Parmelins engste Vertraute: Diese Frau könnte die erste SVP‑Bundesrätin werden
Es wäre nicht das erste Mal, dass Céline Amaudruz eine Bundesratswahl gewinnt. Als Guy Parmelin 2015 frisch gewählt in Nyon empfangen wird, wirkt sie mindestens so glücklich wie das neue Mitglied der Landesregierung. Die beiden stecken die Köpfe zusammen, stossen an und machen Selfies. Amaudruz feierte damals auch ihren eigenen Erfolg: Sie hatte Parmelins Wahlkampf orchestriert.
Parmelin und Amaudruz verbindet eine langjährige Freundschaft. «Wir stehen täglich in Kontakt», sagte sie kürzlich dem «Tages-Anzeiger». Dieser «aussergewöhnliche Draht», wie ihn in Bundesbern jemand nennt, sorgt derzeit für Gesprächsstoff. Denn Amaudruz gilt als eine der Favoritinnen für Parmelins Nachfolge.
Das SVP-Aushängeschild der Romandie
In der Westschweiz ist Amaudruz seit Jahren eine der wichtigsten Stimmen. Die Genferin ist Vizepräsidentin der SVP Schweiz, zuvor führte sie sechs Jahre lang die Kantonalpartei. Seit 2011 sitzt sie im Nationalrat. Zuletzt war sie bei der Genfer Privatbank Reyl tätig und 2025 wurde sie zum zweiten Mal Mutter.
Ihre Favoritenrolle zementiert nun ausgerechnet Parmelin selbst. Im Interview mit dieser Zeitung nannte er drei mögliche Namen für seine Nachfolge – Céline Amaudruz, Esther Friedli und Natalie Rickli. Dass ein abtretender Bundesrat derart offen Namen ins Spiel bringt, ist ungewöhnlich – und kommt nicht überall gut an. «Es steht einem als Bundesrat nicht besonders an, Kandidaten für die Nachfolge zu empfehlen», sagt etwa SVP-Ständerat Hannes Germann.
Die Nähe zu Parmelin hat Amaudruz auch schon unangenehme Schlagzeilen beschert. Im Dezember 2016 wurde sie nach einem Pferdesportanlass mit knapp zwei Promille am Steuer erwischt. Vom Polizeiposten aus rief sie Parmelin an, der ebenfalls an der Veranstaltung teilgenommen hatte. Amaudruz' Anwalt Christian Lüscher sagte dazu, dass sie in einem Moment starker Verunsicherung Zuspruch eines ihr sehr nahen Freundes gesucht habe.
Zwei Gesichter der SVP
Abgesehen von ihrer Freundschaft verbindet die beiden auf den ersten Blick wenig. Sie verkörpern zwei unterschiedliche Welten innerhalb der SVP: Hier Parmelin, der Weinbauer aus dem ländlichen Waadtland. Dort Amaudruz, die aus einer wohlhabenden Genfer Familie stammt und Karriere in der Finanzbranche machte.
Eine Parallele gibt es allerdings: Wie Parmelin vor seiner Wahl wird auch Amaudruz von manchen in Bundesbern eher als Alibi-Kandidatin gesehen.
Zwar ist Amaudruz Vizepräsidentin der SVP Schweiz, doch über die Sprachgrenze hinweg gilt sie als wenig vernetzt. «Sie ist nicht übermässig um den Austausch bemüht und eher auf das Westschweizer Umfeld fokussiert», sagt SVP-Ständerat Hannes Germann. Für einzelne Anliegen setze sie sich mit Nachdruck ein, ansonsten bleibe sie eher im Hintergrund, sagen Parteimitglieder.
Amaudruz politisiert in der wichtigen Wirtschaftskommission. Mitglieder verschiedener Parteien schildern sie dort als zuverlässige, aber wenig profilierte Politikerin. Eigene Themen treibe sie kaum voran, grosse politische Pflöcke habe sie in Bern bisher nicht eingeschlagen. «Als Bundesratskandidatin passt sie vor allem vom Profil: Sie ist eine Frau und Romande», sagt ein langjähriger Politiker.
In der Westschweiz, wo Amaudruz gut vernetzt ist, fällt das Urteil hingegen deutlich positiver aus. «Sie ist eine starke Persönlichkeit», sagt etwa der Genfer Ständerat Mauro Poggia vom Mouvement Citoyens Genevois (MCG), der in Bern der SVP-Fraktion angehört. Sie sage direkt, was sie denke, und wolle nicht jedem gefallen. Genau das mache sie zu einer guten Kandidatin, die sowohl Kompromisse schliessen als auch Kante zeigen könne.
Die Feministin der SVP
Immer wieder wird zudem ihr Engagement in gesellschaftspolitischen Fragen genannt. Dabei weicht sie regelmässig von der Parteilinie ab: Sie engagierte sich für den Vaterschaftsurlaub, kämpfte für die Individualbesteuerung und sprach 2017 öffentlich über sexuelle Belästigung im Bundeshaus – wofür sie sich in der SVP Kritik einholte.
Bei einer Bundesratswahl könnte ihr das zugute kommen und Stimmen von der linken Ratsseite sichern. Die Genfer Grünen-Nationalrätin Delphine Klopfenstein Broggini hält sie bei den meisten Themen für sehr SVP-nah, räumt ihr jedoch «eine gewisse Offenheit» in gesellschaftlichen Fragen und beim Thema Gleichstellung ein.
Vor der Wahl muss es Amaudruz allerdings zuerst aufs Ticket schaffen. Dabei könnten ihr die guten Wahlchancen sogar schaden. In der SVP gilt für viele Mitglieder die St. Galler Ständerätin Esther Friedli als Favoritin. Tritt Friedli an, könnte Amaudruz bereits bei der Zusammenstellung des Tickets ausgebremst werden, um Friedlis Wahl zu ermöglichen.
Doch Amaudruz weiss aus eigener Erfahrung, wie wenig solche Ausgangslagen bedeuten müssen. Vor elf Jahren war es ihr Freund Guy Parmelin, nun könnte sie sich selbst als unterschätzte Kandidatin durchsetzen. Wenn sie denn will. (schweizheute.ch)
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