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Eskalation in Frankreich: Verletzte, Festnahmen, Schäden

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Frankreich Studentenproteste 17. Oktober
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Nacht der Eskalationen in Frankreich: Das sind die Zahlen

In Frankreichs Städten ist die Gewalt in der Nacht eskaliert. Im Rahmen des Protesttages am Samstag kam es zu Zerstörung, Verletzten und Festnahmen. Eine Person wurde tot aufgefunden. Ein Überblick.
18.10.2026, 10:4918.10.2026, 12:12

Teilnehmende

Am Protesttag vom Samstag kündigten nicht nur Schülerschaften und Studierende Demonstrationen an, auch die Gelbwesten-Bewegung hatte Kundgebungen geplant. Sie riefen zuletzt 2019 wegen steigenden Energiepreisen zu zum Teil gewalttätigen Protesten auf. Laut dem französischen Innenministerium nahmen 550'000 Personen landesweit an den Protesten teil, in Paris waren es rund 110'000 Menschen.

Die Präfektur des Département du Nord erklärte am Sonntagmorgen, dass in Lille, Douai, Dünkirchen, Maubeuge und Valenciennes insgesamt 25'890 Menschen auf die Strasse gegangen waren, die meisten davon in Lille. Grösstenteils seien die Proteste friedlich verlaufen, dennoch sei es ab dem Nachmittag bis am späten Abend in Lille zu Ausschreitungen zwischen fast 2000 Personen und der Polizei gekommen.

Die Organisatoren ihrerseits sprachen von rund 800'000 Teilnehmenden im ganzen Land.

Verletzte

Zunächst erklärte Premierminister Sébastien Lecornu, dass rund 150 Polizeikräfte bei den Einsätzen verletzt wurden. Innenminister Laurent Nuñez erklärte am Sonntag auf X, dass die Zahl mittlerweile auf über 500 Einsatzkräfte angewachsen sei. An einer Pressekonferenz erklärte Nuñez zudem, dass zwei Polizisten bewusstlos ins Spital eingeliefert worden sind. Einer sei durch einen Pflasterstein verletzt worden. In der Hauptstadt Paris sollen laut Behördenangaben 13 Polizeikräfte und zwei Feuerwehrleute verletzt worden sein.

Zu verletzten Demonstrierenden werden am Sonntag nach und nach Zahlen veröffentlicht. Eine Person soll in Paris an einem Herz-Kreislauf-Stillstand gestorben sein. Sie sei tot aufgefunden worden, die Umstände werden nun untersucht. Laut dem Zivilschutz wurden landesweit rund 20 lebensbedrohlich und über 500 nicht lebensbedrohlich verletzte Personen gemeldet. Wie Le Figaro berichtet, soll ein 17-Jähriger in Saint-Étienne schwer an der Hand verletzt worden sein. Eine Untersuchung des Vorfalls wurde eröffnet.

In Lille wurden nach Behördenangaben 34 Personen wegen leichten Verletzungen behandelt. Hinzu kommen 56 verletzte Polizisten und ein verletzter Feuerwehrmann. In Paris wiederum wurden 111 Verletzte gemeldet, 106 davon leicht verletzt.

Festnahmen

Im ganzen Land wurden laut Angaben des Innenministeriums rund 1800 Personen festgenommen. 855 von ihnen allein in der Landeshauptstadt. Davon befinden sich 444 noch immer in Gewahrsam. Die Zahlen zu Festnahmen sind jedoch noch vorläufig. Am Sonntagmorgen war noch von 1200 Festgenommenen die Rede. Die Regierung beschuldigt die linksextreme Szene, für die Ausschreitungen verantwortlich zu sein. Laut dem stellvertretenden Bürgermeister seien bis zu 95 Prozent der in Paris Verhafteten Erwachsene, die «praktisch keine Verbindung» zur Studentenverbindung hätten, berichtet Le Parisien.

Laut der Polizeipräfektur in Paris sollen gewaltbereite Gruppierungen am späteren Nachmittag zu den Kundgebungen gestossen sein. «Ihr einziges Ziel war es, Raubzüge und Plünderungen zu begehen», heisst es in einer Erklärung. Die Gruppierungen seien ungewöhnlich gross gewesen, 500 bis 1000 Personen sollen sie umfasst haben. Die Polizei habe die Lage erst gegen 23 Uhr uner Kontrolle bringen können.

In Lille wurden 69 Personen festgenommen, wie es in einer Mitteilung heisst. Sie müssen sich nun vor der Justiz verantworten.

Weitere 160 Personen wurden laut «Le Parisien» in Lyon festgenommen. 124 von ihnen seien Erwachsene.

Die Festnahmen sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Die Polizeipräfektur in Paris kündigte an, in den kommenden Tagen Videoaufnahmen auszuwerten und weitere Festnahmen vorzunehmen.

Schäden

Das Ausmass der Verwüstung ist immens. Derzeit gibt es noch keine konkreten Zahlen zu den Schäden. In verschiedenen Städten wurden Geschäfte geplündert, Brände gelegt und Blockaden errichtet. Wie der Zivilschutz am Morgen bekannt gab, wurden im öffentlichen Raum in ganz Frankreich über 1500 Brände registriert. 60 Gebäude wurden in Brand gesteckt, darunter Tourismusbüros, Rathäuser oder auch Bibliotheken. Auch Läden und Restaurants waren betroffen.

Wie die Behörden am Mittag bekannt gaben, waren 1500 Unternehmen von den Verwüstungen betroffen. Die Schäden würden hunderte Millionen Euro ausmachen.

Für Bestürzung sorgte insbesondere ein Feuer in der Stadt Limoges. Dort wurde das historische Rathaus in Brand gesetzt. Mittlerweile ist der Brand unter Kontrolle, das 1883 eingeweihte Gebäude aber grösstenteils zerstört.

Video: watson/emanuella kälin

Auch Paris, Marseille und Lyon wurden von Plünderern heimgesucht. Betroffen sind nicht nur Läden, sondern auch Gastrobetriebe oder Hotels. Deren Gewerkschaft erklärte am Sonntagmorgen: «Diese Gewalt gegen unsere Betriebe ist inakzeptabel.» Der Vizepräsident der Gewerkschaft sagte zudem in einem Radiointerview: «Wir wollen nicht zu Kollateralschäden der Gewalt werden.»

Im Département du Nord wurden ein Laden sowie ein McDonald's-Restaurant in Brand gesteckt, wie es am Sonntag in der Mitteilung heisst. Mehrere hundert Personen hätten zudem vergeblich versucht, das Rathaus von Lille zu stürmen.

Gemäss französischen Medien sind von den Zerstörungen mindestens 50 Carrefour-Läden im ganzen Land betroffen. Die Schäden würden sich auf mehrere Millionen Euro belaufen, berichtet BFMTV.

In Paris begann schon in der Nacht das grosse Aufräumen. Wie Bürgermeister Emmanuel Grégoire am Morgen auf X bekannt gab, machten sich um 3 Uhr über 1000 Reinigungskräfte an die Arbeit. Das seien dreimal so viele wie an einem normalen Wochenende.

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