Schweiz

Bild: SCHWEIZER FERNSEHEN SF

«Wir sind manchmal richtige Schlampen»: Viktor Giacobbo über das Ende von «Giacobbo/Müller»

Neun Jahre Late-Night und immer noch Freunde: Ende 2016 verabschieden sich Mike Müller und Viktor Giacobbo vom Fernsehen.

Publiziert: 18.01.16, 13:05 Aktualisiert: 19.01.16, 09:37

Viktor, was ist geschehen? Ist die grösste Bromance der Schweiz am Ende?
​Ja, unsere Anwälte haben uns geraten aufzuhören ... Nein, es ist ganz einfach: Wir haben beschlossen, aufzuhören, solange es uns noch gefällt, bevor wir Verschleisserscheinungen feststellen, bevor die Routine einsetzt und das Publikum dies zu spüren beginnt. Unser Team weiss das seit letztem Herbst, publik machen wollten wir das aber immer schon am 18. Januar um 11 Uhr. Also, bevor die neue Staffel beginnt.

Eure Kritiker stellen ja schon lang eine ganze Menge an Verschleisserscheinungen fest.
Für die Kritiker bin ich schon immer «früher» besser gewesen. Lustiger, frecher, jünger. Nicht erst seit «Giacobbo/Müller», auch schon mit «Viktors Spätprogramm». Es gab einmal, Anfang der 90er, eine Sendung, die ​alle richtig gut fanden, seither bin ich immer schlechter. 

Stimmt mein Eindruck, dass eure Ferien immer länger werden?
Auch das ist so ein Phänomen! Wir machen von Anfang an 30 Sendungen pro Jahr, aber die Presse dichtet uns konstant längere Ferien an. Und eine sinkende Quote. Wenn es nach den Medien ginge, hätten wir schon lange keinen einzigen Zuschauer mehr. Dabei ist unsere Quote immer zwischen 30 und 35 Prozent. Ausser, wenn Roger Federer spielt. Dann sinkt sie leicht unter 30 Prozent.​

Roger Köppel bei den Bieglers

YouTube/SRF Comedy

Gut, das ist für Mike natürlich ein echter Quotenknick. Mit dem «Bestatter» liegt er über 40 Prozent.
​Vielleicht hätten wir auch mehr auf tote Aargauer setzen sollen. Eine Mainstream-Serie und Late-Night-Satire sind ja auch ganz was Anderes ... Aber um zu Mike zurückzukehren...

... genau, ihr habt wirklich keinen Krach? Oder hast du zu viele Witze über seinen Bauch gemacht?
Wir möchten das betonen: Wir sind immer noch gute Freunde, wir haben auch für die mittelfristige Zukunft schon zwei gemeinsame Bühnenprojekte in Planung. Und im Gegensatz zu dem, was die Medien schreiben, ist er gertenschlank.

Aber fürs Fernsehen ist aktuell nichts geplant?
Das musst du das Fernsehen fragen. Von mir aus sicher nicht. Ich werde allerdings darauf hinzuwirken versuchen, dass Jüngere die gleiche Chance bekommen, die ich mal hatte, und einfach loslegen können. Das war mir schon immer ein Riesenanliegen, in «Giacobbo Müller» wie im Casinotheater. Alle Jungen, die heute arriviert sind, haben da ihre ersten Schritte gemacht, von Fabian Unteregger über Michael Elsener bis Hazel Brugger.

Hanspeter Burri und Fredi Hinz

YouTube/SRF Comedy

Der Lieblingsclip von Viktor und Mike

YouTube/SISSufis

Etwas ganz Anderes: Geht ihr im Frieden mit SRF auseinander?
​Absolut. Es war ja von Beginn weg meine Bedingung, dass uns niemand dreinredet, daran hat sich auch bis heute nichts geändert. Die gute Quote hilft da natürlich.

Dann habt ihr grosses Glück gehabt, das ist ja nicht der Courant normal bei SRF. Aber zurück zu dir und Mike: Was ist das Wichtigste in eurer Beziehung?
Sicher die Freundschaft, und dass wir die auch trotz der Arbeit, trotz Stress und Anspannung bewahren können. Und dass wir zueinander schonungslos ehrlich sind. Wir kritisieren am schärfsten, was wir da so tun. Wir lassen uns aber auch die Freiheit, Dinge auszuprobieren und wieder sein zu lassen, wir sind manchmal schon zwei richtige Schlampen.

