CIA
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
In this photo reviewed by the U.S. military, a prisoner stands with his back turned inside Camp 6, a communal unit of the Guantanamo Bay detention center for prisoners who are considered

Gefängnis in Guantanamo: Die meisten Verhörführer waren keine CIA-Leute. Bild: AP

CIA-Folterbericht

«Dr. Swigert» und «Dr. Dunbar»: Die Psychologen des Grauens kassierten Millionen

Der US-Bericht über die CIA-Folter von Terrorhäftlingen enthüllt: Viele Verhöre wurden an zwei ehemalige Militärpsychologen «outgesourct». Sie bekamen dafür rund 81 Millionen Dollar.

mark Pitzke, new york

Ein Artikel von

Spiegel Online

Der erschütternde Bericht über Folter unter US-Präsident George W. Bush enthält viele Namen. Die Namen der mindestens 119 Gefangenen. Die Namen der CIA-Folterknechte, penibel geschwärzt, um sie zu schützen. Die Namen der damaligen höchsten Verantwortlichen: Pentagon-Chef Donald Rumsfeld, Justizminister John Ashcroft oder CIA-Direktor George Tenet.

Secretary of Defense Donald Rumsfeld talks with reporters about Iraq at the Pentagon in Washington Friday, August 3, 2001. (AP Photo/Hillery Smith Garrison)

Der ehemalige Pentagon-Chef Donald Rumsfeld. Bild: AP

Zwei Männer geistern jedoch mit fantasievollen Pseudonymen durch die 499 Seiten der Zusammenfassung, die die Demokraten im Geheimdienstausschuss des US-Kongresses am Dienstag vorlegten: «Dr. Grayson Swigert» und «Dr. Hammond Dunbar».

Bei «Dr. Swigert» und «Dr. Dunbar» handelt es sich um zwei Militärpsychologen, die die CIA beauftragte, die schlimmsten Foltermethoden zu entwickeln und sogar persönlich durchführen zu lassen. Obwohl bis dahin ohne jede praktische Erfahrung mit «verschärften Verhörmethoden», habe das Duo schliesslich eine so zentrale Rolle gespielt, dass die CIA ihr Folterprogramm ab 2005 fast ganz an die Privatfirma der Männer «outgesourct» habe.

Ihre Klarnamen, von Geheimdienstkreisen bestätigt, waren auch schon mal im SPIEGEL zu lesen: James Mitchell und Bruce Jessen.

Sie sprachen nicht mal Arabisch

Erstmals offenbart der Bericht jetzt, dass die beiden mit der sadistischen und oft sinn- wie zwecklosen Quälerei ein Vermögen verdienten: Rund 81 Millionen Dollar habe die CIA dem Unternehmen der beiden Männer gezahlt, das diese im Jahr 2005 eigens für ihre Arbeit in den Folterlagern gegründet hätten und das seither als Mitchell Jessen & Associates im US-Bundesstaat Washington identifiziert wurde. Seit 2007 hätten sie weitere 1,1 Millionen Dollar bekommen, um sie «vor gesetzlicher Haftung» abzuschotten.

FILE - DECEMBER 9, 2014: It was reported that Senate Intelligence Committee chair U.S. Senator Dianne Feinstein (D-CA) is releasing details of a report reviewing the CIA's use of torture of terrorist suspects in the wake of the Sept. 11, 2001 attacks. LANGLEY, VA - JULY 9: The CIA symbol is shown on the floor of CIA Headquarters, July 9, 2004 at CIA headquarters in Langley, Virginia. Earlier today the Senate Intelligence Committee released its report on the numerous failures in the CIA reporting of alleged Iraqi weapons of mass destruction.  (Photo by Mark Wilson/Getty Images)

Rund 81 Millionen Dollar hat die CIA den Psychologen des Grauens gezahlt. Bild: Getty Images North America

Der Report bestätigt frühere Berichte, wonach «Swigert» und «Dunbar» für ein geheimes Trainingsprogramm der US-Armee gearbeitet haben (Survival, Evasion, Resistance, Escape, kurz: SERE). Dieses bereitet US-Soldaten auf mögliche Folter nach einer Gefangennahme durch den Feind vor. Beide Männer hätten aber weder Erfahrung mit Verhören gehabt noch irgendwelche «Spezialkenntnisse über al-Qaida» – geschweige denn «andere relevante, kulturelle oder linguistische Expertise». Will heissen: Sie sprachen nicht mal Arabisch.

