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Kinder, die zu Wutanfällen neigen, sind gemäss neuer Studie später im Leben finanziell erfolgreicher (Symbolbild). bild: shutterstock

Überraschende Studie: Warum Motz-Kinder später mehr Geld verdienen

angelika zahn



Eltern haben es nicht immer leicht mit ihren Kindern. Eben noch ist alles super und die Laune könnte nicht besser sein. Doch dann plötzlich läuft irgendeine Unwichtigkeit nicht nach dem Willen des kleinen Despoten – und schon beginnt die Mini-Apokalypse. Und dabei ist es ganz egal, ob sich Eltern und ihr Nachwuchs gerade im heimischen Kinderzimmer oder im Drogeriemarkt kurz vor der Kasse befinden: Die Wut des Kindes muss raus! Und zwar sofort, ungefiltert und mit voller Wucht.

Das ist für Eltern anstrengend, nervig und kann ganz schön unangenehm sein. Doch jetzt gibt es einen kleinen Trost: Eine Langzeitstudie, die in der amerikanischen Fachzeitschrift „Developmental Psychology“ veröffentlicht wurde, beweist nämlich, dass Personen, die in ihrer Kindheit zu Wutanfällen neigten, später einige Vorteile haben.

Trotzige Kinder verdienen später mehr

Im Jahr 1968 wurden 745 damals Zwölfjährige in Bezug auf ihre Intelligenz und auf den sozioökonomischen Status der Eltern untersucht. Auch ihre Verhaltensweisen wurden genauestens unter die Lupe genommen: Leiden sie unter Unaufmerksamkeit, Minderwertigkeitsgefühlen und Ungeduld? Sind sie verantwortungsbewusst, halten sie sich an Regeln und ist ihre Grundeinstellung eher optimistisch oder pessimistisch?

Im Jahr 2015 wurde dieselbe Gruppe von Menschen noch einmal befragt. Doch dieses Mal mussten die inzwischen 59-Jährigen Angaben zu ihrem Einkommen und ihrer Karriere machen. Dabei kristallisierte sich rasch ein Muster heraus: Die Kinder, die damals als trotzig eingestuft wurden, hatten später mehr Erfolg im Leben als die sanftmütigen. Unter anderem schnitten sie in der Schule besser ab, hatten im Berufsleben ein besseres Einkommen und dadurch auch einen höheren Lebensstandard.

Silvia Schneider, die an der Ruhr-Universität Bochum am Lehrstuhl Klinische Kinder-und Jugendpsychologie unterrichtet, hält allerdings nicht die Wutanfälle für den Grund, der diese Kinder erfolgreicher macht: «Vermutlich geht es um den Zusammenhang von Temperament und späterem Erfolg im Leben», erklärt sie gegenüber watson.

Die Kinderpsychologin sagt:

«Kinder, die mehr nach aussen orientiert sind und eher auch Grenzen austesten, werden sich auch später mehr für ihre eigenen Interessen einsetzen als ein Kind, das sehr scheu und zurückhaltend ist.»

Wut bei Kindern ist in Wirklichkeit Überforderung

Doch warum ticken manche Kinder eigentlich scheinbar grundlos aus? Trotz ist ein Teil der ganz normalen Entwicklung und oft, da sind sich Wissenschaftler einig, ein Zeichen von Überforderung. Die Kinderpsychologin dazu: «Je nach Alter können sie starke Gefühle wie Ärger noch nicht so gut kontrollieren und dann kommt die Wut unkontrolliert raus. Kinder müssen erst lernen, wie sie mit Gefühlen wie Ärger und Wut umgehen können.»

Erst mit der Zeit eignen sie sich sogenannte Emotionsregulationsstrategien wie Ablenkung an, indem sie in solchen Situationen zum Beispiel einfach mit etwas anderem spielen.

Das rät die Expertin Eltern von Ausrast-Kindern

Gestressten Eltern rät Schneider, sehr deutlich zu machen, dass sie Verhaltensweisen wie andere zu schlagen, zu beissen oder anzuspucken nicht akzeptieren. Ihr Tipp:

«Man kann Kindern andere Möglichkeit zeigen, wie sie Dampf ablassen können, zum Beispiel mit dem Fuss aufstampfen.»

