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Bundesrätin Sommaruga warnt in Marignano vor falschen Mythen und dem Missbrauch der Geschichte

Simonetta Sommaruga sprach am Sonntag am Ort der historischen Schlacht im italienischen Melegnano.
Simonetta Sommaruga sprach am Sonntag am Ort der historischen Schlacht im italienischen Melegnano.
Bild: RUBEN SPRICH/REUTERS

Bundesrätin Sommaruga warnt in Marignano vor falschen Mythen und dem Missbrauch der Geschichte

13.09.2015, 17:3414.09.2015, 07:13

SP-Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga hat zum 500. Jahrestag der Schlacht von Marignano davor gewarnt, die Vergangenheit für Zwecke der Gegenwart zurechtzubiegen. Ansonsten würden die falschen Lehren für die Zukunft gezogen.

Marignano sei für die Schweizerinnen und Schweizer zu einem Mythos geworden, sagte Sommaruga in ihrer Rede am Sonntag am Ort der historischen Schlacht im italienischen Melegnano. Zwar seien Mythen für jede Nation wichtig und deren Bedeutung dürfe nicht unterschätzt werden.

«Aber bei aller Hingabe, mit der wir die Geschichte beschwören, müssen wir aufpassen, dass wir nicht in der Vergangenheit gefangen bleiben», sagte Sommaruga. Denn das Schicksal der heutigen Schweiz sei nicht auf dem Schlachtfeld von Marignano besiegelt worden.

«Mit Argumenten und Stimmzetteln erkämpft»

Für viele wichtige Etappen auf dem Weg zur heutigen Schweiz – wie den Ausbau der Volksrechte, die Emanzipation der Frauen, die Schaffung der Sozialwerke, den Aufbau des Rechtsstaates oder die internationale Einbettung der Schweiz – gebe es keine Mythen und keine Erinnerungsorte. Diese Meilensteine seien nicht auf Schlachtfeldern erkämpft worden, sondern mit Argumenten und Stimmzetteln.

Auch die Schweizer Neutralität habe ihren Ursprung nicht auf diesen Feldern. «Aber nutzen wir die politischen Debatten rund um Marignano, um über uns nachzudenken». So könne die Erinnerung an die Schlacht von Marignano Anlass zu Diskussionen geben, wie die Schweiz ihre Neutralitätspolitik im 21. Jahrhundert interpretieren soll.

«Schlacht der Giganten»

Die Schlacht bei Marignano fand am 13. und 14. September 1515 vor den Toren Mailands im heutigen Melegnano statt und endete mit einer herben Niederlage der Schweizer. Rund 12'000 Eidgenossen kamen bei den Kämpfen gegen die Heere des französischen Königs und der Republik Venedig ums Leben.

Die «Schlacht der Giganten» sorgt in jüngster Zeit immer wieder für Diskussionen. Während die einen Marignano als Wendepunkt in der Geschichte der Eidgenossenschaft, als Abwendung von der Grossmachtpolitik und Beginn der Neutralität deuten, kämpfen andere gegen eine nationalkonservative Vereinnahmung des «Mythos von Marignano».

(dsc/sda)

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