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Bild: EPA/AMPAS
Award-Nacht in Hollywood 

«Auf Tuchfühlung» mit den Stars – Alles, was du über die Oscars wissen musst

23.02.2015, 09:2124.02.2015, 09:08

Wir können also stolz vermelden, dass unsere Schweizer Delegation mit dem Kurzfilm «Parvaneh» jetzt zwar keinen Oscar gewonnen, aber dafür sagenhaft gut ausgesehen hat. Nach mehreren Stunden und – jedenfalls pro Frau – fünf Menschen, die sich um Haare und Make-up kümmerten. Um exakt 3.30 Uhr erreichte uns aus dem Dolby Theatre in Los Angeles ein SMS mit dem Inhalt: «Ja, so schnell ist alles weg ...», und dabei hatte der «Hollywood Reporter» «Parvaneh» von Talkhon Hamzavi doch noch vor wenigen Tagen auf Platz eins gesehen.

Das Schweizer Oscar-Team. <a href="http://www.watson.ch/!864921889" target="_blank">Mehr zu unserer Delegation findest du hier</a>.
Das Schweizer Oscar-Team. Mehr zu unserer Delegation findest du hier.bild: zhdk

Doch das Wichtigste an den 87. Academy Awards ist sowieso, das Citizenfour gewonnen hat, der grossartige Dokfilm über Edward Snowden. Denn es wäre der Academy tatsächlich zuzutrauen gewesen, dass sie feige ist, und einem Film über einen Staatsfeind der USA keinen Preis geben. Sondern lieber Wim Wenders und seinem «The Salt of the Earth». Zum Beispiel. Der seine Bären-Ehren-Brosche, die er eben noch an der Berlinale erhielt, in Los Angeles dummerweise schon verloren hat. Sie steckte an irgendeinem Wäschestück, das sein Hotel in irgendeine Wäscherei geben liess. So flüchtig können Preise sein. Und Wim Wenders’ Frau hätte gern ein Selfie mit Sean Penn.

Alle Oscar-Gewinner im Bild

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Oscars 2015 – die wichtigsten Gewinner
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Dass also der mutige Film von Laura Poitras einen Oscar gewonnen hat, ist nur richtig. Genauso richtig wie die Tatsache, dass weder «American Sniper» noch «Boyhood» einen Preis für beste Regie oder besten Film erhalten haben. Beide Filme sind ja auf ihre Art recht einfältig. Der eine auf gefährliche, der andere auf pubertär naive Art. Und beide Preise gingen nun an den Verrücktesten und Visionärsten unter den Nominierten, nämlich an Alejandro González Iñárritu mit «Birdman», eine Komödie über Wahn und Sinn des Showbiz zwischen Superhelden und Superstars. Iñárritu hätte fast vergessen, sich bei seiner Frau zu bedanken, dafür bedankte sich einer seiner Co-Drehbuchautoren (das beste Originaldrehbuch ging auch an «Birdman», ebenso das Production Design) und bei seinem Hund.

Winke-winke: Jennifer Aniston kam mit ihrem Verlobten&nbsp;Justin Theroux.&nbsp;
Winke-winke: Jennifer Aniston kam mit ihrem Verlobten Justin Theroux. Bild: DANNY MOLOSHOK/REUTERS

Eddie Redmayne, der heuer das hysterische Fräulein unter den Preisträgern mimt, nahm seine Statuette für sein Imitation Game als Stephen Hawking in «The Theory of Everything» mit Hüpfen, Japsen und Kreischen entgegen und versprach, sie zuhause von Kopf bis Fuss zu verwöhnen, sie zu polieren und auch ihre Telefonanrufe zu beantworten. 

Eddie Redmayne kann's kaum glauben.
Eddie Redmayne kann's kaum glauben.Bild: MARIO ANZUONI/REUTERS

Benedict Cumberbatch kam mit seiner schönen neuen Frau, die noch besser an die Oscars passt als der rote Teppich, und Melanie Griffith hatte auf selbigem Krach mit ihrer Tochter Dakota Johnson, weil sie sich immer noch weigert, Dakotas cineastische Zuchtperle «Fifty Shades of Grey» anzuschauen. So ist das halt, bei den Hollywoods.