«Es waren Leute, die wild drauflos gingen, in der vagen Hoffnung, dass irgendetwas dabei herauskommt.»

Magazin «New Yorker»

Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein, die den Bericht vorstellte, nannte das einen «klaren Interessenkonflikt und eine Verletzung professioneller Richtlinien». Die Pseudonyme der Psychologen ziehen sich durch den gesamten Horror-Report, Seite für Seite, Fussnote für Fussnote. Sie zeigen auch, dass die CIA das Foltern gern suspekten Menschen überliess. Ab dem Jahr 2008 seien 85 Prozent aller «Verhör-Führer» keine CIA-Leute gewesen, sondern private Vertragsarbeiter.

WASHINGTON, DC - DECEMBER 09: U.S. Senator Dianne Feinstein (D-CA) (C) answers questions from members of the media after she spoke on the Senate floor at the Capitol December 9, 2014 on Capitol Hill in Washington, DC. The details of a report on CIA's use of torture conducted by the Senate Intelligence Committee is expected to be released today.   Alex Wong/Getty Images/AFP
== FOR NEWSPAPERS, INTERNET, TELCOS & TELEVISION USE ONLY ==

Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein. Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA



Lieblingstechniken: Ohrfeigen und an die Wand werfen

«Die Verhöre waren keine anspruchsvolle Informationserfassung», resümiert das Magazin «New Yorker» entsetzt. «Es waren Leute, die wild drauflos gingen, in der vagen Hoffnung, dass irgendetwas dabei herauskommt.»

«Kapuzen, Einsatz lauter Musik, Schlafentzug, Kontrolle von Dunkelheit und Licht, Ohrfeigen, an die Wand werfen.»

CIA-Report

Die CIA entwickelte ihre «verschärften Verhörmethoden» nach «Konsultationen» mit diesen Psychologen. Der Report zitiert einen Bericht «Swigerts» und «Dunbars» über ihre Lieblingstechniken: «Kapuzen, Einsatz lauter Musik, Schlafentzug, Kontrolle von Dunkelheit und Licht, Ohrfeigen, an die Wand werfen.»

Abu Zubaydah war der erste von vielen US-Häftlingen, an denen die beiden diese Mittel oft auch «persönlich ausübten», in geheimen CIA-Folterlagern im Ausland. Die FBI-Agenten, die Zubaydah zuerst verhört hatten, hätten heftig protestiert.

FILE - This file photo provided by U.S. Central Command, shows terrorism suspect Abu Zubaydah, date and location unknown. Europe's top human rights court ruled Thursday that Poland violated the rights of two terror suspects by allowing the CIA to secretly imprison them on Polish soil from 2002-2003 and facilitating the conditions under which they were subject to torture. The court, based in Strasbourg, France, said Poland violated the European Convention on Human Rights by failing to stop the

Abu Zubaydah war der erste von vielen US-Häftlingen. Bild: AP/U.S. Central Command

Auch mit der Foltermethode Waterboarding hätten «Swigert» und «Dunbar» keinerlei Erfahrungen gehabt, da es im SERE-Training nicht vorgekommen sei, heisst es weiter. Trotzdem hätten sie es als «absolut überzeugende Technik» beschrieben – und als notwendig, um die «Widerstandsfähigkeit» von Zubaydah und anderen Gefangenen zu «brechen».

