Berichte: Verletzte nach Siedlerangriffen im Westjordanland
Neben mehreren Palästinensern sei auch eine ausländische Journalistin im Spital behandelt worden, meldeten palästinensische und israelische Medien. Die Gewalt habe sich vor allem gegen palästinensische Helfer bei der Olivenernte gerichtet.
Bei einem Vorfall im Ort Abu Falah sollen Siedler zwei Palästinenser geschlagen haben, hiess es unter anderem in einem Bericht der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa. Einem weiteren Mann wurde dem Bericht zufolge ins Bein geschossen. Das israelische Militär sagte am Nachmittag, Soldaten hätten in der Gegend Warnschüsse in die Luft gegeben und in Richtung einer verdächtigen Person geschossen. Der Palästinenser sei mit einem scharfen Gegenstand auf sie zugelaufen.
Israels Armee sagte weiter, sie untersuche den Vorfall in Abu Falah, bei dem auch die Journalistin verletzt worden sei. Sie sprach von einer «gewalttätigen Auseinandersetzung». Israelische Einsatzkräfte hätten diese beendet. Laut Wafa soll Israels Militär dabei Tränengas gegen Palästinenser eingesetzt haben.
Radikale Siedler sollen Erntehelfer angegriffen haben
Die israelische Zeitung «Haaretz» meldete unter Berufung auf Augenzeugen, dass rund 30 maskierte Siedler Erntehelfer angegriffen und ihnen befohlen hätten, zu gehen. Israelische Sicherheitskräfte seien dazu gekommen, hätten aber keinen der Angreifer festgenommen.
Israelische und palästinensische Medien meldeten auch in anderen Orten im Westjordanland Siedlergewalt, durch die palästinensische Erntehelfer verletzt worden seien. Laut Wafa setzten Angreifer dabei auch Fahrzeuge und Olivenbäume in Brand. Israels Polizei meldete auch Steinwürfe.
Alle Angaben liessen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Netanjahu-Rivale verurteilt Gewalt
Der wichtigste Rivale von Benjamin Netanjahu bei der in elf Tagen anstehenden Parlamentswahl in Israel, Gadi Eisenkot, verurteilte die Siedlergewalt. «Diese Handvoll Randalierer repräsentieren nicht die israelische Öffentlichkeit», sagte er zugleich. Der Ex-Militärchef forderte harte Massnahmen der Polizei gegen sie. Israels Armee teilte ihrerseits mit: «Angriffe und Gewalt gegen unschuldige Zivilisten sind schwerwiegende und inakzeptable Taten.»
Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg nochmals zugespitzt. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem mehr als 1'100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und Anschlägen getötet.
Zugleich hat die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser stark zugenommen. Dem israelischen Militär wird dabei immer wieder vorgeworfen, nicht entschlossen genug dagegen vorzugehen. (hkl/sda/dpa)
