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Ohne Kassenzettel kommen Kunden nicht mehr raus: Migros führt Schrankensystem ein

In rund fünf Prozent der Filialen der Zürcher Genossenschaft hat der Detailhändler Schranken installiert. Grund dafür sind Diebstähle bei den Selbstbedienungskassen.
14.05.2022, 17:12
Pascal Michel / ch media
Kein Kassenbon, kein Durchkommen: Schranke in der Migros-Filiale am Zürcher Albisriederplatz.
Kein Kassenbon, kein Durchkommen: Schranke in der Migros-Filiale am Zürcher Albisriederplatz.Bild: mpa

Vor vier Monaten hatte die Migros-Genossenschaft Zürich genug. Nachdem Ladendiebe an den Selbstbedienungskassen immer häufiger Waren unbezahlt hatten mitgehen lassen, installierte der Detailhändler in der Filiale am Zürcher Albisriederplatz eine Schranke. Damit will er dem Treiben Einhalt gebieten.

Seither kann den Self-Check-out-Bereich nur verlassen, wer den QR-Code seines Kassenzettels an der Schranke einliest – erst dann öffnen sich die Türen.

Der Schritt der Migros Zürich ist insofern bemerkenswert, als Migros und Coop bisher hauptsächlich auf Eigenverantwortung und daneben auf Stichprobenkontrollen gesetzt hatten.

Den Ladenausgang mit einem Kontrollsystem abzuschirmen, war bisher nur in einer Migros-Filiale am Neumarkt in Oerlikon und bei Lidl gängige Praxis. Anders im Ausland: In den Niederlanden gehören die Schranken seit Jahren zum Einkauf dazu – dort kommen sie auch im öffentlichen Verkehr zum Einsatz und regeln etwa den Zugang zu Bahnhöfen.

Fünf Prozent aller Filialen in Zürich

Klare Ansage.
Klare Ansage.Bild: mpa

Wie gross die Verluste in der betroffenen Filiale waren und ob die Massnahme bereits Wirkung gezeigt hat, will die Migros Zürich auf Anfrage nicht preisgeben. Sie hat dieses System «lediglich punktuell und im Sinne der Prävention und zur klaren Abgrenzung des Kassenbereichs im Einsatz», heisst es auf Anfrage von CH Media. Aktuell gebe es bei rund fünf Prozent aller Supermarkt-Filialen der Genossenschaft solche Schwenkarme.

Wie die Migros die Standorte auswählt, an denen sie mit Schranken aufrüstet, bleibt unklar. «Die Standorte werden anhand verschiedenen Kriterien ausgewählt – jede Ladensituation wird dabei individuell begutachtet», sagt eine Sprecherin. Sie betont: Weder für das Personal noch für die Kundschaft hätten die Schranken negative Auswirkungen gehabt.

«Die Lösung stösst in allen betroffenen Supermärkten auf grosse Akzeptanz.» Wie viele Genossenschaften schweizweit auf die Kontrollschranken setzen, ist nicht bekannt.

Lidl setzt seit längerem auf die Technologie

Gute Erfahrungen mit dem System macht Lidl. «Nach einen kurzen Eingewöhnungsphase haben sich unsere Kundinnen und Kunden sehr schnell damit zurechtgefunden», sagt Sprecher Mathias Kaufmann. Der Discounter setzt bereits seit der Einführung der Selbstbedienungskassen auf das Kontrollsystem, das aktuell in rund 90 Filialen in der ganzen Schweiz zum Einsatz kommt.

Er kann folglich die Frage, ob es dadurch zu weniger Diebstählen komme, nicht beziffern. Jedenfalls bewegt sich bei Lidl an den Selbstbedienungskassen der Verlust durch Diebstahl «im tiefen Nachkomma-Bereich».

Nicht nur in Zürich beschäftigen Ladendiebe die Detailhändler. Jüngst berichtete «Argovia Today» über verschiedene Fälle von Self-Scanning-Betrügereien. So ergaunerte ein 30-jähriger Aargauer über einen Monat hinweg in der Migros Waren im Wert von 130 Franken. Seine Taktik: Er scannte seinen Einkauf am Self-Check-out, bevor er jedoch bezahlte, entfernte er einige der Produkte wieder.

