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Ein Gripen-Flugzeug vor dem Start anlaesslich einer Medienkonferenz ueber das schwedische Kampfflugzeug Gripen am Donnerstag, 17. Januar 2013, auf dem Militaerflugplatz in Emmen im Kanton Luzern. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Gripen-Jet: Würde in der Schweizer Ausführung zu mehr als 60 Prozent aus US-Bestandteilen bestehen. Bild: Keystone

Aus der Ferne gesteuert

Uncle Sam hat den Gripen fest im Griff

Die Amerikaner können den Gripen fernsteuern, das Kommunikationssystem kommt aus den USA. Eine Schweizer Firma hatte das Nachsehen.



Henry Habegger, Schweiz am Sonntag

Der Gripen wird immer amerikanischer. Nicht nur zentrale Teile wie Avionik und Triebwerke werden von US-Firmen hergestellt und geliefert. Sondern, wie Politiker in Bern jetzt festgestellt haben, auch das Kommunikationssystem.

Bisher gingen Insider davon aus, dass die in Ittigen bei Bern ansässige Firma Roschi Rohde & Schwarz etwa das Flugfunkgerät und die Verschlüsselung liefern kann. Umso mehr, als die Rohde-&-Schwarz-Geräte heute schon beim Gripen C/D oder beim Eurofighter zum Einsatz kommen.

Beim Gripen E, der Version also, die Verteidigungsminister Ueli Maurer haben will, ist es anders. Die Schweizer Firma sei leer ausgegangen, heisst es. An ihrer Stelle liefere der amerikanische Milliarden-Konzern Rockwell Collins das Kommunikationssystem.

Als Grund sehen Politiker in Bern Druck aus den USA. Weil im neuen Gripen mehr als 60 Prozent US-Bestandteile steckten und der Jet sozusagen als US-Flugzeug betrachtet werde, stellten die Amerikaner Bedingungen, heisst es. Eine sei gewesen: das amerikanische Kommunikationssystem.

Ein Artikel der Schweiz am Sonntag

Gewollte Folge: Der Gripen kann von den USA kontrolliert und ferngesteuert werden. «Die USA können den Gripen und seine Aktionen sozusagen mit dem Joystick lenken», so ein Insider. Uncle Sam am Gripen-Steuer? Dabei hat der Bundesrat im Zug der NSA-Affäre erst im Februar entschieden, dass er bei der Informations- und Kommunikationstechnik künftig auf Schweizer Produkte setzen will. 

Das VBS dementiert nicht, dass statt Rohde & Schwarz nun Rockwell Collins zum Zug kommt. Es bestreitet auch gar nicht erst, dass der Gripen von den USA kontrolliert wird: «Im militärischen Pflichtenheft des Tiger-Teilersatzes sind explizit Kommunikationstechnologien und -systeme gefordert, welche der Kontrolle der USA unterliegen», so VBS-Sprecher Renato Kalbermatten. Und: «Die Verwendung nichteuropäischer Komponenten im Gripen E wurde nie ausgeschlossen.» In der Gripen-Botschaft seien einige sogar explizit erwähnt, so «das Triebwerk F-414G der amerikanischen Firma General Electric oder das im F/A-18 und Florako verwendete amerikanische Datenübertragungssystem Link 16».

Es gebe neben Link 16 (Nato-Standard) aber einen zweiten Datenlink, für den Datenaustausch innerhalb der Gripen-Verbände, sagt Kalbermatten. Und der sei durch einen schweizerischen Kryptoschlüssel geschützt.

Hülle aus Schweden, Innenleben aus den USA

Alles andere als überrascht ist Sicherheitspolitikerin Evi Allemann (SP, BE). «Nur die Hülle ist beim Gripen schwedisch, der weit wichtigere Inhalt ist amerikanisch.» Das eigentliche Problem daran sei, dass Verteidigungsminister Maurer versuche, der Bevölkerung etwas anderes weiszumachen: dass der Schweden-Gripen «ein neutrales Flugzeug» sei. «Dass zwar Schweden draufsteht, aber USA drin ist, wird verschwiegen», sagt Allemann. «Das ist klassische Behördenpropaganda: Man lässt störende Fakten weg.»

Wie viel US-Material wirklich im Gripen steckt, ist unklar. Das VBS geht auf eine entsprechende Frage nicht ein. Saab reagierte nicht auf eine Anfrage. Auch Rohde & Schwarz nicht.

Derweil gibt es weitere Ungereimtheiten. Die Schweiz, die 22 Gripen für 3,1 Milliarden kaufen will, erhält keine Zweisitzer. Weil für die schwedische Luftwaffe nur der Einsitzer gebaut werde, müsse «die Schweiz auf den Doppelsitzer verzichten», steht auf der VBS-Website. Doppelsitzer sind wichtig für das Pilotentraining. 

Brasilien hat offensichtlich besser verhandelt: 8 der 36 neuen Gripen, die Brasilien für vergleichsweise günstige 4 Milliarden Franken bestellt hat, sind Doppelsitzer. Und die sollen erst noch in Brasilien gebaut werden. (Schweiz am Sonntag)

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