«Sprechen Sie mit der CIA»

Am häufigsten wurde 9/11-Drahtzieher Khalid Scheich Mohammed dem Waterboarding unterzogen: 183 Mal. «Swigert» und «Dunbar» hätten die Prozeduren meist persönlich durchgeführt. 2006 wurde Scheich Mohammed ins US-Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba überführt. Im Jahr darauf löste die CIA ihren Vertrag mit dem Psychologen-Duo auf.

Am Dienstag stöberten US-Reporter «Dr. Swigert» alias James Mitchell in Florida auf, wo er im Ruhestand lebt. «Warum können Sie mich nicht in Ruhe lassen?», bellte er einen Reuters-Journalisten am Telefon an. «Sprechen Sie mit der CIA.»

Das könnte dich auch interessieren:

«Es ist absurd» – der Chef erklärt, was er vom Feminismus hält

Link zum Artikel

Vorsicht, jetzt kommt die Wohnmobil-Rezession!

Link zum Artikel

Du bist ein Schwing-Banause? Wir klären dich rechtzeitig fürs Eidgenössische auf

Link zum Artikel

Zug steckt während 3 Stunden zwischen Grenchen und Biel fest – Passagiere wurden evakuiert

Link zum Artikel

Apples Update-Schlamassel – gefährliche iOS-Lücke steht zurzeit wieder offen

Link zum Artikel

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2019

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

Schweizer Firmen wollen keine Raucher einstellen – weil sie (angeblich) stinken

Link zum Artikel

Liam und Emma sind die beliebtesten Namen der Schweiz – wie sieht es in deinem Kanton aus?

Link zum Artikel

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

5
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Jay_Jay 10.12.2014 14:33
    Highlight Highlight Wie krank ist unsere Welt, dass 2 Sadisten ( und nichts anderes sind sie) 80 Mio für Folterungen bekommen?!?
  • zombie1969 10.12.2014 13:52
    Highlight Highlight Auch hier wieder ein eindeutiger Beleg für eine funktionierende Demokratie und der Freiheit der Presse: Es wurde untersucht und die Ergebnisse werden veröffentlicht! Auf entsprechende Untersuchungen in KSA, Iran, Ägypten oder Jordanien wird man noch sehr lange warten müssen, von einer Veröffentlichung der Ergebnisse ganz zu schweigen.
    Das blenden viele Westkritiker gerne aus.
    • Bonifatius 10.12.2014 15:36
      Highlight Highlight Bist du Zyniker? Anders ist dieser Kommentar ja wohl nicht zu lesen. Was (nach Vernichtung und Einschwärzung) jetzt (erst) vor die Presse kommt ist wohl nicht mal die Spitze des Eisbergs... Guantanamo und anscheinend noch viele unentdeckte/versteckte Lager im Ausland sind eher ein Beweis für die totale Aufgabe der Menschenrechtskonvention!
    • oskar 10.12.2014 23:16
      Highlight Highlight stimmt!
    • oskar 10.12.2014 23:22
      Highlight Highlight mein "stimmt" bezieht sich darauf, dass es in den usa wenigstens rechtstaatliche institutionen gibt, die sowas aufarbeiten können. Die methoden der cia waren aber brutal, ungerecht und skandalös! eine schande für die usa, die nun von allen menschenrechtsverletzenden regierungen bei jeder kritik aufs tapet gebracht werden wird

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Inverse Zinsstrukturen in den USA, fallende Rohstoffpreise: Die US-Wirtschaft steht vor einem heissen Herbst.

Am Wochenende mussten Trumps wirtschaftliche Berater Sonderschichten schieben. Larry Kudlow und Peter Navarro, die beiden Spitzenkräfte des präsidialen Wirtschaftsteams, waren auf allen TV-Kanälen vertreten. Beide hatten die gleiche Botschaft zu verkünden: Keine Angst, die amerikanische Wirtschaft steuert nicht auf eine Rezession zu.

Beide wirkten wenig überzeugend. Das liegt einerseits an ihrem schlechten Ruf. Kudlow gilt als TV-Schwätzer, der einst ein gröberes Kokain-Problem hatte und den …

Artikel lesen
Link zum Artikel