Gesellschaft & Politik
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[ Gestellte Aufnahme, Symbolbild, Model Released ]  -  Maedchen mit Mobile Phone, Selfie, (Photo by Leo Thal for KEYSTONE)

Kinder mit Handys: Gut oder schlecht für die Entwicklung? Bild: KEYSTONE

Und nun zu einer wichtigen Frage

Ab welchem Alter sollen Kinder ein Handy haben?

Die Kinder behaupten, alle ihre Klassenkameraden hätten eins, die Eltern hoffen, durch ein Handy die Sicherheit zu erhöhen: Kinder und Handys sind ein schwieriges Thema. Eine Entscheidungshilfe und 8 wichtige Tipps.

Würden Sie Ihrem Kind ein Handy schenken? Eine schwierige Frage. Sicher kommt es auf das Alter des Kindes an. Aber ab wann ist es überhaupt sinnvoll? Gilt die Alterslimite 12 Jahre? Oder kann man mit einem Handy schon bei weniger alten Kindern die Sicherheit erhöhen? Kann das Kind schon früh eine gewisse Medienkompetenz durch den Gebrauch des Smartphones erwerben?

Umfrage

Ab welchem Alter sollen Kinder Handys haben dürfen?

  • Abstimmen

609

  • Ab 6 Jahren4%
  • Ab 12 Jahren61%
  • Ab 16 Jahren21%
  • Ab 18 Jahren1%
  • Das ist sehr individuell12%

So viele Fragen – und nur soviel ist klar: Eltern sollen mit ihren Kindern individuell nach der für sie optimalen Lösung suchen. Doch was heisst das? Was gilt denn nun? Wir haben eine Entscheidungshilfe und die wichtigsten Regeln zusammengestellt. Damit nicht das falsche Geschenk unter dem Weihnachtsbaum landet.

Die Entscheidungshilfe

Ist mein Kind bereit für ein Handy?

Ab wann sollen Kinder ein Handy haben? Flussdiagramm

grafik: watson/lucidcharts

8 wichtige Tipps

1. Mit dem Handy das Kind ruhigstellen geht nicht

Kind, Handy, Eltern

Bild:

Für gelegentliches Spiel oder die Nutzung kreativer Apps braucht es kein eigenes Smartphone im Primarschulalter oder gar darunter (vgl. Flussdiagramm). Es bieten sich Tablets oder der Gebrauch der Geräte der Eltern an. «Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass es bei einer gelegentlichen Nutzung bleibt», sagt Jochaim Zahn, Projektleiter beim Verein zischtig.ch

Er warnt vor einer Versuchung, der Eltern, die selber oft ein Smartphone benutzen, rasch verfallen: «Kinder mittels digitaler Medien ruhig zu stellen ist wie russisch Roulette.» Beim einen oder anderen Kind führe dies zu «erheblichen» Nachteilen für die Zukunft.

2. Konflikte sind programmiert

Die Ablenkung durch Handy oder Tablet im Primarschulalter ist enorm. Wer dem Kind ein solches Gerät übergibt, muss sich darauf einstellen, die Nutzung zu regulieren, für die Einhaltung von Regeln. Dies ruft sicherlich den einen oder anderen Streit mit dem Kind hervor. «Diese Konflikte muss man als Eltern ausstehen und somit einiges an Stress hinnehmen», warnt Zahn. 

3. Handys sind wie Autos

Wer 18 wird, darf auch nicht einfach ein Auto nehmen und losfahren: Smartphones lassen sich in ihrer «Wirksamkeit» mit Autos und dem Strassenverkehr durchaus vergleichen. Es bedarf der elterlichen Begleitung. 

«Diese Konflikte muss man als Eltern ausstehen und somit einiges an Stress hinnehmen.»

Joachim Zahn, Projektleiter beim Verein zischtig.ch

«Erst muss eine erfahrene und in der Regel ja auch ältere Person daneben sitzen», sagt Zahn. Es brauche Fahrstunden, Nothelferkurse und Verkehrskundeunterricht, also eine enge Begleitung und Betreuung durch Erwachsene. 

