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62 Tote Flüchtlinge vor libyscher Küste im Mittelmeer geborgen

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Die Crew von Sea-Eyes Anfang Juli bei einer Rettungsaktion im Mittelmeer. Bild: EPA

«Schlimmstes Unglück im Mittelmeer dieses Jahr»: Dutzende Tote vor Libyen geborgen

26.07.2019, 20:0126.07.2019, 22:59

Nach der jüngsten Flüchtlingstragödie im Mittelmeer haben Rettungskräfte dutzende Tote geborgen. Retter vom Roten Halbmond hätten seit Donnerstagabend 62 Leichen von Migranten aus dem Wasser geholt.

Dies sagte ein Vertreter der Hilfsorganisation, Abdelmoneim Abu Sbeih, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Hilfsorganisationen befürchteten mehr als hundert Tote. Die Uno sprach vom «schlimmsten» Unglück im Mittelmeer in diesem Jahr. Die Tragödie befeuerte die Debatte um eine staatliche Seenotrettung.

Das Unglück hatte sich am Donnerstag vor der Küste der libyschen Stadt Choms ereignet. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) befürchtete mehr als 110 Tote. Die libysche Küstenwache sprach von 115 Vermissten; nach ihren Angaben wurden 145 der Schiffbrüchigen gerettet. Es war weiter unklar, wie viele Menschen insgesamt an Bord waren.

Überlebende berichtete nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen von insgesamt rund 400 Insassen, die mit drei hintereinander vertauten Holzbooten das Mittelmeer überqueren wollten.

«Unmöglich zu benennen»

Viele Leichen befänden sich noch im Wasser, sagte Sbeih vom Roten Halbmond. «Es ist unmöglich, eine Gesamtopferzahl zu nennen.» Uno-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi bezeichnete den Fall als die «schlimmste Mittelmeertragödie dieses Jahres». Nach Angaben der libyschen Marine stammten die meisten Bootsinsassen aus Eritrea. Auch Palästinenser und Sudanesen waren demnach unter den Geretteten.

«Es ist unmöglich, eine Gesamtopferzahl zu nennen.»
Filippo Grandi, Uno-Flüchtlingskommissar

Vor dem Unglück vom Donnerstag hatten IOM und das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mitgeteilt, dass seit Jahresbeginn mindestens 426 Flüchtlinge beim Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, ums Leben gekommen seien. Erst Anfang Juli ertranken 68 Migranten, als ihr Boot vor Tunesien unterging.

In this photo taken on Sunday Feb. 18, 2018 photo, migrants and refugees' personal belongings lie on a rubber boat after being rescued by aid workers of the Spanish NGO Proactiva Open Arms, after ...
Leeres Gummiboot nach einer Seenotrettung.Bild: AP/AP

Libyen ist eine zentrale Drehscheibe für Geflüchtete und Migranten, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen. In dem nordafrikanischen Land herrscht jedoch Bürgerkrieg, weite Teile des Landes werden von Milizen kontrolliert.

Uno-Flüchtlingskommissar Grandi hatte in einer ersten Reaktion auf das Unglück am Donnerstag eine «Wiederaufnahme der Seenotrettung», ein Ende der «Inhaftierung von Flüchtlingen und Migranten in Libyen» und sichere Fluchtrouten aus Libyen gefordert. Uno-Generalsekretär Antonio Guterres forderte im Kurzbotschaftendienst Twitter «sichere und legale Routen für Migranten und Flüchtlinge».

Umgang mit Flüchtlingen umstritten

In der EU ist der Umgang mit den Bootsflüchtlingen heftig umstritten. Bei Beratungen der europäischen Aussen- sowie der Innenminister in Paris gab es am Montag erneut keine Einigung auf einen Verteilmechanismus für die Flüchtlinge.

«Alle Flüchtlinge und Migranten, die in Lagern in Libyen festgehalten werden, müssen dringend und umgehend aus diesen evakuiert werden.»
Federica Mogherini, EU-Aussenbeauftragte

Italiens Innenminister Matteo Salvini verweigerte am Freitag einem Schiff der eigenen Küstenwache mit 135 Migranten an Bord in Italien anzulegen. Zunächst müsse die EU die Verteilung der Migranten koordinieren; vorher werde kein Hafen geöffnet.

Hilfsorganisationen forderten, dass Migranten nicht nach Libyen zurückgebracht werden dürften. «Alle Flüchtlinge und Migranten, die in Lagern in Libyen festgehalten werden, müssen dringend und umgehend aus diesen evakuiert werden», erklärte die Organisation Ärzte ohne Grenzen.

Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini betonte angesichts des jüngsten Katastrophe im Mittelmeer die «eindeutige Verpflichtung» der EU, den «Kampf gegen Schlepper» und die «Kapazitäten der libyschen Küstenwache» zu verstärken. Die libyschen Behörden forderte sie zu einer Beendigung der «willkürlichen Gefangennahme von Migranten» auf. Die Einführung von Mechanismen zur «verbesserten Behandlung der von der libyschen Küstenwache Geretteten», sei dringend nötig, erklärte Mogherini. (sar/sda/afp)

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