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«Die Schweiz gilt als Konzertparadies» – 8 Fragen und Antworten zum Neonazi-Aufmarsch

17.10.2016, 10:0617.10.2016, 16:11

6000 Rechtsextreme versammeln sich im beschaulichen Toggenburg und feiern ungestört ein Festival. Wie konnte das passieren? Und was bedeutet das? Der Schweizer Journalist und Szenekenner Fabian Eberhard beantwortet die wichtigsten Fragen. 

Warum ist der Anlass eine neue Dimension?

Es gab in der Schweiz immer mal wieder Konzerte mit wenigen hundert Teilnehmern. Doch 6000 Rechtsextreme, das ist eine völlig neue Dimension. Das gab es in der Schweiz noch nie. Auch in Europa kann ich mich in den letzten Jahren nicht an Neonazi-Konzerte dieser Grössenordnung erinnern. Die Teilnehmer reisten aus Deutschland, Tschechien, den Niederlanden, Russland und weiteren Ländern an. 

Was bedeutet es, wenn Events mit solchen Besucherzahlen durchgeführt werden können?

Solche internationalen Anlässe sind für die Vernetzung der Szene enorm wichtig. Die Konzerte werden zum Austausch genutzt und um neue Anhänger zu rekrutieren. Sie fördern das Gemeinschaftsgefühl und stärken die Szene. Dass ein solch riesiges Konzert von den Behörden geduldet wird, gibt den Extremisten zudem das Gefühl, dass ihre Ansichten legitim sind.

Fabian Eberhard 
Der Schweizer Fabian Eberhard ist Journalist und Szenenkenner. Er befasst sich schon seit langem mit dem Thema. Eberhard schreibt für die Sonntagszeitung und ist Autor bei Zeit Online. (feb) 

Weshalb haben die Organisatoren die Schweiz ausgewählt? 

Die Schweiz gilt in der Szene als Konzertparadies. In Deutschland handhaben die Behörden solche Anlässe deutlich restriktiver. Die Schweizer belassen es meist beim Beobachten von Aussen.

Warum sind ländliche Gebiete so beliebt für diese Art von Konzerte?

In ländlichen Gegenden gibt es eher Vermieter, die Hand für solche Anlässe bieten. Zudem wollen die Rechtsextremen unter sich bleiben. Ohne ein Grossaufgebot der Polizei und ohne linke Gegenproteste.

Wie eng ist die Zusammenarbeit in der Szene zwischen der Schweiz und Deutschland?

Es gibt eine punktuelle Zusammenarbeit. Das meiste läuft über freundschaftliche Kontakte. Insbesondere zwischen Schweizer und deutschen Aktivisten von Blood and Honour, die den Anlass organisierten und in Deutschland verboten sind, bestehen enge Verbindungen.

Die Polizei redet von einem Rockkonzert und bestätigt nicht, dass Neonazis in Unterwasser gewesen sind. Was für Leute waren wirklich anwesend? 

Zumindest Rechtsextreme. Der Veranstaltungsort war bis zuletzt geheim. Nur Leute, die stark im rechtsextremen Milieu vernetzt sind, hatten Kenntnis vom Konzert. Die Bands stammen allesamt aus der militanten Neonazi-Szene. Bilder zeigen zudem einschlägiges Klientel.

Wie könnte man in Zukunft geschickter umgehen mit solchen Zusammenkünften?

Das Problem ist, dass die Gemeinde den Anlass bewilligte. Das darf nicht passieren. Die Polizei beobachtete dann nur. Ins Innere der Halle ging sie nicht. Kein Wunder also, dass keine Verstösse gegen die Rassismusstrafnorm festgestellt wurden. Die Bands hetzen in ihren Songs offen gegen Ausländer und Linke und rufen zur Gewalt gegen Andersdenkende auf. Das passierte sicher auch in Unterwasser.

Hat die Schweiz die Szene im Griff?

Ja. Aber bei all dem Fokus auf den Islamismus wäre es wichtig, die rechtsextreme Szene nicht aus den Augen zu verlieren. Insbesondere in den umliegenden Ländern erstarkt die rechtsextreme Szene seit Jahren. In Deutschland brennen mittlerweile täglich Asylunterkünfte. Auch in der Schweiz gibt es rund 1000 gewaltbereite Rechtsextremisten. Die Stimmung kann schnell kippen.

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