International
Homosexualität

Katars WM-Botschafter: «Homosexuelle Menschen haben geistigen Schaden.»

Video: watson

Katars WM-Botschafter: «Homosexuelle Menschen haben geistigen Schaden»

In gut zwei Wochen beginnt die Fussball-WM in Katar. Der katarische WM-Botschafter Khalid Salman hat sich nun eine verbale Entgleisung erlaubt, die tief blicken lässt.
08.11.2022, 08:3808.11.2022, 08:38
Ein Artikel von
t-online

Ein offizieller Botschafter der Fussball-WM in Katar hat Homosexualität als «geistigen Schaden» bezeichnet. Ex-Nationalspieler Khalid Salman sagte in einem Interview für die ZDF-Dokumentation «Geheimsache Katar», dass während der WM «viele 'Dinge' ins Land» kommen würden. «Lass uns über Schwule reden. Das wichtigste ist doch: Jeder wird akzeptieren, dass sie hier herkommen. Aber sie werden unsere Regeln akzeptieren müssen», sagte der 60-Jährige.

Video: watson

Pressesprecher brach Interview ab

Er habe vor allem Probleme damit, wenn Kinder Schwule sähen, sagte Salman. Denn diese würden dann etwas lernen, was nicht gut sei. In seinen Augen sei Schwulsein «haram», also verboten. Damit nicht genug: «Es ist ein geistiger Schaden», fügte er hinzu. Der Pressesprecher des WM-Organisationskomitees, der das ZDF-Team bei den Dreharbeiten begleitete und kontrollierte, brach nach ZDF-Angaben an dieser Stelle das Interview ab.

Homosexuelle Handlungen sind in Katar verboten und können mit bis zu sieben Jahren Haft bestraft werden. Die Turnierorganisatoren und die FIFA hatten mehrmals betont, dass alle Fans bei der WM in Katar «willkommen» seien. Der Emir des Golfstaates, Tamim bin Hamad al Thani, sagte zuletzt jedoch ebenfalls, man erwarte Respekt für «unsere Kultur». Die Dokumentation «Geheimsache Katar» ist am Dienstag ab 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.

Der katarische Aussenminister Mohammed bin Abdulrahman Al-Thani hatte am Montag im Interview mit der «Franfurter Allgemeinen» der deutschen Regierung Doppelmoral vorgeworfen. Der Unmut in Doha hatte sich an Äusserungen von Innenministerin Nancy Faeser (SPD) entzündet, die vom WM-Gastgeber unter anderem Sicherheitsgarantien für die LGBTQ-Community verlangt hatte. «Bei allem Respekt, diese waren überhaupt nicht notwendig», sagte al-Thani über Faesers Aussagen. «Wir haben immer wieder von höchster Stelle wiederholt, dass jeder willkommen ist und niemand diskriminiert wird.»

Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hatte im Interview mit t-online ebenfalls Kritik am Gastgeberstaat geäussert. «Wir legen bei der Kritik unsere Massstäbe an – und Katar muss sich der Kritik stellen. Und ich halte unsere Massstäbe in diesem Fall für völlig legitim, weil es um Menschenrechte geht. Dagegen kann man nicht mit Kultur oder Religion argumentieren.»

Keine Lust auf die WM in Katar? Warum man trotz allem hinschauen sollte und wie du dich dennoch dagegen entscheiden kannst:

(sid, np, con)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Erschreckende Recherche – Hotels in Katar lehnen Schwule ab
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
17-Jähriger aus Italiens Neonazi-Szene verhaftet
Wegen Terrorverdachts ist in Italien ein 17-Jähriger aus der Neonazi-Szene verhaftet worden. Bei dem Verdächtigen aus der norditalienischen Provinz Trient wurden selbstgebaute Waffen sowie rechtsradikales Material in der Wohnung entdeckt.
Zur Story