Charlie Hebdo
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A resident walks past the remains of a car which was set on fire overnight in the north eastern Paris suburb of Aulnay sous Bois, Thursday 03 November 2005. French Prime Minister Dominique de Villepin said Thursday a return of order was his government's priority after a seventh consecutive night of rioting in the ghettoes of suburban Paris.  EPA/TRAVERS / LE FLOCH FRANCE OUT *** Local Caption *** 518930

Seine-Saint-Denis während den Krawallen 2005. Bild: EPA

Seine-Saint-Denis

In diesem Vorort von Paris wird «Charlie Hebdo» nicht verkauft und auf Twitter trendet #JeSuisKouachi

Im Pariser Vorort Seine-Saint-Denis war die neuste Ausgabe von Charlie Hebdo gestern nicht erhältlich. Nicht weil sie wie in der Hauptstadt sofort ausverkauft war, sondern weil sie in den Kiosken gar nicht erst auslag. Weil sie niemand kaufen würde. «Es tut uns weh, diese Karikaturen zu sehen», sagte ein Franzose tunesischer Herkunft gegenüber der israelischen Zeitung «Haaretz».

Viele muslimische Franzosen verurteilten die Terroranschläge von Paris und nahmen am Gedenkmarsch am Sonntag teil. Aus Seine-Saint-Denis, wo Hunderttausende muslimische Einwanderer wohnen, dürften indes nur wenige angereist sein. Eine Ausnahme bildete Hassen Chalghoumi, der liberale Imam der Vorortsgemeinde Drancy. Er kritisierte die Verbrechen unmissverständlich und in scharfen Worten.

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Hassen Chalghoumi, Imam von Drancy, am Gedenkmarsch. bild:afp/thomas samson

Seine-Saint-Denis erlangte 2005 durch die Krawalle traurige Berühmtheit. Die sozialen Probleme sind gewaltig, die Bevölkerung nimmt rasant zu, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Viele sprechen kein Französisch, abgesehen von «neuf-trois», wie das Departement wegen seiner Vewaltungsnummer 93 hier heisst. Sowohl «Seine-Saint-Denis» als auch «quatre-vingt-treize» sind zu umständlich auszusprechen.

Was einige hier über die Terroranschläge denken, lässt der Hashtag #JeSuisKouachi erahnen, eine Abwandlung von #JeSuisCharlie, der auf die beiden Attentäter Said und Chérif Kouachi verweist. Zeitweise wurde er offenbar öfter getwittert als das Original.

In den Schulzimmern tun sich Abgründe auf

Die Kluft zwischen der Anteilnahme in der Hauptstadt und der Gleichgültigkeit in den Banlieus bekommen die Lehrer in Seine-Saint-Denis besonders zu spüren. Sie wurden vom Erziehungsministerium angehalten, mit ihren Schülern über die Anschläge zu sprechen. Eine Frage, die sie oft hören: «Wozu eine Schweigeminute für Leute, die wir nicht kennen?»

In den vergangenen Tagen meldeten sich viele Lehrer anonym am Radio und schilderten ihre Erlebnisse in den Klassenzimmern. Einer erzählte von einem Schüler, der über den getöteten Polizist Ahmed Merabat spottete, weil er einer Behörde angehörte, die «Muslime unterdrückt». Ein anderer sagte: «Egal, was ich ihnen erzähle, zu Hause hören sie etwas völlig anderes.» Lehrer würden von solchen Schülern nicht mehr als Verbündete, sondern eher als «potentielle Feinde» betrachtet.

Das steht in der neuen «Charlie Hebdo»-Ausgabe



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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 15.01.2015 15:26
    Highlight Highlight Der Druck der Muslime auf die französische Politik nimmt weiter zu. Es zeigt sich immer mehr, wie hilflos die Politik auf diesen Druck reagiert. Man weiss bei den Muslimverbänden hingegen ganz genau, dass sich die französische Gesellschaft langfristig der Demografie beugen muss und eine "Anpassung" erfolgen wird. Wie man dieses "Anpassung" Frauen, Homosexuellen und anderen wenig gelittenen dieser Religion allerdings verkaufen wird, darauf darf man gespannt sein.
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Nach Freitagsgebeten

In der islamischen Welt entlädt sich die Wut über «Charlie Hebdo»

Weltweit demonstrierten Muslime gegen die neue «Charlie Hebdo»-Ausgabe, dabei gab es Tote und Verletzte. In Europa ging die Polizei gegen mutmassliche Dschihadisten vor. Mehr als zwei Dutzend Menschen wurden festgenommen.

Die Wut über die Mohammed-Karikatur in der jüngsten «Charlie Hebdo»-Ausgabe hat sich nach den Freitagsgebeten vielfach in Gewalt entladen. In Zinder in Niger wurden nach Angaben des Innenministeriums mindestens vier Menschen getötet und 45 weitere verletzt, als Muslime ein französisches Kulturzentrum und drei Kirchen in Brand steckten.

«Das ist ein schwarzer Freitag», sagte ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Zinder, der zweitgrössten Stadt im westafrikanischen Niger. «So etwas hat es …

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