DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Positiver Corona-Test? Hausärzte und Spitalärzte spielen neu eine zentrale Rolle bei der raschen Alarmierung über die SwissCovid-App.
Positiver Corona-Test? Hausärzte und Spitalärzte spielen neu eine zentrale Rolle bei der raschen Alarmierung über die SwissCovid-App. Bild: KEYSTONE
Interview

SwissCovid erhält Unterstützung durch tausende Schweizer Ärzte – das steckt dahinter

Dank den Mitgliedern des Ärzteverbandes FMH soll ein «Flaschenhals» beim Schweizer Contact-Tracing-System beseitigt werden. Eine Verantwortliche erklärt.
05.11.2020, 08:5305.11.2020, 13:13

Ab sofort generieren in der Schweiz praktizierende Ärzte Codes für die SwissCovid-App und geben diese per Telefon, SMS oder per E-Mail an infizierte Patienten weiter.

Diese Ankündigung des Berufsverbandes der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH vom Montag lässt hoffen, dass eine gravierende Schwachstelle des Schweizer Contact-Tracing-Systems innert kurzer Zeit «entschärft» werden kann.

Bisher waren die kantonsärztlichen Dienste für das Ausstellen der sogenannten Covidcodes zuständig. Laut Schilderungen von Betroffenen kommt es dabei zu Verzögerungen, so dass Warnungen verspätet oder gar nicht mehr in nützlicher Zeit angezeigt werden. Nun sollte dieser «Flaschenhals» bei dem vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) konzipierten Alarmierungssystem behoben worden sein. Als Konsequenz können SwissCovid-Nutzer, die vielleicht unbemerkt angesteckt wurden, schneller gewarnt werden als bisher.

watson hat beim Ärzteverband FMH nachgefragt. Im Folgenden werden die Antworten von Dr. med. Yvonne Gilli, Mitglied des FMH-Zentralvorstandes und Departementsverantwortliche Digitalisierung / eHealth wiedergegeben.*

«Nach Bedarf können auch Spitäler von diesem Angebot Gebrauch machen.»
Dr. med. Yvonne Gilli

Wie viele Ärzte können mitmachen?

Der Berufsverband hat gemäss eigenen Angaben über 42ʼ000 Mitglieder. Auf die Frage, wie viele Schweizer Ärztinnen und Ärzte nun Covidcodes ausstellen können, schreibt FMH-Vorstandsmitglied Yvonne Gilli:

«Die FMH hat alle praktizierenden Ärztinnen und Ärzte angeschrieben. Das sind auch diejenigen, welche selbst die SARS-CoV-2-Diagnostik durchführen oder veranlassen und als Erste über positive Resultate informiert werden. Spitalärztinnen und Spitalärzte wurden durch den Dachverband der Spitäler angeschrieben. Nach Bedarf können auch Spitäler von diesem Angebot Gebrauch machen.»

Kann man schon etwas zur Akzeptanz sagen?

Dazu die FMH-Vertreterin:

«Bereits am ersten Tag haben sich über 500 Ärztinnen und Ärzte registrieren lassen.»

Bringt's das?

Das FMH-Vorstandsmitglied bestätigt, dass es keine Erfolgskontrolle gibt, weil die Zahl der eingegebenen Covidcodes nicht statistisch erfasst wird durch das System:

«Wir gehen davon aus, dass diejenigen Ärztinnen und Ärzte, welche sich für die Erstregistrierung melden, auch Covid-Codes an jene Patienten und Patientinnen vergeben, die positiv getestet worden sind und die App nutzen. Wer von diesen Patientinnen und Patienten den Code auch über seine App verwendet und seine Kontaktpersonen damit warnt, wissen wir nicht.»

Müssen die Arztpraxen und Spitäler mitmachen?

Nein.

Wie schon die Nutzung der SwissCovid-App erfolge auch das Ausstellen und Weitergeben der Covidcodes durch die Praxisärztinnen und Praxisärzte auf freiwilliger Basis.

Wer hat das umgesetzt?

Die technische Umsetzung und das Know-how werden von der Schweizer Firma HIN (Health Info Net AG) zur Verfügung gestellt, ebenso wie der Support für die Erstregistrierung der Ärztinnen und Ärzte, wie der Ärzteverband auf Anfrage mitteilt. Dabei handelt es sich um ein privates Unternehmen, das 1996 auf Initiative der FMH und der Ärztekasse gegründet wurde. Mehrheitsaktionärin ist die FMH.

Die aktuelle Lösung sei in enger Zusammenarbeit zwischen dem Ärzteverband FMH, der Firma HIN sowie dem BAG und BIT (Bundesamt für Informatik) erarbeitet worden. Die Kommunikation mit den Ärzten koordiniere der Verband.

