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E-Autos: Der Xpeng P7+ spielt in der Liga der Grossen

Xpeng P7+
Mit dem P7+ stellt Xpeng seinen SUV-Modellen und seinem Van nun auch eine Limousine zur Seite.Bild: Xpeng
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Xpeng P7+: In der Liga der Grossen

Über fünf Meter lang, vollgepackt mit Technik und in der Lage, 70 % der Batteriekapazität in 12 Minuten zu laden: Dem Xpeng P7+ mangelt es nicht an Argumenten. Vor allem aber dringt diese grosse chinesische Limousine in ein Segment vor, das bislang weitgehend von deutschen Premiummarken beherrscht wurde. Und sie tut dies mit einer besonders schlagkräftigen Waffe: ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis.
06.10.2026, 08:2206.10.2026, 08:22
Jerome Marchon
Jerome Marchon

Bislang haben die chinesischen Hersteller vor allem versucht, mit Elektro-SUVs zu überzeugen. Mit dem P7+ schlägt Xpeng nun einen neuen Weg ein. Die grosse Limousine misst 5,07 Meter in der Länge, 1,93 Meter in der Breite und verfügt über einen Radstand von 3 Metern. Damit tritt sie direkt gegen Audi A6 e-tron, BMW i5 und Mercedes EQE an.

Xpeng P7+
Der P7+ nimmt es direkt mit den europäischen Spitzenmodellen auf.Bild: Xpeng

Mit diesem Modell will Xpeng ganz offensichtlich eine Klasse höher aufsteigen und ohne Berührungsängste im gleichen Revier wie die europäischen Schwergewichte wildern.

Aussen zurückhaltend, innen spektakulär

Das Design will nicht um jeden Preis provozieren, auch wenn der P7+ durchaus Blicke auf sich zieht. Die Silhouette ist lang, flach und fliessend, der angegebene Luftwiderstandsbeiwert liegt bei lediglich 0,211. Die X-förmige Lichtsignatur verleiht dem insgesamt eher auf Eleganz und Effizienz als auf Extravaganz ausgelegten Auftritt eine gewisse Eigenständigkeit.

Xpeng P7+
Eine moderne und dezente Silhouette, ganz im Zeichen der Effizienz.Bild: Xpeng

Seine grossen Geschütze fährt Xpeng vor allem nach dem Öffnen der Tür auf. Sorgfältige Verarbeitung, hochwertig wirkende Materialien, ein riesiges Panoramadach, Head-up-Display und Türen mit Zuziehhilfe: Der Qualitätseindruck stimmt. Gegenüber den europäischen Vorzeigemodellen muss sich der P7+ kaum verstecken – in manchen Aspekten übertrifft er sie sogar.

Xpeng P7+
Zurückhaltend gestaltet und mit hochwertigen Materialien: Der Innenraum wirkt ausgesprochen einladend.Bild: Xpeng

Hinzu kommt eine Ausstattungsliste, die fast schon unverschämt umfangreich ist. Alle vier Hauptsitze sind beheizbar, belüftet und verfügen über eine Massagefunktion. Dank drei Metern Radstand geniessen die Reisenden im Fond ein enormes Platzangebot – mit bis zu 994 mm Beinfreiheit. Der rechte Rücksitz, also der klassische «Chefsessel», verfügt sogar über einen ausklappbaren Tisch wie im Flugzeug.

Xpeng P7+
Königliche Platzverhältnisse für die Reisenden im Fond.Bild: Xpeng

Warum dieses praktische Detail allerdings dem linken Rücksitz vorenthalten bleibt, erschliesst sich nicht ganz. Zu den weiteren Eigenheiten – von denen einige durchaus nerven – gehört der zentrale Bildschirm, über den nach wie vor viel zu viele Funktionen gesteuert werden müssen, einschliesslich der Klimaanlage. Ebenso schwer nachvollziehbar ist bei einem Auto dieser Klasse die fehlende Gepäckraumabdeckung, obwohl der Kofferraum mit 573 bis 1971 Litern ausgesprochen gross ausfällt. Zumal die getönten Scheiben längst nicht dunkel genug sind, um den Inhalt des Kofferraums zuverlässig vor neugierigen Blicken zu schützen.

