Starlink-Drosselung stört ukrainische Drohnen – Musk verweist auf Trump
Neue Einschränkungen beim Satelliteninternet Starlink sorgen in der Ukraine für Ärger. Nach Angaben ukrainischer Behörden wurde die Verbindung für Geräte in Bewegung auf eine Geschwindigkeit von rund 160 Kilometern pro Stunde begrenzt. Dadurch verloren unter anderem schneller fliegende Drohnen ihre Verbindung zum Satellitennetz. Mehrere Militäreinsätze seien beeinträchtigt worden, berichtet die BBC.
Starlink ist für die ukrainischen Streitkräfte von grosser Bedeutung. Das System ermöglicht Kommunikation an der Front und wird unter anderem zur Steuerung von Drohnen sowie bei der Luftverteidigung eingesetzt.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bat deshalb darum, die Einschränkungen wieder aufzuheben. Er hoffe, dass es sich um einen Fehler oder ein grosses technisches Problem handle, sagte er gegenüber britischen Medien.
Musk verweist auf US-Regierung
Elon Musk reagierte am Mittwoch auf die Kritik. Dabei unterschied er zwischen dem kommerziellen Starlink-Dienst und Starshield, einer speziell für Regierungen und militärische Anwendungen entwickelten Variante.
Beschränkungen bei Geschwindigkeit oder Nutzung würden vom US-Militär und «letztlich» vom US-Präsidenten festgelegt, schrieb Musk auf X. Die US-Regierung äusserte sich zunächst nicht dazu.
Musk erklärte gleichzeitig, das zivile Starlink dürfe lediglich für zivile oder defensive Zwecke verwendet werden. Offensive militärische Einsätze seien aus seiner Sicht für einen kommerziellen Dienst nicht angemessen.
Damit weist Musk den Eindruck zurück, SpaceX habe eigenmächtig entschieden, ukrainische Militäreinsätze einzuschränken.
Verbindung teilweise wiederhergestellt
Bis Mittwochabend hatte sich die Situation nach Angaben des früheren ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow teilweise verbessert. Starlink-Verbindungen seien bei Geschwindigkeiten bis rund 160 km/h wiederhergestellt worden.
Das reicht der Ukraine allerdings nicht. Fedorow bezeichnete die vollständige Aufhebung des Tempolimits bei Starshield als «entscheidend für die Verteidigung der Ukraine».
Besonders brisant ist der Zeitpunkt. Die Einschränkungen traten während eines grossen russischen Angriffs auf die Ukraine in Kraft. Nach Angaben ukrainischer Behörden wurden dabei Energie- und Kommunikationsanlagen getroffen. Mindestens 600'000 Menschen waren zeitweise ohne Strom. BBC Mirror
Ukraine vermutet politischen Zusammenhang
Selenskyjs Berater Serhij Beskrestnow zweifelt laut BBC daran, dass der Zeitpunkt Zufall war. Er brachte die Einschränkungen mit den zunehmenden Spannungen zwischen Washington und Kiew in Verbindung.
US-Präsident Trump zeigt sich zuletzt zunehmend verärgert über ukrainische Angriffe auf russische Energieanlagen. Selenskyj wiederum warf Washington vor, mit Einschränkungen bei der Weitergabe von Geheimdienstinformationen gedroht zu haben. Trump bestreitet dies.
Zusätzlich sorgte in Kiew ein US-Abkommen über den Import russischen Diesels für Kritik. Selenskyj sagte bei einem Besuch in London, er habe sich dadurch durchaus «verraten» gefühlt – die Situation sei allerdings komplizierter als seine persönlichen Gefühle.
Der Streit zeigt zugleich, wie abhängig die Ukraine inzwischen von westlicher Technologie ist. Eine technische Einschränkung bei einem einzelnen Satellitendienst kann unmittelbar beeinflussen, welche militärischen Operationen ukrainische Streitkräfte durchführen können. (mke)
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