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Sanitäter in Rumänien wegen Tiktok-Fake-News angegriffen

Sie raubten angeblich Kinder: Sanitäter nach TikTok-Falschnachricht in Rumänien attackiert

10.08.2026, 15:0410.08.2026, 15:04

Eine online verbreitete Falschnachricht, der zufolge Sanitäter mit Krankenwagen kleine Kinder rauben würden, hat in Rumänien zu einem blutigen Angriff auf Rettungskräfte geführt. Sieben Tatverdächtige wurden verhaftet. Aus der Regierung kamen Forderungen nach mehr Kontrolle in sozialen Medien.

Fahrer des Krankenwagens verletzt

Die Sanitäter hatten im Dorf Recea-Cristur einen Patienten abgeholt, um diesen in ein Spital in der nahe gelegenen Kreisstadt Cluj-Napoca zu bringen. Unterwegs auf einer Landstrasse versperrte ihnen ein Auto den Weg. Mehrere Menschen – mit Äxten, Schlagstöcken und Steinen bewaffnet – stiegen aus und griffen den Krankenwagen an. Sie hätten angegeben, über die Plattform TikTok erfahren zu haben, dass Krankenwagen gefährlich seien, berichteten rumänische Medien.

Die Angreifer zerbrachen mit einem Steinwurf die Windschutzscheibe des Wagens. Glassplitter drangen in das Auge des Fahrers und verletzten den Angaben nach seine Hornhaut. Trotzdem setzte er die insgesamt etwa 30 Kilometer lange Fahrt ins Spital fort. Die Heilung seines verletzten Auges werde drei Monate dauern, hiess es später aus der Klinik in Cluj-Napoca. Auch der abgeholte Patient kam gut dort an.

Ambulanz löste im Dorf sofort Unruhe aus

Die sieben Tatverdächtigen – sechs Männer und eine Frau – kamen auf Beschluss des Gerichts in der Stadt Dej wegen Verdachts auf Körperverletzung und Störung der öffentlichen Ordnung vorläufig für 30 Tage in Untersuchungshaft.

Der Krankenwagen hatte bereits bei seiner Ankunft im Dorf Recea-Cristur Unruhe ausgelöst. Als der Fahrer dort anhielt, um Passanten nach der genauen Adresse des abzuholenden Patienten zu fragen, hätten diese die Auskunft verweigert und stattdessen ihre Smartphones gezückt, um zu filmen, berichtete die Lokalzeitung «Dejeanul» online.

In Rumäniens ärmeren und weniger gebildeten Schichten herrscht seit Jahrzehnten extremes Misstrauen gegen alle Behörden und Autoritäten, zu denen auch Ärzte und Sanitäter zählen. Die Fake News, wonach mit Krankenwagen Kinder geraubt würden, kursiert in Rumänien online schon seit Jahren. 2018 wurde eine Frau verprügelt, die in einem ausrangierten Krankenwagen für ein Kulturprojekt Bücher in rumänische Dörfer transportierte.

Vize-Regierungschefin verlangt Gesetze gegen Fake News

«Krankenwagen stehlen keine Kinder, aber TikTok stiehlt Gehirne», schrieb Rumäniens Vize-Premierministerin Oana Gheorghiu bei Facebook. Sie verlangte Gesetze zum Kampf gegen Fake News. Vor allem komme es darauf an, User von sozialen Medien zur Offenlegung ihrer Identität zu verpflichten, damit sie für Falschnachrichten zur Verantwortung gezogen werden können, meinte Gheorghiu.

Die Gewerkschaft der Rettungssanitäter verlangte nach diesem Vorfall eine offizielle Einstufung ihrer Berufsgruppe in die höchste Risikokategorie, zusammen mit entsprechenden Lohnzulagen. (sda/dpa)

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«Deep Fakes» – zwischen Gefahr und Chance
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