Cumberbatch und Gattin.
Cumberbatch und Gattin.Bild: Getty Images North America
Dakota Johnson nahm Mama Melanie ihren Auftritt gar nicht übel, wie man sieht.
Dakota Johnson nahm Mama Melanie ihren Auftritt gar nicht übel, wie man sieht.Bild: EPA
Melanie Griffith sagt, sie müsse «50 Shades» gar nicht schauen, weil sie weiss, dass ihre Tochter eine tolle Schauspielerin ist.video: youtube/ah prankproductions

Der Schweizer Höhepunkt des Abends war dann, als Meryl Streep H.R. Giger anmoderierte – beziehungsweise die teuren Verstorbenen der vergangenen zwölf Monate. Und da war er dann, der Giger, zusammen mit Robin Williams, Anita Ekberg, Lauren Bacall, Richard Attenborough und vielen mehr, und wer wollte, konnte ungeniert ein paar Tränen produzieren.

Überhaupt gab es ein paar emotional monumentale Momente, und wir verdanken sie allesamt den Preisrednern: Julianne Moore (beste Schauspielerin in «Still Alice») redete gegen Alzheimer; Patricia Arquette (beste Nebendarstellerin in «Boyhood») verlangte gleichen Lohn und gleiche Rechte für Frauen in Amerika, was Meryl Streep und Jennifer Lopez (beide sind gewiss mausarm) lauthals begrüssten.

Laura Poitras sprach von einer Krise der amerikanischen Demokratie; Graham Moore (bestes adaptiertes Drehbuch für «The Imitation Game») sagte: «Als ich sechzehn war, wollte ich mich umbringen. Weil ich mich seltsam und anders fühlte» (zu übersetzen mit: schwul); John Legend und Common (bester Song in «Selma») gaben zu bedenken, dass heute mehr schwarze Männer im Gefängnis sitzen als es um 1850 Sklaven gab.

Überhaupt: Die Schwarz-weiss-Frage. Sie wurde von Gastgeber Neil Patrick Harris gleich im allerersten Satz markiert: 

«Tonight we honour Hollywood’s best and whitest – sorry, brightest ...»

Und dann wurde ohne Unterlass durchdekliniert. Viola Davis, Kerry Washington, Idris Elba, Octavia Spencer, Zoe Saldana, Eddie Murphy, David Oyelowo, Chiwetel Ejofor, Oprah Winfrey und weitere moderierten, es war ein Trostpflaster, so demonstrativ, dass schon recht traurig war. Denn an der Zusammensetzung der Academy, an der Wahl der Filme, an der weissen Selbstbehauptung in Hollywood ändert dies nichts. Aber man hat's gut gemeint.

Oscars 2015 – kuriose Momente

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Oscars 2015 – kuriose Momente
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Ein musikalischer und drei dekorative Oscars gingen an «The Grand Budapest Hotel», jeder davon war gerechtfertigt, und auch das Bühnenbild war Wes Andersons rosatortigem Hotel nachempfunden. Und die Show? Lady Gaga sang sehr schön. Und sonst? 

NPH verschliesst vor unschönen, nackten Tatsachen nicht die Augen: Die Oscars sind zu weiss.
NPH verschliesst vor unschönen, nackten Tatsachen nicht die Augen: Die Oscars sind zu weiss.Bild: EPA AMPAS

Ach ja, naja. Einmal trat Neil Patrick Harris bloss in Unterhose, Socken und Schuhen auf, minimalistischer gewandet hat man bei den Oscars noch niemanden gesehen. Es gab die befürchtete Musical-Nummer, ein paar hübsche Wortspiele, viele Sticheleien gegen reiche Menschen (Oprah) und Filme («American Sniper») und die Erklärung der PR-Geschenke im Wert von 160'000 Dollar für die nominierten Schauspieler: «Zwei Reisen, Make-up, Schuhe, Kleider und ein bewaffneter Autotransport, falls die Revolution kommt.» Vergessen hat er bloss: Den Gutschein fürs Eigenblut-Facelifting, für ein Dessert-Buffet und für eine astrologische Beratung. Und den Laser-Vibrator. 

Das Problem: Wenn einer so blöd ist, die Tasche mit heim zu nehmen, muss er 160'000 Dollar versteuern, so will es das Gesetz. Aber das ist nicht unser Problem. Die Schweizer Delegation kam da zum Glück gar nicht erst in Versuchung. Und die Erinnerung an die fetteste, festlichste Nacht von Hollywood, die nimmt ihnen keiner.

Was die Stars aus Los Angeles getwittert haben und welche Fotos sie online stellten, liest du hier nach.

Richtig festlich: Lady Gaga sang an den Oscars.video: youtube/match day


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