Wie funktioniert das?

Dazu das FMH-Vorstandsmitglied:

«HIN AG stellt die Identität derjenigen Person fest, welche auf das Portal des BAG zugreifen möchte und wirkt damit wie ein Türöffner (Login-Verfahren). Die Identifikation dieser Person bei HIN erfolgt über die HIN-Identität, welche bereits viele Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz für andere Anwendungen wie bspw. die Mail-Verschlüsselung haben. Für Mitglieder, die nicht über eine HIN-Identität verfügen, stellt die FMH eine eigene Identität kostenfrei zur Verfügung, die auf der HIN-Technologie beruht.»

Gibt's ein Monitoring?

Dazu schreibt die FMH-Vertreterin:

«Wir monitoren jenen Bereich, der in unserer Verantwortung liegt: Wie viele Ärztinnen und Ärzte lassen sich registrieren? Welche Rückmeldungen erhalten wir? So können wir auch proaktiv kommunizieren. Im Übrigen bleiben wir in engem Kontakt mit dem BAG, um synergistisch einen bestmöglichen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten zu können.»

* Das Interview wurde per E-Mail geführt.

So einfach lassen sich Covidcodes am PC generieren:

1 / 9
So einfach lassen sich Covidcodes ausstellen
quelle: keystone / jean-christophe bott
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Dieses Problem (bei den Kantonsärzten) sollte nun entschärft werden:

Wie viele Covidcodes werden eingegeben?

Darüber informiert der Bund auf einer für die Coronakrise eingerichteten Monitoring-Webseite. So wurden zum Beispiel am vergangenen Montag, 2. November, insgesamt 1136 Covidcodes in der SwissCovid-App eingegeben, um «enge Kontakte» auf eine mögliche Ansteckung hinzuweisen. Am gleichen Tag waren 1,88 Mio. SwissCovid-Apps aktiv.

Seit Mitte Oktober ist die Zahl der eingegebenen Covidcodes massiv angestiegen.
Seit Mitte Oktober ist die Zahl der eingegebenen Covidcodes massiv angestiegen.screenshot: bfs.admin.ch

Quellen

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

21 Schweizer Erfindungen, die allen das Leben erleichtern

1 / 23
21 Schweizer Erfindungen, die allen das Leben erleichtern
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

SwissCovid-App noch nicht installiert? Wir helfen dir

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

10 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
NotWhatYouExpect
05.11.2020 08:59registriert April 2017
Na hoffen wir, dass es nun etwas vorwärts geht.

Bei einem Freund war es so, dass er zuerst 4 Tage auf das Resultat gewartet hat und dann nochmals 5 Tage bis er den Code bekommen hatte.

Dies sollten wir schon auf 1-2 Tage hinkriegen.
7511
Melden
Zum Kommentar
avatar
DiejenigeWelche
05.11.2020 09:31registriert April 2014
Aus eigener Erfahrung (Zürich): vor zwei Wochen ist mein Mann positiv getestet worden. Wurde nie vom Contact Tracing kontaktiert, hat nur eine SMS erhalten er solle doch bitte alle Kontakte selber informieren. Falls er einen Code brauche, bitte per Mail melden. Hat er, aber eine Rückmeldung kam nie.
Diese Woche hat's mich nun erwischt: nach 48h bereits 2x vom Contact Tracing kontaktiert worden, Code nach 48h erhalten. Wurde sogar per SMS kontaktiert obs geklappt hat. Hat sich also definitiv was getan in den letzten zwei Wochen.
529
Melden
Zum Kommentar
avatar
Töfflifahrer
05.11.2020 09:21registriert August 2015
Ehrlich gesagt, hier ist die Freiwilligkeit eher hindernd.
Bei einer Pandemie muss doch die Ärzteschaft , inkl. Spitäler, verpflichtet werden können beim Erhalt des Ergebnisses den Code auszustellen. Derjenige, der den Betroffenen informiert, soll auch den Code ausstellen / mitteilen müssen.
4022
Melden
Zum Kommentar
10
«Viele denken nicht mehr an Corona oder wollen nicht mehr daran denken»
Die steigenden Coronafallzahlen erinnern uns: Noch ist die Pandemie nicht vorbei. Der Infektiologe Jan Fehr sagt, was der Anstieg bedeutet und wie wir uns jetzt am besten verhalten.

Grüezi Herr Fehr, lange nicht mehr gehört, fehlt Ihnen der Medienrummel und die täglichen Interviews zur Covid-Situation?
Jan Fehr: Ganz weg ist der Medienrummel nicht. Ich gebe derzeit einige Interviews zu den Affenpocken. Aber ich bin froh, muss ich nicht mehr in dem Ausmass Auskunft geben wie noch vor ein paar Monaten.

Zur Story