4. Handys vermitteln nicht nur Sicherheit

Verspätet? Bus verpasst? Viele Eltern wollen ihre Kinder bereits im Primarschulalter mit Handys ausstatten, um zu wissen, wo sie sich befinden, und damit die Kinder Nachrichten hinterlassen können. Es gibt spezielle Kinderhandys, die mit gut sichtbaren Notfalltasten und eingebautem GPS-Chip Sicherheit und Aufspürbarkeit versprechen. 

Das Problem, das viele Eltern beim Kauf und der Nutzung eines Kinderhandys vergessen: Das erste, was ein potentieller Täter einem Kind abnehmen würde, wäre das Handy. Die Eltern können sich auch in falscher Sicherheit wiegen.

5. Es geht auch ohne Abo

Bei den Abos gilt Folgendes: Kinder müssen lernen, ihr Geld einzuteilen und die Kosten im Griff zu halten. Sie müssen verstehen, dass nicht immer und überall alles möglich ist. «Dies lernen sie am einfachsten mit einem Prepaid-Vertrag», empfiehlt Zahn. Hier gilt es wieder, Beschränkungen auszuhalten. Dies fördert die Frustrationstoleranz und schützt bis zu einem gewissen Grad vor Sucht.

«Wer davon ausgeht dass das Kind ‹sowas› bis zum 16. Lebensjahr nicht nötig hat, handelt in gewisser Weise genau so fahrlässig wie jene Eltern, die ihr Kind einfach machen lassen.»

Joachim Zahn, Projektleiter beim Verein zischtig.ch zur Handynutzung bei Jugendlichen.



«Die Kinder behaupten gerne, alle hätten schon ein Abo», sagt Zahn. Dem ist keinesfalls so. Nach wie vor gibt es viele Sekundarschüler, die «nur» einen Prepaid-Vertrag hätten. Auch hier gilt: Ein Abo auf die Lehre oder das 4. Kanti Jahr hin reicht.

Verein zischtig.ch

Der Verein zischtig.ch setzt sich dafür ein, dass Kinder und Jugendliche beste Medienbildung und Prävention erfahren. Ziel ist, Kinder und Jugendliche auf ansprechende, verständliche, berührende und wirksame Weise vor Onlinesucht, Cybermobbing, Cybergrooming und anderen Gefahren zu schützen. Im Vordergrund stehen ein begeisternder Vermittlungsstil die Befähigung zu einer gewinnbringenden, kreativen und sicheren Mediennutzung.

6. Das Handy fürs Kind ist ein Projekt für die Eltern

Kind, Handy, Eltern

Bild:

Viele Eltern gehen davon aus, dass Kinder per se viel Medienkompetenz einbringen. «Das trifft aber weder für die technischen Aspekte noch für die sinnvolle und sichere Nutzung von Handys zu», warnt Zahn. Kinder seien vor allem schnell, aber nicht unbedingt auch gut.

Dem Kind ein Handy zu geben ist also auch ein Projekt für die Eltern. Zahn: «Sie müssen sich vergewissern, dass die Kinder um die Gesetze wissen, die verletzt werden können.»

7. Weder zu restriktiv noch zu lasch

Dass sich Kinder für diese Geräte, für Chat und Social Media interessieren ist absolut normal. Eltern dürfen ihren Kindern diese Möglichkeiten nicht vollständig verbieten. Zahn: «Wer davon ausgeht dass das Kind ‹sowas› bis zum 16. Lebensjahr nicht nötig hat handelt in gewisser Weise genau so fahrlässig wie jene Eltern, die ihr Kind einfach machen lassen.»

«In der Deutschschweiz haben im 5. Schuljahr ca. 45 Prozent ein eigenes Handy.»

Joachim Zahn, Projektleiter beim Verein zischtig.ch.

8. Nicht «alle» haben ein Handy

Jugendliche, Handy, Besitz

Oft fragen Eltern beim Verein zischtig nach, was denn «normal» sei bei der Handy-Nutzung. Schliesslich behaupten die Kinder zuhause oft «alle haben, nur ich nicht!». Laut einer Erhebung von zischtig.ch in den letzten 12 Monaten unter rund 17'000 Schülern stimmt dies nicht. «In der Deutschschweiz haben im 5. Schuljahr ca. 45 Prozent ein eigenes Handy», sagt Zahn.

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