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Wurde auf Gibraltar Weihnachten abgesagt? Die Regierung dementiert

Durchgeimpft und trotzdem hohe Fallzahlen: Was Gibraltar wirklich zeigt

In Gibraltar sind fast 100 Prozent der Bevölkerung geimpft. Trotzdem steigen die Fallzahlen rapide an. Aber: Kaum jemand landet im Spital. Und kein einziger Covid-Patient liegt auf der Intensivstation.
22.11.2021, 14:5223.11.2021, 16:29

35'000 Menschen leben im dicht besiedelten Gibraltar. Verteilt hat das britische Überseegebiet laut eigenen Angaben 40'892 Erst- und 39'816 Zweitimpfungen. Zahlreiche spanische Arbeitende pendeln täglich in das Land – auch sie können sich impfen lassen.

Lässt man die Pendelnden weg, bleibt aber immer noch eine ausgezeichnete Impfquote. Kenner des Gesundheitssystems schätzen sie auf rund 90 Prozent der impffähigen Personen. Eine Quote vergleichbar mit Spanien, schreibt das Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Gibraltar ape (Barbary Macaque) at top of Gibraltar Rock. - Stock-Fotografie
Gibraltar, Gibraltar, Europe
Ein Affe thront auf dem berühmten Affenfelsen auf Gibraltar.Bild: getty

Doch trotz traumhafter Impfquote verzeichnet die Felsenhalbinsel im Mittelmeer steigende Corona-Inzidenzen. So waren am vergangenen Freitag 668 aktive Covid-Fälle auf Gibraltar bekannt.

Die steigenden Fallzahlen haben die Regierung dazu bewogen, den Bürgern zu raten, Masken zu tragen, grosse Menschenansammlungen zu meiden und Abstand zu wahren.

Ein abgekartetes Spiel

Die Querdenker deuten die steigenden Fallzahlen und die Massnahmen-Empfehlungen auf Gibraltar auf ihre eigene Weise: Vertraut nicht auf die Impfstoffe, vertraut nicht auf die Regierung – es ist ein abgekartetes Spiel.

In Telegram-Gruppen und auf Verschwörungsblogs wird das Beispiel Gibraltar seit einigen Tagen herumgereicht. «Der Spiegel» schreibt von einem Telegram-Chat, in dem ein Nutzer im Zusammenhang mit Gibraltar behauptet: «Irgendwann wird es der Letzte begreifen, dass es bei Covid nicht um ein Virus geht.»

Die Regierung erklärt sich die vergleichsweise hohen Fallzahlen damit, dass sehr viele Menschen getestet würden: 15,4 Prozent aller Einwohner waren es in der letzten Oktoberwoche. Zum Vergleich: In der spanischen Nachbarprovinz Cádiz wurden im selben Zeitraum lediglich 0,6 Prozent der Bevölkerung getestet. Und wo viel getestet wird, werden auch viele Corona-Fälle entdeckt.

Viele Fälle, ABER

Der Fall Gibraltar zeigt, was die Wissenschaft schon länger zeigt: Eine Covid-Impfung schützt nicht zu 100 Prozent vor einer Ansteckung, aber sie schützt vor einem schweren Verlauf. Denn von den 668 aktiven Covid-Fällen am Freitag lagen nur zwei im Krankenhaus, davon keiner auf der Intensivstation. Den letzten Covid-Todesfall meldete Gibraltar im Oktober.

Wie gut die Impfung wirkt, zeigt sich auch im Detail: 56 neue Fälle wurden Freitag gemeldet. Davon waren 29 Personen ungeimpft – zumeist Minderjährige. Setzt man diese Zahlen ins Verhältnis zur Anzahl Geimpfter und Ungeimpfter, zeigt sich: Deutlich mehr Ungeimpfte stecken sich mit dem Coronavirus an.

Regierung mahnt die Querdenker mit wütendem Grinch

Bei den Verschwörungsschwurblern dürften diese Zahlen abprallen. In Ihren Kanälen wird unterdessen eine weitere Unwahrheit verbreitet: Die Regierung in Gibraltar habe aufgrund der steigenden Fallzahlen Weihnachten abgesagt!

Diese Halbwahrheiten über Gibraltars Corona-Politik sowie die Wut über die angeblich abgesagten Weihnachten haben Gibraltars Chief Minister, Fabian Picardo, dazu bewogen, sich in die Diskussion einzumischen. Er massregelt die Querdenker auf Twitter mit einem Grinch, der ihnen «Dreistigkeit» unterstellt:

Was abgesagt wurde, so Picardo, seien die offiziellen Regierungsfeiern. Niemandem sonst werde verboten, Weihnachten zu feiern. (yam)

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