Xpeng P7+
Der Kofferraum bietet mit 1971 Litern bei umgeklappter Rückbank viel Platz, verfügt jedoch über keine Gepäckraumabdeckung.Bild: Xpeng

Wer sich für den virtuellen Schlüssel auf dem Smartphone entscheidet, sollte das Auto ausserdem niemals ohne sein Telefon verlassen. Denn mit einer ungeschickten Berührung des Türgriffs lässt sich der Wagen durchaus verriegeln, während sich der «Schlüssel» – sprich: das Smartphone – noch im Innenraum befindet. Auch im 21. Jahrhundert und bei Autos voller Hightech können die alten Reflexe aus der Zeit der manuellen Türverriegelung also durchaus noch nützlich sein!

Xpeng P7+
Der Schlüssel steht entweder als Karte im Kreditkartenformat oder als Zertifikat zur Verfügung, das man auf dem Smartphone aktivieren kann.Bild: Xpeng

Zu den kleinen Verbesserungen gegenüber anderen Modellen gehört die Möglichkeit, bestimmte – teilweise sehr aufdringliche – Assistenzsysteme einfacher zu deaktivieren. Bei ihrem ersten Eingriff erscheint auf dem Bildschirm ein entsprechendes Dialogfenster, über das sie abgeschaltet werden können. Gut gelöst!

Mehr Reiselimousine als Sportwagen

Mit 313 PS und 450 Nm beschleunigt der P7+ Long Range in 6,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das ist mehr als ausreichend für den Alltag. Xpeng hat offensichtlich nicht versucht, seine grosse Limousine besonders sportlich zu machen, und das ist wahrscheinlich auch gut so.

Xpeng P7+
Für lange Reisen gemacht: Der P7+ bietet hohen Fahrkomfort.Bild: Xpeng

Trotz rund 2,1 Tonnen Gewicht und seiner stattlichen Abmessungen fährt sich das Auto angenehm unkompliziert. Das adaptive Fahrwerk ist klar auf Komfort ausgelegt, neigt dabei mitunter allerdings zu etwas übermässigem Nachschwingen. Schlechte Fahrbahnbeläge steckt es trotz der grossen 20-Zoll-Räder ordentlich weg. Auch auf der Autobahn überzeugt die Geräuschdämmung sehr. Die Lenkung ist präzise, vermittelt aber nur wenig Rückmeldung, und der Sportmodus sorgt im Wesentlichen lediglich für höhere Lenkkräfte. Bei Dynamik, Fahrfreude und Agilität bleiben die deutschen Spitzenmodelle klar vorne. Der P7+ sieht seine Rolle vielmehr als leise, sanfte und entspannte Reiselimousine.

Xpeng P7+
Der P7+ verfügt über mehr als genug Leistung und Drehmoment, stellt diese aber nicht unnötig zur Schau.Bild: Xpeng

Das Gleiche gilt für das Fahrpedal. Der typische «Tritt ins Kreuz» mancher Elektroautos bleibt aus. Statt das volle Drehmoment schlagartig freizugeben, dosiert die Elektronik die 450 Nm bewusst sanfter.

Die eigentlichen Meisterleistungen liegen anderswo

Die 74,9-kWh-Batterie ermöglicht offiziell eine Reichweite von 530 Kilometern nach WLTP. Besonders beeindruckend ist jedoch die Effizienz. Während unseres Tests blieb der Verbrauch auf einzelnen Autobahnetappen unter 20 kWh/100 km und sank im gemischten Betrieb bei zurückhaltender Fahrweise auf rund 13 kWh/100 km. Das entspricht einer realen Reichweite von über 570 km. Im Alltag erscheinen Werte von etwa 15 bis 16 kWh/100 km durchaus realistisch. Für eine über fünf Meter lange und mehr als zwei Tonnen schwere Limousine ist das bemerkenswert.

