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Das willst du nicht sehen. Oder doch? Die Invasion der Penis-Fische

Igelwurm, Urechis unicinctus.
In China nennt man diese Tiere «Penisfische».Bild: Shutterstock

Das willst du nicht sehen. Oder doch? Die Invasion der Penis-Fische

14.12.2019, 13:5214.12.2019, 14:00

Wir müssen hier kurz ausholen: Es soll ja immer noch Männer geben, die wirklich meinen, ihr bestes Stück sei eine Augenweide – besonders für das schöne Geschlecht. Nun liegt Schönheit zwar im Auge des Betrachters, aber vielleicht sollten Dick-Pic-Enthusiasten doch mal nachlesen, was ihnen Emma Amour kürzlich ins Stammbuch geschrieben hat:

Rein optisch kicken mich Penisse nicht (...)
Ich finde einfach, Mother Nature hätte sich etwas mehr bemühen können.
Anna Rothenfluh weiss, wie man mit unerwünschten Dick Pics umgeht:

Wer nun partout nicht glauben will, dass die Ästhetik des männlichen Genitals ein wenig zu wünschen übrig lässt, dürfte sich spätestens durch diese Bilder kurieren lassen:

Zugegeben, das skurrile Ding ist weder Fisch noch Penis. Es lebt jedoch im Meer und erinnert so eindeutig an ein männliches Gemächt, dass es in China «Penisfisch» genannt wird. In Wahrheit handelt es sich um eine Gattung von Igelwürmern (Echiura), die vier Arten umfasst. Sie siedeln alle in den flachen Küstenmeeren des Pazifiks, wo sie sich im Sandboden eingraben und von feinen Nahrungspartikeln leben, die sie aus dem Wasser filtern.

Es kann vorkommen, dass ein Sturm die Sandbewohner aus ihren Höhlen reisst und ganze Kolonien der Igelwürmer an Land gespült werden. Das ist auch am 6. Dezember in Drakes Beach in Kalifornien geschehen, wo der Strand von tausenden der Würmer übersät war.

David Ford, der auf diese Invasion der Meerespenisse stiess, fragte das Naturmagazin «Bay Nature», worum es sich hier handle. Der Biologe Ivan Parr klärte ihn auf und wies darauf hin, dass bereits in der Vergangenheit Igelwürmer in grosser Zahl an kalifornischen Stränden angelandet waren. Manche Anwohner erklärten sich den Anblick damit, ein Bratwurst-Frachter in Seenot habe seine Ladung verloren.

Igelwurm an der Küste von Kalifornien in Elkhorn Slough. Video: YouTube/Kim Powell

Was für die Würmer fatal endet, ist ein Fest für die Seemöwen. Ford berichtete, dem ganzen Strand entlang hätten sich die Vögel aufgereiht und ihre Mägen vollgeschlagen: «Sie hatten so viel gefressen, dass sie kaum noch stehen konnten.» Etwa ein Viertel der Würmer sah noch lebendig aus, die anderen waren tot.

Otter friss Igelwurm Urechis caupo
Auch Otter – pardon: Otten – tun sich gern an den Igelwürmern gütlich. Bild: Shutterstock

Igelwürmer, die bis zu 25 Jahre alt werden können, gibt es schon seit Millionen von Jahren. Sie graben U-förmige Höhlen in den weichen Meeresboden, die nur so breit wie sie selber, aber deutlich länger sind. Aus speziellen Drüsen sondern sie ein schleimiges Sekret ab, das eine Art Netz bildet und durch das sie mit Hilfe ihrer Muskeln Meereswasser pumpen. Danach verschlucken sie das Netz wieder, in dem sich Plankton und andere Nährstoffe verfangen haben.

Igelwurm im Monterey Bay Aquarium.Video: YouTube/Leah K

Die Igelwürmer an der kalifornischen Küste gehören zur Art Urechis caupo, auf Englisch «fat innkeeper worm» genannt. Für den Menschen sind sie wie alle Vertreter ihrer Gattung nicht gefährlich. In China, Korea und Japan, wo die Art Urechis unicinctus heimisch ist, werden die Igelwürmer sogar gegessen; zum Teil roh als Sushi oder gebraten.

Der Igelwurm Urechis unicinctus wird in der koreanischen Küche verwendet, zum Beispiel als Sushi
Koreanisches Sushi aus Igelwürmern.Bild: Shutterstock

Die eiweissreichen Würmer haben nichts zu tun mit einer anderen Tierart, die manchmal ebenfalls als «Penisfisch» bezeichnet wird: Harnröhrenwelse, die im Amazonasbecken beheimatet sind, werden vom Urin ihrer Wirtstiere – normalerweise sind das grosse Fische – angelockt und ernähren sich von deren Blut. Manchmal kommt es vor, dass sie irrtümlich in die Harnröhre von badenden Menschen eindringen und sich dort mit ihren Widerhaken festsetzen. Im Vergleich dazu ist der Igelwurm ein netter Geselle.

Harnröhrenwels (Vandelliinae), auch Penisfisch genannt, ernähren sich vom Blut anderer Fische. 
https://en.wikipedia.org/wiki/Vandelliinae#/media/File:Vandellia_cirrhosa_-_1856_drawing.png
Der eigentliches Penisfisch: Der Harnröhrenwels. Bild: Wikimedia

(dhr)

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