Wissen
Schweiz

Keine Flugscham: Die Uni Zürich bietet Kurz-Seminare in Australien und Uganda an

Teaserbild Uni ZH Flugreisen
Eine Flugreise von Zürich nach Brisbane verursacht laut Rechner von Myclimate 5.7 Tonnen CO2 (Hin- und Rückflug).Bild: montage: watson/lea / material: wikimedia, google maps

Keine Flugscham: Die Uni Zürich bietet Kurz-Seminare in Australien und Uganda an

Die Universität Zürich will mit veganen Menüs CO2 sparen. Gleichzeitig bietet sie ihren Studenten viertägige Seminare in Australien und Uganda an.
15.10.2019, 09:2415.10.2019, 12:44

Keine Flugscham: Die rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Zürich schickt im Frühjahr 2020 Studenten für viertägige Seminare nach Australien und Uganda. «Ist das deren ernst?!», regt sich Studentin Marie* auf, die watson auf die Lehrveranstaltungen hinweist.

Im Februar findet in Brisbane ein Seminar zu organisiertem Verbrechen, Glücksspiel und Strafrecht statt. Im April ist in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, ein Seminar zur Schnittstelle von Recht, Politik und Gesellschaft geplant.

Eine Flugreise nach Brisbane von über 20 Stunden, 32'000 Flugkilometern und laut Rechner von Myclimate 5.7 Tonnen CO2 (Hin- und Rückflug) für vier Tage: Das kommt im Klimajahr schlecht an.

Die Zürcher Hochschule hat sich die Umwelt eigentlich auf die Fahne geschrieben. Seit 2014 gibt es dort ein «Nachhaltigkeitsteam». Dies veröffentlichte diesen April erstmals einen Sustainability-Bericht. Das Paper zeigte: Zwar sanken die Treibhausgas-Emissionen der Universität Zürich von 2017 auf 2018 insgesamt um 20 Tonnen (hauptsächlich dank veganen Menüs in der Mensa), schuld an den meisten Emissionen der Hochschule ist jedoch das Fliegen: Die Flugreisen der Mitarbeitenden und Gäste sind für 8299 Tonnen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Man bemerke: Die Flüge der Studenten wurden dabei noch gar nicht mitgezählt.

Es gebe «Zielkonflikte»

Auf Anfrage sagt Prorektor und Strafrechtsprofessor Christian Schwarzenegger, der die Seminare organisiert: «Beim Thema Nachhaltigkeit kann es gewisse Zielkonflikte geben.» Nebst dem Klimaschutz stünden auf der UNO-Liste mit Zielen für eine nachhaltige Entwicklung diverse weitere Anliegen: Unter anderem die Armutsbekämpfung, Beseitigung von Ungleichheit, Frieden und Gerechtigkeit. Um diese Ziele zu erreichen, sei eine gute internationale Zusammenarbeit in Forschung und hochstehender Lehre wichtig.

Sustainable Development Goals

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung sind politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen, die der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen sollen.

Die beiden Seminare seien so aufgebaut, dass der grösste Teil der Kontakte via elektronische Plattform stattfindet. Der persönliche Austausch, die Diskussion und Institutionsbesuche vor Ort seien aber immer noch «wesentliche Elemente des Lern- und Forschungsprozesses». Das Seminar in Brisbane dreht sich um Fragen der internationalen organisierten Kriminalität. Schwarzenegger: «Falls Juristen in Zukunft Probleme der internationalen Kriminalität lösen wollen, müssen sie mit internationalen Partnern zusammenarbeiten und die Ausgangssituationen vor Ort verstehen.»

Schwarzenegger betont, es stehe den Studierenden natürlich frei, ihren Aufenthalt in der jeweiligen Region vor und nach dem viertägigen Seminar zu verlängern. Wie viele Studenten im Frühjahr 2020 nach Australien und Uganda reisen, ist stand jetzt noch nicht klar. Der Anmeldeprozess läuft.

Grüne und Studenten fordern Uni-Flugverbot für Kurzstrecken

Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen Schweiz, sagt zu den viertägigen Seminaren in Afrika und Australien: «Ich finde, wir müssen uns über die grossen Fragen Gedanken machen. Menschen, die aus akademischen oder zum Beispiel auch aus familiären Gründen reisen, machen nur einen relativ kleinen Teil der Problematik aus. Aber klar müssen Flüge aus wissenschaftlichen Gründen auf ein Minimum reduziert werden.»

Eigentlich gebe es genügend innovative Möglichkeiten, um die geografische Distanz zu überbrücken: «An der Universität Genf hatten wir per Videovorlesung einen Ethikkurs zusammen mit einem Flüchtlingscamp in Afrika. Das hat sehr gut funktioniert, solche Ansätze muss man viel stärker verfolgen.»

Was ist mit Lehrausflügen nach Paris, Berlin oder Rom? Hier ist Franzini kategorischer: «In Europa ist das Reisen ohne Flugzeug sehr gut möglich. Deshalb sollte es für die Universitäten ein Flugverbot für Kurzstecken geben.»

Der Studentenverband der Universität Zürich setzt sich in einem Positionspapier ebenfalls für ein Verbot von Kurztrips per Flugzeug ein. Videokonferenzen seien die bessere Alternative. Diese und andere Massnahmen werden momentan intern diskutiert. Ende November soll entschieden werden.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das sind die besten Universitäten der Welt
1 / 22
Das sind die besten Universitäten der Welt
Das Magazin Times Higher Education ermittelt jedes Jahr die besten Universitäten weltweit. In der aktuellen Ausgabe (2021) zum sechsten Mal auf Platz 1: Universität Oxford (UK).
quelle: wikicommons / peter trimming
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Der Supercomputer der HSG
Video: srf
Ein neues AKW? «Nicht realistisch»
Die neue BKW-Produktionschefin Margarita Aleksieva warnt vor zu grossen Hoffnungen in neue Kernkraftwerke. Sie setzt auf bestehende AKW, Wind- und Wasserkraft – und fordert deutlich schnellere Bewilligungsverfahren.
In die Schweiz kam Margarita Aleksieva wegen eines Jobs beim damaligen Energieversorger Atel, der heute zum Alpiq-Konzern gehört. Zwei Jahre wollte die gebürtige Bulgarin bleiben. Daraus sind inzwischen 20 geworden. Aleksieva hat den Schweizer Pass, stimmt ab und engagiert sich in Vereinen an ihrem Wohnort in der Nähe von Baden AG. Und sie hat hier Karriere gemacht: Seit sechs Monaten sitzt sie in der Konzernleitung der BKW und ist dort für die Energieproduktion verantwortlich. Eine besondere Leidenschaft hat sie für die Windenergie. Schon in ihren ersten Jahren bei Atel schlug sie der Geschäftsleitung ein Windprojekt vor – und blitzte ab. Die Windkraft galt damals als zu exotisch, heute ist sie weltweit etabliert, aber in der Schweiz äusserst unbeliebt.
Zur Story