Charlie Hebdo
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A general view shows Roumieh prison, in Roumieh January 12, 2015. Lebanese forces stormed the country's largest prison on Monday where Islamist militants are detained, security sources said, as authorities searched for those behind a double suicide attack at the weekend. Interior Minister Nohad Machnouk headed to Roumieh prison east of Beirut early on Monday and told Reuters the crackdown came after intelligence showed some of the inmates were connected to the bombings, which killed eight. REUTERS/Mohamed Azakir (LEBANON - Tags: POLITICS RELIGION CRIME LAW)

Gefängnis in der libanesischen Stadt Roumieh: Hier sitzen Dutzende Anhänger des Islamischen Staates und der radikal-dschihadistischen Al-Nusra-Front hinter Gitter. Bild: X00013

Radikalisierung im Gefängnis

In diesen fünf Haftanstalten werden aus Gefangenen Gotteskrieger

Gefängnisse sind nicht nur «Schule für Kriminalität», wie der Paris-Attentäter Coulibaly sagte, sondern auch für islamischen Fundamentalismus. Unrühmliche Haftbedingungen, mangelnde Separierung und Perspektivlosigkeit treiben Insassen in die Hände radikaler Organisationen.



Wenige Stunden nach dem Angriff auf eine koschere Lebensmittelhandlung in Paris wurde bekannt, dass der Attentäter Amedy Coulibaly in Verbindung stand mit den «Charlie Hebdo»-Angreifern. Die Kontakte wurden im grössten Gefängnis Europas, Fleury-Mérogis, geknüpft, mittels des radikalen Dschihadisten Djamel Beghal.

Fünf Strafanstalten, in denen aus Gefangenen Gotteskrieger wurden:

1. Camp Bucca, Irak

FILE - In this March 16, 2009 file photo, detainees pray at U.S. military detention facility Camp Bucca, Iraq. A former prison camp that was run by the U.S. military in southern Iraq will be turned into a commercial center with offices, warehouses, aviation and fuel services that will support country's investment activities, an Iraqi official said Monday, Dec. 20, 2010. (AP Photo/Dusan Vranic, File)

Bild: AP

Überspitzt formuliert hat sich der IS im Camp Bucca konstituiert: Hier, in einem von Amerikanern geführten Gefängnis im Süden Iraks, hat sich die heutige Führungsriege des IS das erste Mal getroffen. Hier wurden Muslime radikalisiert, für die Idee des gewalttätigen Dschihadismus begeistert und auf ihre zukünftige Rolle im Islamischen Staat vorbereitet.

2. Sanaa Central Prison, Jemen

epa04076373 Yemeni soldiers stand guard next a hole in the wall of the central prison after a car bomb targeted the central prison in Sana’a, Yemen, 14 February 2014. Reports state 29 prisoners, most of them al-Qaeda inmates, escaped during an attack by al-Qaeda-linked gunmen on the central prison in Sana’a, which left ten security soldiers dead and four others wounded, Yemen’s Interior Ministry reported.  EPA/YAHYA ARHAB

Bild: YAHYA ARHAB/EPA/KEYSTONE

Vor nicht ganz einem Jahr wurden die Mauern des Sanaa Central Prison in der jemenitischen Hauptstadt erschüttert. Angreifer attackierten die Gebäude mit Granatwerfern und Schnellfeuergewehren und befreiten in dem aufsehenerregenden Coup 19 mutmassliche Al-Kaida-Mitglieder. In den gleichen Zellentrakten wie die Gotteskrieger waren Diebe, Betrüger oder ganz einfach säumige Schuldner eingekerkert, wie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in einem Bericht festhält. 

3. HM Prison Manchester 

HM Prison Manchester

pd

Eine BBC-Dokumentation begleitete im vergangenen Jahr den aus dem HM Prison in Manchester entlassenen Michael Cow. Cow nennt sich mitterweile Mikkel Ibrahim und ist praktizierender Muslim. Während der mehrjährigen Haftstrafe konvertierte er zum Islam und übernahm das Weltbild seines radikalen Predigers. Gemäss BBC hat sich die muslimische Gefängnispopulation über die letzten zehn Jahre verdoppelt. Das HM Prison in Manchester bildet dabei die Speerspitze.

4. Fleury-Mérogis, Frankreich

General view of the walking inner courtyard of the men's building in the Fleury-Merogis prison, near Paris, May 14, 2014.  There are currently 4,056 inmates at Fleury-Merogis, the largest prison population in Europe, according to its director.   REUTERS/Charles Platiau (FRANCE - Tags: CRIME LAW)

Bild: CHARLES PLATIAU/REUTERS

Mit einem Schaudern dürften sich die Redaktoren von «Le Monde» daran erinnern, dass derselbe Amedy Coulibaly, der am 7. Januar in Paris ein Blutbad anrichtete, ihnen vor gut sechs Jahren ein Video zugespielt hatte: Die Aufnahmen stammen aus dem Gefängnis Fleury-Mérogis und dokumentieren die katastrophalen Bedingungen in der grössten Haftanstalt Europas. Coulibaly bezeichnete das Gefängnis als «die beste Schule für Kriminalität». Er sollte mit seiner Prophezeiung Recht behalten. 

5. Roumieh Prison, Libanon

A general view shows Roumieh prison, in Roumieh January 12, 2015. Lebanese forces stormed the country's largest prison on Monday where Islamist militants are detained, security sources said, as authorities searched for those behind a double suicide attack at the weekend. Interior Minister Nohad Machnouk headed to Roumieh prison east of Beirut early on Monday and told Reuters the crackdown came after intelligence showed some of the inmates were connected to the bombings, which killed eight. REUTERS/Mohamed Azakir (LEBANON - Tags: POLITICS RELIGION CRIME LAW)

Bild: X00013

Am 12. Januar spielten sich denkwürdige Szenen ab im grössten Gefängnis Libanons. Sicherheitskräfte stürmten die Blöcke, Helikopter kreisten über der Haftanstalt. Die Polizei hatte einen Tipp bekommen, dass ein Anschlag in der libanesischen Hauptstadt Beirut aus dem Roumieh-Gefängnis heraus koordiniert worden war. Innenminister Nohad Machnouk bezeichnete das Gefängnis gegenüber Reuters als «Operationszentrale des Islamischen Staates».

07.01.2015: Schiesserei bei Satiremagazin «Charlie Hebdo»

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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 16.01.2015 11:59
    Highlight Highlight Die Rechtsstaaten in Europa könnten mit ihren "Syrien-Rückkehrern" in der Tat bald überfordert sein, da verübte bzw. geplante Verbrechen nur schwer beweisbar sind und der Strafvollzug sie kaum davon abbringen wird, ihre menschenfeindlichen Theorien zu verbreiten. Es wäre hier wohl wegen der Terrorgefahr von aussen ein abgelegenes Hochsicherheitsgefängnis mit Isolationshaft von Nöten. Auch müsste man solche Islamisten in Sicherheitsverwahrung nehmen können. Man wird sehen, wie die Politik dieses Problem lösen möchte, ohne sich in kompletten Widerspruch zur Kritik an Guantanamo zu setzen.
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