Schweiz
UserInput

Die «Superschweizerin» auf dem SVP-Unterschriftenbogen ist Europäerin – und wirbt auch für saubere Energie

Jetzt flattert der Unterschriftenbogen der SVP-Selbstbestimmungs-Initiative in die Haushalte. Doch etwas darauf ist da nicht so ganz schweizerisch, hat Werber Maurus Zehnder herausgefunden.
Jetzt flattert der Unterschriftenbogen der SVP-Selbstbestimmungs-Initiative in die Haushalte. Doch etwas darauf ist da nicht so ganz schweizerisch, hat Werber Maurus Zehnder herausgefunden.Bild: userinput

Die «Superschweizerin» auf dem SVP-Unterschriftenbogen ist Europäerin – und wirbt auch für saubere Energie

22.03.2015, 13:1823.03.2015, 11:51

Selbstbewusst strahlt sie vom SVP-Unterschriftenbogen. «Denn hier bestimme ich», verkündet sie mit vor der Brust verschränkten Armen. Sie; das ist die Superschweizerin, die wahre Eidgenossin – freiheitsliebend, stolz auf ihr Land, entschlossen gegen fremde Richter.

Dass mit dieser Dame etwas nicht stimmen kann, stach watson-User Maurus Zehnder sofort ins Auge, als er den Unterschriftenbogen für die SVP-Selbstbestimmungs-Initiative aus seinem Briefkasten fischte: «Das kann nur ein Stock-Foto sein», dachte sich der langjährige Werber. 

Eine kurze Googlesuche später kann sich Zehnder das Lachen nicht mehr verkneifen: Diese schöne Superschweizerin gibt es unter den Stichworten «Frau», «Selbstvertrauen» und – ACHTUNG – «Europäischer Abstammung» auf iStock zum Download.

«Liebe SVP. Wenn ihr schon meinen Briefkasten fremdbestimmt, dann bitte mit einer echten Schweizerin. Und nicht mit einer billigen iStock-Bitch europäischer Abstammung», postet Zehnder zum Amüsement seiner Freunde auf Facebook. 

Bild
Bild: userinput

Maurus Zehnder findet die Wahl des Bildes völlig unverständlich: «Natürlich sind Stock-Bilder in der Werbung gang und gäbe. Aber wer solch nationale Werte vertritt wie die SVP sollte vorsichtiger sein bei der Bildwahl – gerade im Kontext dieser Initiative», sagt er. Zudem ist Zehnder überzeugt: «Die SVP hätte bestimmt ein nettes Model und einen Schweizer Fotografen für ein günstiges Shooting gefunden.»

SVP

Wie zufrieden die SVP rückblickend mit ihrer Bildwahl ist, sei dahin gestellt: Die selbstbewusste Schöne wirbt nämlich in ganz Deutschland ausgerechnet für erneuerbare Energiequellen – ein Anliegen, das definitiv nicht in der SVP-Partei-Agenda auftaucht. Sie gibt aber auch einen guten Personalrecruiter in Berlin und wirbt für Gesundheitsprodukte, Fertighaus- und Bungalowkataloge, schwedische Fitnesscenter, Livecoaches in Grossbritannien und Lehrgänge in Frankreich. 

SVP wiegelt ab

Martin Baltisser, Generalsekretär der SVP, findet es halb so tragisch: «Da es sich bei einem Bogen, wie einem Flyer oder Plakat, auch um ein Werbemittel handelt, spielt es keine Rolle, woher die Bilder stammen», schreibt er auf Anfrage. Für politische Werbung seien in der Schweiz praktisch keine Fotos von Personen verfügbar. Deshalb wurde auf das iStock-Archiv zurück gegriffen. Warum kein Geld in ein eigenes Shooting investiert wurde, lässt er offen. 

Damit hat die SVP nämlich auch schon daneben gegriffen. Vor vier Jahren castete sie für einen Werbespot eine schöne Badenixe: «Schweizerinnen wählen SVP», verkündete eine Stimme im Hintergrund zu den anregenden Badebildern. Darauf, dass das Model türkischen Migrationshintergrund mitbrachte, achtete die SVP dann weniger. (rar)

Mehr aus der SVP-Kampagnen-Küche: Abstimmungsplakate seit 1992

1 / 14
SVP-Abstimmungsplakate
Mit Zangen-Plakaten gelang es Christoph Blocher und der SVP, am 6. Dezember 1992 den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) zu bodigen.
quelle: keystone / str
Auf Facebook teilenAuf X teilen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Hitze verformt SBB-Gleise – ETH-Professor warnt vor Entgleisungen
Die SBB registrierten im vergangenen Hitzesommer 97 verformte Gleisabschnitte – fast viermal so viele wie im Vorjahr. Ein ETH-Experte warnt vor dem Risiko schwerer Unfälle und fordert zusätzliche Schutzmassnahmen.
Extreme Hitze wird zunehmend zum Problem für das Schweizer Schienennetz. Wie die «SonntagsZeitung» unter Berufung auf bislang unveröffentlichte Zahlen der SBB berichtet, kam es in diesem Jahr zu 97 sogenannten Verwerfungen und Verdrückungen der Gleise.
Zur Story