Diese Trickserei kostete ihn 1040 Franken. Um 190 Franken erleichterte die Migros eine 35-jährige Aargauerin, die in Spreitenbach und Wohlen einkaufte. Sie stornierte die erfassten Artikel vor dem Bezahlen ebenfalls wieder und wurde mit 1000 Franken gebüsst.

Mehr Selbstbedienungskassen, mehr Diebstähle

Ob in diesen Fällen eine Schranke beim Ausgang des Self-Scanning-Bereichs die Trickser früher hätte stoppen können, ist fraglich. Klar ist: Gemäss Studien steigt die Zahl der Diebstähle, je mehr Selbstbedienungskassen in einem Laden stehen. Forscher, die Daten von 13 Supermarkt-Anbietern und Transaktionen im Wert von 72 Milliarden Euro analysiert hatten, kamen zum Schluss, dass 0,44 Prozent der Self-Check-out-Ware bewusst unterschlagen wird.

Die Forscher geben zu bedenken, dass in diesen Verlusten die möglichen Einsparungen durch Selbstbedienungskassen – etwa weniger Personalkosten – nicht einberechnet sind. Je nachdem, wie ein Geschäft die Technologie einsetzt und seine Personalplanung ausrichtet, lohnt sich Self-Scanning trotz höherem Diebstahl-Risiko. In der Schweiz betonen Migros und Coop stets, dass man in den Verkaufsstellen mit Selbstbedienungskassen nicht weniger Personal beschäftige als vor deren Einführung.

Offen ist, wie sich das Schrankensystem auf die Nachfrage nach Kassenbons auf Papier auswirkt, deren Verwendung die Migros eigentlich aus ökologischen Gründen verringern möchte. Um durch die Schranke zu gelangen, dürften viele Kundinnen und Kunden aus Bequemlichkeit auf den Papier-Kassenzettel zurückgreifen. Obwohl der QR-Code dafür auch auf dem Beleg in der Migros-App mitgeliefert würde.

Keine Pläne für Schranken bei den Selbstbedienungskassen hat Coop. «Der allergrösste Teil unserer Kundinnen und Kunden ist ehrlich», sagt Sprecher Kevin Blättler. (aargauerzeitung.ch)

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quelle: watson
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189 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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*Butterfly*
14.05.2022 18:40registriert Februar 2022
Ok, ich dachte immer, dass niemand einfach durch die Selbstbedienungskassen hindurch läuft. Das fällt ja extem auf und wäre wirklich dreist.

Ich dachte immer der Diebstahl gehe so, dass sie einfach immer nur jeden dritten Artikel oder so erfassen...

Und dann nützt diese Schranke ja eigentlich nichts, weil man einen Kassenzettel zwar hat, aber nicht über die wahrheitsgemässe Ware, weil man einfach zu wenig erfasste.
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DerWeinbauer
14.05.2022 18:38registriert Juli 2021
Und was soll das bringen? Wenn ich "vergesse" das teure Stück Fleisch zu scannen, kriege ich ja trotzden einen Kassenzettel und somit mein "Ausfahrticket"?
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Grave
14.05.2022 21:51registriert April 2015
Toll. Ich fühlte mich so schon immer wie ein schwerverbrecher, wenn ich in den laden gehe, nicht finde was ich brauche und ohne etwas zu kaufen wieder raus laufe
20110
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189
7 (nicht ganz ernst gemeinte) Migros-Abstimmungen, die wir auch noch gerne hätten

Eine grosse Mehrheit der Genossenschaftsmitglieder will, dass die Migros auch künftig keinen Alkohol verkauft. Die Migros-Führung lobte nach dem Urnengang die Demokratie-Freude, mit der die Genossenschafterinnen und Genossenschafter an der Abstimmung teilgenommen haben.

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