Boppeler und Stark im Flugsimulator

YouTube/SRF Comedy

Schlampen?
Für Late-Night braucht man einfach eine gewisse Schnodrigkeit und Schludrigkeit. Wir finden uns nicht die grössten Künstler des Jahrhunderts. Bloss die zweitgrössten. Wenn eine Sendung nicht so gut ist, haben wir am nächsten Sonntag schon die nächste Chance. ​Manchmal improvisieren wir auch ein bisschen zu viel und verhaspeln uns, wir haben ja auf der Bühne keine gescripteten Texte, bloss Stichworte. Das ist mal gut, mal aber auch nicht.

Dann geht ihr einen Kaffee holen.
Genau, auch das gehört dazu. Oder es gibt Figuren, die hasst ein Teil des Publikums, aber wir lieben sie und machen einfach mit ihnen weiter.

Wer sind denn solche Hassfiguren?
Boppeler und Stark polarisieren total. ​Neulich machten wir eine Nummer mit ihnen in diesem fantastischen Flugsimulator. Wir beide hatten eine Saufreude an diesem blöden Cockpit, deshalb wurde die Nummer zu lang. Und nicht besser. Aber um auf deine erste Frage zurück zu kommen: total bromantisch.

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Giacobbo/Müller wird eingestellt - traurig oder froh?

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  • 6%Froh! Hab die Sendung zwar nie geschaut, aber die Beiden haben mich trotzdem genervt.
  • 77%Traurig! Die Sendung war ein Muss am Sonntagabend!
  • 17%Die hatten ja eh das ganze Jahr Sommerpause...

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10 Kommentare anzeigen
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600
  • satizfaction 19.01.2016 09:21
    Highlight Die Witze waren mir meistens viel zu harmlos und bünzlig. Mir gefällt die heute-show viel besser. Die Deutschen haben allgemein mehr Biss als wir Schweizer.
    9 3 Melden
    600
  • Retarded Wizard 18.01.2016 20:49
    Highlight Schade, wirklich schade. Ich hoffe sie verschwinden danach nicht auch noch komplett von der Bildfläche. Falls jemand den Film Ernstfall in Havanna aus welchen Gründen auch immer, noch nicht gesehen hat, unbedingt nachholen. Mike Müller und Victor Giacobbo in Topform. Danke für die vielen bisherigen unterhaltsamen Stunden, und jene die noch folgen werden.
    30 1 Melden
    600
  • Grufti 18.01.2016 18:18
    Highlight Wirklich sehr schade. Eine wirkliche Alternative sehe ich aktuell in der Schweiz nicht.
    Dann muss ich wohl zukünftig mit der ZDF Heute Show vorlieb nehmen. Auch ganz gut.
    Aktuell trifft von den Schweizer Comedians nur Hazel Brugger meinen Humor. Sie ist einfach grossartig.
    32 2 Melden
    • seventhinkingsteps 18.01.2016 20:33
      Highlight Unbedingt "die Anstalt" mal schauen!
      19 0 Melden
    • Sir Jonathan Ive 19.01.2016 16:01
      Highlight Die Anstalt wird aber nur einmal im Monat ausgestahlt.
      1 0 Melden
    • seventhinkingsteps 19.01.2016 16:32
      Highlight Ja, ist halt zum Teil Kabarett und alles einstudiert, das ist eine Leistung in einem Monat zu recherchieren, Material zu erarbeiten und zu proben. Giacobbo Müller ist mit Stichworten grob vorgegeben aber grösstenteils improvisiert.
      0 0 Melden
    600
  • seventhinkingsteps 18.01.2016 16:05
    Highlight Schade, es braucht eine gute Polit-Satire in der Schweiz. Würde mir sowas kritisches wie "Die Anstalt" auch für die Schweiz wünschen.
    60 1 Melden
    600
  • Splinter 18.01.2016 15:47
    Highlight hab sie ab und zu gesehen, hat noch einige lustige Sachen da.

    Man kann es eh nie allen recht machen
    46 1 Melden
    • Simone M. 18.01.2016 16:04
      Highlight Den Herrn Buiuiuiuiuiuiui werd ich vermissen.
      72 4 Melden
    600
  • Spielverderber 18.01.2016 13:59
    Highlight Ja nu, alles endet mal. Schade, dass die alte Garde geht. Wieder zwei weniger. Das neue Comedy Zeugs (weiss nicht wo ich lachen kann, muss) überzeugt mich nicht. Die beiden waren halt schon Künstler ihres Fachs.
    86 9 Melden
    600

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