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«Mindestens 7 Nadeln im Arm»: Anwälte kritisieren Pike-Hinrichtung

«Mindestens 7 Nadeln im Arm»: Anwälte kritisieren Pike-Hinrichtung scharf

Die im US-Bundesstaat Tennessee zum Tod verurteilte Mörderin Christa Pike ist laut ihren Anwälten nach ihrer gescheiterten Hinrichtung weiter bewusstlos und an ein Beatmungsgerät angeschlossen.
03.10.2026, 06:5203.10.2026, 06:52

Pike sei intubiert und werde in einem Krankenhaus in Nashville künstlich beatmet, schrieben Pikes Anwälte in einem Gerichtsantrag vom Freitag.

Emergency vehicles leave Riverbend Maximum Security Institution after the execution of Christa Pike was halted Wednesday, Sept. 30, 2026, in Nashville, Tenn. (AP Photo/George Walker IV)
Tennessee Exec ...
Christa Pike wurde nach dem Hinrichtungsversuch ins Spital eingeliefertBild: keystone

Die 50-Jährige sollte am Mittwochabend (Ortszeit) mit einer Giftspritze hingerichtet werden. Doch nachdem ihr nach Angaben der Behörden die im Protokoll vorgesehenen zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht worden waren, lebte sie weiter.

Pike befindet sich demnach seit der gescheiterten Hinrichtung in kritischem Zustand. Das Krankenhauspersonal arbeite daran, ihr Leben zu retten und das verabreichte Pentobarbital aus ihrem Körper zu entfernen, schrieben die Anwälte.

Weitere Details zu gescheiterter Hinrichtung

Am Donnerstag hatte Pikes Anwalt Randy Spivey erklärt, das Personal habe bei der versuchten Hinrichtung etwa eine Stunde erfolglos versucht, einen intravenösen Zugang zu legen. «Ich zählte allein in ihrem linken Arm mindestens sieben Nadeln», sagte Spivey. Laut Gerichtsantrag war eine davon beim Herausziehen um 90 Grad verbogen.

Während der Prozedur habe man Pike weinen gehört. Sie habe laut geatmet und gesagt: «Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich aufplatzen». Ein anderes Mal habe sie gefragt, ob das normal sei.

Bei der Einlieferung ins Krankenhaus seien beide Arme der 50-Jährigen «geschwollen, verbrannt und mit Blasen übersät» gewesen. Sachverständige werden in dem Antrag zitiert, wonach das injizierte Pentobarbital stark alkalisch sei und bei Kontakt Verbrennungen an Haut, Gewebe und Venen verursache. Während der Hinrichtung habe sich ihr rechter Arm laut ihren Anwälten violett verfärbt.

Mit der Hinrichtung betraute Personen bemerkten laut Angaben der Anwälte offenbar nicht, dass das Gift «ganz oder teilweise» in das umliegende Gewebe statt in Pikes Venen gelangte. So wurde entschieden, der verurteilten Mörderin eine weitere Dosis Pentobarbital zu verabreichen.

Gouverneur ordnet externe Untersuchung an

Der Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, setzte nach dem Vorfall alle weiteren Hinrichtungen für den Rest des Jahres aus und ordnete eine umfassende Untersuchung durch eine externe Stelle an. Es ist offen, ob und unter welchen Bedingungen der Staat noch einmal versuchen könnte, das Todesurteil zu vollstrecken.

Für Tennessee ist es bereits der zweite gescheiterte Hinrichtungsversuch innerhalb weniger Monate. Im Mai hatte der Staat die Hinrichtung des Gefangenen Tony Carruthers abbrechen müssen, nachdem es nicht gelungen war, die erforderlichen intravenösen Zugänge zu legen. Anders als bei Pike wurde ihm das tödliche Medikament damals jedoch nicht verabreicht.

Kampagnen gegen Hinrichtung blieben erfolglos

Mehrere Kampagnen hatten versucht, den geplanten Vollzug vom 30. September aufzuhalten. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International betonte, dass Pike während ihrer Kindheit Vergewaltigung, sexuelle und körperliche Gewalt, Misshandlung und Vernachlässigung erlitten hatte. Auch Experten der Vereinten Nationen hatten einen Stopp der Hinrichtung gefordert.

Auch der Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres äusserte sich zu den Entwicklungen in dem Fall. «Wir vertreten den Standpunkt, dass es die Todesstrafe nicht geben sollte», sagte der Sprecher auf eine entsprechende Frage von Journalisten. Dazu hätten sich die Vereinten Nationen stets sehr offen geäussert, «unabhängig davon, in welchem Land sie noch besteht.»

Die Todesstrafe ist in mehr als zwei Dutzend der 50 US-Bundesstaaten zugelassen, allerdings wird sie vielerorts de facto nicht mehr vollstreckt. Laut Death Penalty Information Center wurden in den USA im laufenden Jahr bis zum 24. September 28 Straftäter hingerichtet.

Neben Hinrichtungen mit der Giftspritze sind in den Vereinigten Staaten auch Vollstreckungen der Todesstrafe durch den elektrischen Stuhl oder – seltener – per Erschiessungskommando üblich.

Anwälte: Pikes grösste Angst ist wahr geworden

Die Anwälte Pikes äusserten sich am Freitag zur gescheiterten Hinrichtung. Pike habe nicht den Tod an sich, sondern einen «langwierigen, qualvollen, traumatischen Tod» gefürchtet. Aber genau das sei nun passiert – «nur ohne den Tod», sagten Randy Spivey und Stephen Ferrell auf einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Als Überlebende sexuellen Missbrauchs habe Pike Angst davor gehabt, über einen längeren Zeitraum festgehalten und mit Nadeln gestochen zu werden, während sie möglicherweise ihr Trauma wieder durchlebe.

Die Hintergründe zum Fall Pike:

Die 50-Jährige sollte am Mittwochabend mit einer Giftspritze im Bundesstaat Tennessee in den USA hingerichtet werden. Doch nachdem der verurteilten Mörderin laut Behörden zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht worden waren, lebte sie weiter. Spivey sagte, er habe Pike nach der ersten Verabreichung noch sprechen und singen gehört.

Spivey bezeichnete die gescheiterte Hinrichtung durch Giftspritze des Weiteren als «vorhersehbar». Das Team der Anwälte um Spivey und Ferrell habe den US-Bundesstaat Tennessee und das Gericht auf die gesundheitlichen Probleme Pikes hingewiesen, und deutlich gemacht, dass diese zu einem «qualvollen Tod» führen würden. Demnach soll der Zugang zu ihren Venen schwierig sein.

Pike 1996 wegen Mord zum Tode verurteilt

Pike war 1996 für den Mord an der 19 Jahre alten Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.

Nach Angaben der gemeinnützigen Organisation Death Penalty Information Center ist Pike die Einzige der drei, die zum Tode verurteilt wurde. Ihr damaliger Freund war zum Zeitpunkt der Tat 17 Jahre alt und erhielt eine lebenslange Haftstrafe. Eine weitere 18-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. (sda/dpa/con)

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