Die ewige Diskussion: Geht's nicht einfach ohne Auto?
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Vielleicht erinnert ihr euch: Letztes Mal sassen Madame Energie und ich beim Zmittag in einem Kleinbasler Bistro, diskutierten über Solarpläne und landeten bei den grossen Fragen zur gesellschaftlichen Verantwortung. Doch die Geschichte geht noch weiter:
Punkt 13.45 schaut meine Ex-Freundin auf die Uhr und fragt mich, wie sie am schnellsten zum Bachgraben komme. Sie habe dort einen Termin bei einem potenziellen Neukunden. Gewissenhaft überlege ich, mit welchen Buslinien sie es mit weniger als dreimal Umsteigen schafft.
Ein Satz bringt alles ins Rollen
Doch im Hinterkopf denke ich längst an den alten Kombi meiner Eltern in der Tiefgarage nebenan. Während sie in den Ferien sind, hüte ich nicht nur ihre Wohnung, sondern auch ihr Auto. Heute bin ich ausnahmsweise damit in die Stadt gefahren. Jetzt steht er ohnehin da. Der Termin ist wichtig. Und weit ist es ja auch nicht.
Und schon ist es mir herausgerutscht: «Soll ich dich kurz hinfahren?»
Und Madame E. steigt ein!
Was? Er – ein Auto? Seit wann? Warum? Irgendwie überrascht mich Monsieur Energie immer wieder. «Ah ja, sehr gerne», antworte ich etwas überrumpelt. Normalerweise wäre das Umsteigen kein Thema. Gehört zum ÖV wie die Parkplatzsuche und -kosten zum Auto. Aber bei einer solchen Gelegenheit wäre ich gaga, nein zu sagen. Wir zahlen und laufen an der Bushaltestelle vorbei zur Tiefgarage. «Wie kommst du denn zu einem Auto? Ihr habt doch sogar als Familie all die Jahre ohne Auto gelebt?»
Genau diese Frage stellt sich natürlich auch der idealistische Monsieur Energie in mir. Jahrelang sind wir mit zwei Kindern, drei Taschen und vier Rucksäcken von einem bumsvollen Zug in den anderen umgestiegen. Seit dem Umzug aufs Land haben sich schon x durchnässte Einkaufstüten im Veloanhänger langsam aufgelöst.
Irgendwann schleicht sich der Gedanke ein, dass mit einem Auto manche Dinge deutlich bequemer wären. Deshalb griff ich heute Morgen auch zum Auto- statt zum Veloschlüssel.
«Ich hüte das Auto meiner Eltern», sage ich zunächst. Dann gebe ich mir einen Ruck: «Aber ehrlich gesagt überlegen wir gerade, ob wir nicht doch ein eigenes brauchen.»
Ein teures Stehzeug für die Ferien?
Seine Überlegungen verstehe ich nur zu gut. Und wer auf dem Land wohnt, kommt je nach ÖV-Angebot und Arbeitsort nicht ums Auto herum. Aber ein Auto, nur um ein- oder zweimal im Jahr in die Ferien zu fahren? Da wäre es wohl günstiger, eins zu mieten oder auszuleihen.
«So eine Karre soll ja gut 10’000 Franken pro Jahr kosten, wenn du Amortisation, Energie, Versicherung, Service und alles Weitere einrechnest. Und obendrein nutzt ihr ja den ÖV und das Velo trotzdem weiter», argumentiere ich. Während Basel mal schneller, mal langsamer an uns vorbeirauscht, komme ich voll in Fahrt. Wahrscheinlich, weil ich diese Auto-Diskussion schon zigmal geführt habe.
«Habt ihr euch den Wocheneinkauf schon mal nach Hause liefern lassen? Das spart viel Zeit und Nerven.» Ich schaue ihn direkt an und denke gleichzeitig über die Zeit nach, in der ich selbst noch Auto fuhr. «Wirklich entspannend fand ich das nie, obwohl ich eigentlich gerne hinter dem Lenkrad sass.»
Erleuchtung am Rotlicht
Gefühlt stehen wir nun seit fünf Minuten an dieser Ampel. Der Verkehr bewegt sich keinen Meter, doch Madames Worte setzen in meinem Kopf einiges in Bewegung. Schon will ich zur nächsten Rechtfertigung ansetzen, da wird mir plötzlich klar, dass ich zwei Dinge vermische: Vielleicht ist die entscheidende Frage gar nicht, ob wir gelegentlich ein Auto brauchen. Sondern ob wir deshalb das ganze Jahr über eines besitzen müssen.
«Dann sollten wir genau das zuerst herausfinden», sage ich. Madame Energie guckt überrascht. Ich nehme mir vor, Einkäufe häufiger liefern zu lassen, Carsharing ernsthaft auszuprobieren und für die Ferien ein Auto zu mieten. Beim nächsten Treffen werde ich Bilanz ziehen: Wie oft hat uns ein eigenes Auto tatsächlich gefehlt?
Jetzt sind wir gespannt auf eure Erfahrungen mit und ohne eigenes Auto! Wie löst ihr Situationen, in denen ein Auto praktisch wäre?
