-Tief. Bislang konnte für 2023 noch keine Satellitenzählung durchgeführt werden, weil die Sonne am Südpol noch nicht scheint.

Die Gründe für das fehlende Eis sind nicht abschliessend bekannt. Die Studie erwähnt, dass die Eis-Anomalien von 2022 und 2023 sehr wahrscheinlich mit dem Wetter-Phänomen La Niña zusammenhängen. Trotzdem gingen heutige Klimamodelle davon aus, dass in Zukunft die Menge an Meereseis weiterhin abnehmen werde.

Und so warnt Fretwell zum Abschluss: «Langfristig liegt das Schicksal des Kaiserpinguins in unseren Händen: Wie viel Kohlenstoff wir in die Atmosphäre jagen, wie stark wir den Planeten erwärmen, wie stark sich die Ozeane erwärmen und sich das Klima verändert.»

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