Da die Kinder während des Wutanfalls nicht ansprechbar sind, sollten Eltern versuchen, erst im Anschluss ruhig mit dem Kind darüber zu sprechen, so die Expertin. Eltern sollten sich durch die Wutanfälle auch nicht zu etwas zwingen lassen, wie dem Kind Süssigkeiten zu geben, nur damit Ruhe ist: «Hier ist Konsequenz sehr wichtig, sonst wird das Kind immer häufiger schreien, um etwas zu erreichen.»

Und ganz wichtig: Eltern sollten das Kind unbedingt loben, wenn es schafft, seine Wut durch altersangemessenes Verhalten zu kontrollieren.

Wutanfälle meistens nicht in Kita, Kindergarten oder Schule

Doch warum neigt so manches Kind nur im privaten Umfeld zum Ausraster, während Erzieher und Lehrerinnen in Betreuungseinrichtungen und Schule vom sanftmütigsten Kind der Welt berichten? «Oft sind die Eltern weniger konsequent als die Bezugspersonen in der Kita oder im Kindergarten», weiss Schneider. Denn hier lerne das Kind sehr schnell, dass es mit Wutanfällen nichts erreiche. «Die wütenden Kinder merken auch, dass sich andere Kinder abwenden, wenn sie Wutanfälle zeigen und das ist ihnen unangenehm.»

Übrigens: Es muss nicht heissen, dass Eltern alles falsch gemacht haben, wenn ihr Kind ihnen mal wieder wutentbrannt einen Legostein an den Kopf wirft. Denn besonders Kleinkinder trauen sich nur dann so richtig auszuflippen, wenn sie sich geliebt, sicher und geborgen fühlen. Und das zu wissen, ist ja auch schön.

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kausaler Denker 13.08.2019 20:17
    Highlight Highlight Eigentlich könnte man auch sagen, dass gute Erziehung ein Karrierekiller ist. Trifft den Kern der Sache wohl eher.
  • ChillDaHood 13.08.2019 14:49
    Highlight Highlight Nun - Wut ist in meinen Augen das Ventil. Viel wichtiger ist, dass man sich erst mal aufregt. Ich habe festgestellt, dass es mir schadet, Widrigkeiten einfach zu akzeptieren und sich selber zurückzunehmen, wenn jemand anderes vorprescht.

    Beispiel Roger Federer. Heult, weil er zweiter wird. Sagt Paris ab, obwohl er damit einige vor den Kopf stösst und in den Medien zerrissen wird. Er ist sicher einer der angenehmsten Personen. Aber er gibt sich nicht mit secondbest zufrieden (und soll als Kind aufbrausend gewesen sein)
    • Kruk 13.08.2019 17:17
      Highlight Highlight Das wäre dann für mich eher Ehrgeiz was Herr Federer antreibt, ist sicher nichts schlechtes. Leute die immer Motzen, trotzen und alles wollen sind etwas ganz anderes und eher in der Wirtschaft erfolgreich. Klar widrigkeiten einfach akzeptieren ist keine Lösung, aber Mötzlis sind, meiner Meinung nach, mehr solche die es ums Motzen willen machen, es gibt Ihnen ein gutes Gefühl wenn sie etwas auf diese Weise bekommen.
    • ChillDaHood 13.08.2019 17:32
      Highlight Highlight Bin nicht zu 100% einverstanden. Motzen ist eine mögliche Reaktion auf etwas, was einem missfällt. Bei einem Kind sieht man dies noch nach - bei einem Erwachsenen erwartet man in meinen Augen zurecht eine reifere Reaktion. Ich wollte darauf eingehen, weshalb Kinder, welche trotzig sind und zu Wutanfällen neigen (so steht es im Text, Motzen kommt nur in der Überschrift vor) eher Erfolg haben könnten später. Und das ist imho, weil sie, ob sie nun motzen oder nicht, Sachen die ihnen nicht passen generell weniger akzeptieren und zu ändern suchen.
    • Kruk 13.08.2019 18:20
      Highlight Highlight Ja das stimmt.
      Ich denke erfolgreiche Musiker, Sportler, Schauspieler etc. ev. auch Unternehmer sind oft genau so wie Sie das beschreiben, auch mit sich selber.
      Warum haben diese Kinder nur im privaten Umfeld Wutausbrüche. Kommt ja sicher auch in der Kita vor, dass ihnen etwas nicht passt.