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Der äusserst effiziente Xpeng P7+ überzeugt mit hervorragenden Verbrauchswerten.Bild: Xpeng

Noch beeindruckender ist die Ladeleistung. Dank seiner 800-Volt-Architektur benötigt der Wagen laut Hersteller an einer ausreichend leistungsfähigen Ladestation lediglich 12 Minuten, um die Batterie von 10 auf 80 % zu laden (maximale Ladeleistung: 446 kW). Selbst wenn die Ladestation nicht das volle Potenzial des Fahrzeugs ausschöpfen kann, können gut 15 Minuten bereits ausreichen. Gerade hier werden die Fortschritte der chinesischen Hersteller besonders deutlich. Es geht nicht mehr nur darum, wie viele Kilometer ein Elektroauto zurücklegen kann, sondern auch darum, wie lange man beim Laden warten muss, bis die Reise weitergehen kann.

Xpeng P7+
In 12 Minuten von 10 auf 80 % Batterieladestand – wer bietet mehr?Bild: Xpeng

Beim Navigationssystem hätten wir uns dagegen umfassendere Informationen zu verfügbaren Ladestationen gewünscht, damit auch die Routenplanung dem hohen Effizienzniveau des Fahrzeugs gerecht wird.

Können die deutschen Modelle den Preisunterschied noch rechtfertigen?

Das ist letztlich die Frage, die dieser Xpeng aufwirft. Ein Audi A6 e-tron, BMW i5 oder Mercedes EQE bietet weiterhin eine ausgefeiltere Fahrwerksabstimmung und natürlich das über Jahrzehnte aufgebaute, nach wie vor starke Markenimage. Dem setzt der P7+ jedoch einen sorgfältig gestalteten Innenraum, eine aussergewöhnlich umfangreiche Serienausstattung, viel Platz, hervorragende Effizienz und vor allem extrem kurze Ladezeiten entgegen.

Xpeng P7+
Xpeng setzt mit seinem P7+ ein starkes Zeichen.Bild: Xpeng

Und das zu einem deutlich niedrigeren Preis als die deutschen Konkurrenten mit vergleichbarer Ausstattung: Das Basismodell startet bei 46 600 Franken, unser «Long Range»-Testwagen kostet 49 600 Franken, die zweimotorige Allradversion mit 503 PS 53 600 Franken. Damit liegt der P7+ rund 20 000 bis 30 000 Franken unter seinen europäischen Konkurrenten – und bei diesen kommen oftmals noch die Optionen hinzu. Beim Xpeng P7+ beschränkt sich die Optionsliste dagegen auf die Metallic-Lackierung für 800 Franken und eine elektrisch ausklappbare Anhängerkupplung mit 1500 kg Anhängelast für 1190 Franken. Alles andere gehört zur Serienausstattung!

Xpeng P7+
Mit dem P7+ untermauert Xpeng seinen Anspruch auf das Premiumsegment – mit einem konkurrenzlosen Preis-Leistungs-Verhältnis.Bild: Xpeng

Noch vor nicht allzu langer Zeit mussten chinesische Autos beinahe erklären, weshalb sie überhaupt mit europäischen Modellen verglichen werden sollten. Der Xpeng P7+ zeigt, dass sich die Rollen allmählich umkehren ...

Über den Autor:

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Jérôme Marchon ist ...
... seit seiner frühesten Kindheit ein leidenschaftlicher Autofan. Seine berufliche Karriere begann er in der Finanzbranche, trug aber schon früh zum Aufbau eines Auto-Blogs bei – bis er schliesslich seinen eigenen Blog gründete. Sein weiterer Weg führte ihn in die Chefredaktion der Revue Automobile. Seit 2018 ist er freiberuflich tätig und schreibt für verschiedene Auto- und allgemeine Print- und Digital-Medien in der Schweiz und im Ausland. Jérôme Marchon arbeitet auch als Übersetzer und Berater für redaktionelle Inhalte für Automobilveranstaltungen und Autohersteller.
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