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Dramatische Szenen: Ukrainische Soldaten schildern Abzug aus Awdijiwka

Russia Ukraine Military Operation Avdiivka 8624727 20.02.2024 In this handout photo released by the Russian Defence Ministry, a view shows residential buildings damaged by fighting amid Russia s milit ...
Awdijiwka nach den heftigen Kämpfen.Bild: www.imago-images.de

Rückzug aus Awdijiwka: «Lasst die Verwundeten zurück und verbrennt alles»

20.02.2024, 21:3521.02.2024, 14:34

Fast zwei Jahren tobten in Awdijiwka heftige Kämpfe. Vorerst soll in der Stadt aber Ruhe einkehren. Der Grund ist ein trauriger: Die ukrainische Armee hat sich entschieden, sich aus dem Gebiet zurückzuziehen. Für Russland ist dies der grösste Erfolg im Krieg gegen die Ukraine seit rund einem Jahr.

Für die ukrainischen Soldaten hingegen spielten sich dramatische Szenen ab. «Lasst die 300 (Verwundeten) zurück und verbrennt alles», wurde dem ukrainischen Soldaten Viktor Biliak befohlen. Dies schreibt er in einem langen Instagram-Post.

Er berichtet ausführlich über den gefährlichen Weg, den er und die anderen ukrainischen Soldaten, die Awdijiwka noch verlassen konnten und nicht verwundet zurückgelassen wurden, auf sich nahmen.

Die ukrainischen Soldaten hätten verzweifelt versucht, den Ruinen der Stadt zu entkommen. Die Gruppen hätten die Stadt verlassen, eine nach der anderen. Ihre Sicht war eingeschränkt: Auf der Strasse hätten sie nicht sehen können. «Es war einfach nur Überleben. Ein Kilometer über das Feld.»

Er schreibt weiter: «Die Strasse nach Awdijiwka ist mit unseren Leichen übersät. Ich blieb nicht, um auf die Evakuierung zu warten. Ich führte die Gruppe an und ging ins Ungewisse.»

Schliesslich teilte Biliak ein Kommandant über Funk mit, dass die Verwundeten nicht evakuiert würden. Sechs Männer blieben zurück. Die Nachrichten der Verwundeten zu lesen im Signal-Chat sei für Biliak schwierig gewesen.

Er schreibt: «Ihre Verzweiflung und ihr Verhängnis. Es wird immer bei uns bleiben. Nur die Mutigsten sterben.»

«Ich habe zwei gebrochene Beine und Splitter im Rücken»

Einer dieser «Mutigsten» war der 30-jährige Ivan Zhytnyk. Er war Junior-Sergeant und Kampfsanitäter und kämpfte seit fast zwei Jahren in Awdijiwka.

Zhytnyk war zum Zeitpunkt, als die anderen Soldaten abgezogen wurden, schwer verletzt und konnte sich nicht bewegen. Am Donnerstag rief er seine Schwester Kateryna und anderen Familienmitgliedern per Video an. Der Anruf ging in den ukrainischen sozialen Medien viral, auch CNN berichtete darüber.

Laut CNN fragt Kateryna ihren Bruder in dem Video: «Also, was, sie … kommt niemand? Sind deine Jungs auch da (bei dir), oder bist du allein?»

Zhytnyk sagt: «Alle gingen, alle zogen sich zurück. Sie sagten uns, dass ein Auto uns abholen würde. Ich habe zwei gebrochene Beine und Splitter im Rücken. Ich kann nichts tun …»

Kateryna antwortet: «Ich weiss nicht, wie ich … wen ich anrufen soll», sagte sie weinend. «Ich kann es nicht herausfinden. Wer holt dich ab?»

Ivan Zhytnyk.
Ivan Zhytnyk. Bild: Screenshot Slidstvo.info

Kateryna erklärte später gegenüber dem ukrainischen investigativen Nachrichtenportal Slidstvo.info: «Die Soldaten hatten eineinhalb Tage auf das Evakuierungsfahrzeug gewartet. Und als sie merkten, dass niemand kam, um sie abzuholen, riefen sie alle an. Als Ivan mich anrief, hatte er solche Schmerzen, dass sie ihm alles gaben, was sie noch hatten, aber die Medikamente und Lebensmittel gingen ihnen aus.»

Der letzte Anruf

Später am Donnerstag erreichte ein weiterer Verwandter Zhytnyk über eine Videoverbindung, wie Kateryna berichtet. «Mein Bruder sagte, das Kommando habe zugestimmt, dass die Russen sie ausschalten würden, weil unsere Männer nicht zu ihnen gelangen würden», so Kateryna.

Während des Gesprächs sei auf dem Video zu sehen gewesen, wie russische Truppen in die Stellung eindrangen, in der die Männer gefangen waren. Die Russen hätten gesagt: «Steht auf und geht raus, wir werden euch nicht mitnehmen.»

Kateryna sagt, ihr Schwager habe versucht, weiter mit Ivan zu sprechen, aber man habe ihm gesagt, er solle sein Telefon ausschalten. Dies sollte Zhytnyks letztes Lebenszeichen sein.

Russische Militärblogger hätten nach der Einnahme von Awdijiwka ein Video veröffentlicht, in dem man auch Leichen ukrainischer Soldaten sah. Einer von ihnen war Zhytnyk.

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Ukraine und Russland: Soldaten an der Front im Krieg gegen Nagetiere
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