      Einigen Kriegen einen Wutanfall wenn sie auch nur ein bisschen das kleinere Kuchenstück bekommen und andere erst bei echter Ungerechtigkeit.

      Ich habe mehr so an die Ellbogenraus Karriere Typen gedacht (die mit dem Kuchenstück).
  • Beyond Good & Evil 13.08.2019 09:38
    Highlight Highlight Das ist der Unterschied zwischen den beiden Typen, das Glas ist halbleer bzw. halbvoll.

    Kommst du in einen Raum und sagst, warum zum Teufel ist mein Glas halbleer? Wird dir nachgeschenkt.
    Kommst du in einen Raum und sagst, schön mein Glas ist halbvoll. Bekommst du gar nichts.
  • Janis Joplin 13.08.2019 08:14
    Highlight Highlight Das werden dann diejenigen, die alle "mögen", für welche Regeln nicht zu gelten scheinen, sei es im Restaurant, im Laden beim Umtausch ohne Kassenzettel oder beim Anruf beim Serviceanbieter - sie schreien dann rum, um das zu kriegen was sie wollen, ob berechtigt oder nicht.
  • ConcernedCitizen 13.08.2019 07:48
    Highlight Highlight Also eigentlich die gleichen Kinder, welche man heute mit Ritalin „normalisiert“?
  • YvesM 13.08.2019 07:29
    Highlight Highlight Hauptsache, irgend etwas korreliert irgendwie. Und irgend wer schreibt irgend etwas darüber.
  • Pitefli 12.08.2019 22:37
    Highlight Highlight Zu wissen dass meine Jungs in ein paar Jahre reich sein werden, beruhigt mich ja sehr 😂
    Als ich noch keine Kinder hatte, hab ich mich immer gefragt was das für Eltern sind die ihr Kind nicht im Griff haben. Heute bin ich froh wenn meine Kinder nicht das Haus anzünden.
    In der Krippe sind meine Jungs übrigens waaaahnsinig anständig. Sie räumen immer auf, helfen überall mit und essen immer mit Besteck 😒
  • Biindli 12.08.2019 22:20
    Highlight Highlight Dann bin ich Mutter von zukünftigen Multimillionären ...
  • D. L. aus B. 12.08.2019 22:18
    Highlight Highlight Stimmt, mega überraschend ...
  • lilie 12.08.2019 22:16
    Highlight Highlight Schon der Volksmund weiss: "Aus den wildesten Fohlen werden die besten Pferde". 😊

    Also, Tobsuchtsanfälle hatte ich nicht, ich wurde eher störrisch, wenn ich was machen sollte, was ich nicht einsah. So bin ich heute noch. 😅

    Die Tobsuchtsanfälle hatten hingegen eher meine Eltern. Was das wohl bedeuten mag? 🤔🤷‍♀️
  • Der Teufel auf der Bettkante 12.08.2019 22:11
    Highlight Highlight Dazu gibt es ein sehr cooles Buch. Asshole, wie ich lernte ein Schwein zu sein und dabei reich und glücklich wurde. Sehr geile, unterhaltsame Lektüre.
  • Kruk 12.08.2019 21:57
    Highlight Highlight Ich glaube die erfolgreichen sind jene, die als Erwachsene immer noch so sind.

    Ich meine das sieht man doch an unserer Gesellschaft, wie die Chefs drauf sind, wer immer reklamiert bekommt Rabatte, bekommt den Umtausch, etwas Gratis und die ganz schlimmen wütigen trötzelis werden sogar Präsidenten.

    Das soll jetzt keine Aufforderung sein.
    • wolge 13.08.2019 07:12
      Highlight Highlight Gebe dir vollkommen Recht....

      Die naheliegende Reaktion auf diese Studie wäre, den Kindern beizubringen den Kopf durchzustieren und sich hoch zu boxen.

      Besser wäre es jedoch unser Wirtschaftssystem zu hinterfragen. Im aktuellen System sind Egoismus, Gier, streben nach Macht und Aufmerksamkeit sehr verbreitet...

      Kein Wunder machen da primär Leute mit schlechten Charaktereigenschaften und Motiven Karriere...

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