Mehr als ein Mass Shooting pro Tag – so tief steckt die Waffengewalt in den USA
Ein jugendlicher Schütze hat an einer Grundschule im US-Bundesstaat Oregon am Donnerstag drei Kinder und eine Lehrkraft getötet. Es ist der jüngste Vorfall einer endlosen Serie an Massenschiesserei in den USA.
Als Einsatzkräfte das Gebäude in der Stadt Bend wenige Minuten nach dem ersten Notruf betraten, sei der Täter bereits tot gewesen, teilte die Polizei auf einer Pressekonferenz mit. Ein Augenzeuge habe den 16 Jahre alten Angreifer zuvor verfolgt und erschossen.
Die getöteten Kinder waren fünf, acht und elf Jahre alt. Ein sieben Jahre altes Kind und eine 54-jährige Lehrkraft der Silver Rail Elementary School in Bend seien mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Spital gebracht worden, sagte der Chef der örtlichen Polizei.
Mehr als täglich gibt es eine Massenschiesserei
Gewalttaten mit Schusswaffen gehören in den USA zur Tagesordnung. Für solche Mass Shootings gibt es dennoch keine einheitliche Definition. Das Gun Violence Archive spricht von einem Mass Shooting, sobald Schüsse mindestens vier Menschen verletzen oder töten, den Schützen nicht mitgezählt.
Im Schnitt findet mehr als täglich eine solche Massenschiesserei mit mehr als drei Opfern statt. Das zeigen Zahlen derselben Plattform, die täglich von einer gemeinnützigen Organisation mit Daten zu Todes- und Verletztenfällen im Zusammenhang mit Waffen aktualisiert wird.
Seit 2014 haben Massenschiessereien in den USA 5961 Menschen getötet und 25'008 verletzt. Die meisten Opfer zählte das Gun Violence Archive im Jahr 2021: Damals verletzten Täter bei 690 Mass Shootings 2785 Menschen und töteten 669.
Die meisten Todesopfer forderten Mass Shootings zwei Jahre später, 2023 starben 719 Menschen. Seither sind die Zahlen leicht gesunken. Dieses Jahr haben Mass Shootings bis Mitte Oktober bereits 354 Menschen getötet und 1583 verletzt.
Die Waffengesetze in den USA
Meldungen wie diese sind in den USA längst zur Normalität geworden. Laut einer Studie sind Schusswaffen bei Kindern und Jugendlichen aus den USA die häufigste Todesursache. Dennoch entfacht die Tat in Oregon eine alte Debatte neu, denn sie trifft das Land in der Schlussphase des Midterm-Wahlkampfs.
Am 3. November wählen die USA einen Teil des Kongresses neu. Demokratische Politikerinnen und Politiker fordern strengere Waffengesetze. Oregons Senator Ron Wyden etwa schrieb, man ehre die Opfer am besten, indem man endlich vernünftige Waffengesetze verabschiede.
Die Gegenseite hingegen sieht im bewaffneten Passanten in Oregon den Beweis, dass Waffen Leben retten.
Präsident Trump lockert die Waffengesetze seit seinem Amtsantritt immer wieder. Zuletzt verzichtete seine Regierung am 9. Oktober darauf, die Bewilligungs- und Registrierungspflicht für Schalldämpfer und kurzläufige Gewehre durchzusetzen.
Ein nächster grosser Entscheid wird aus Washington kommen: Der Supreme Court entscheidet in dieser Sitzungsperiode, ob die Verbote von Sturmgewehren in Illinois und Connecticut verfassungswidrig sind.
Kippt der Oberste Gerichtshof diese Verbote, wanken ähnliche Gesetze in über zehn anderen Bundesstaaten. Dann hätten die Gegner strengerer Gesetze ausgerechnet in einer Phase voller Schlagzeilen über Mass Shootings einen grossen Sieg errungen.
