Schweiz
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Touristen der 4'000 Personen grossen chinesischen Reisegruppe der Kosmetikfirma

«XXL-Reisegruppe»: Am Montag sind 4000 chinesische Gäste nach Luzern gereist. Bild: KEYSTONE

«Overtourism? Bei uns doch nicht!» Schweizer Tourismus-Verband bezieht Stellung

Seit vergangener Woche reisen 12 000 Chinesinnen und Chinesen durch die Schweiz. Jetzt mischt sich der Schweizer Tourismus-Verband in die Debatte ein.

Sven Altermatt / ch media



Manche sprechen abschätzig von einer «Chinesen-Welle», andere von einer «XXL-Reisegruppe». Noch nie empfing die Schweiz so viele ausländische Touristen auf einmal: Seit vergangener Woche reisen 12'000 Chinesinnen und Chinesen durchs Land.

Sie sind Angestellte eines Kosmetikkonzerns und werden, allein schon aus logistischen Gründen, gestaffelt herumgeführt. Die grösste Gruppe mit 4000 Personen traf am Montag mit 100 Cars in Luzern ein. Am Seebecken und in der Altstadt wimmelte es nur so von chinesischen Touristen.

Eine solch grosse Reisegruppe bleibe die absolute Ausnahme, betonen die Luzerner Touristiker. Trotzdem heizen die chinesischen Gäste eine Debatte an, die besonders in Luzern hitzig geführt wird. Sie dreht sich um die Fragen: Gibt es zu viele Gäste in der Stadt? Und wie viel Tourismus verträgt das Land? Overtourism heisst das Schlagwort dazu. Es steht für verstopfte Gassen, lange Warteschlangen und überfüllte Strände. Mancherorts werden Touristen für Einheimische zu einem Störfaktor, der ihren Alltag zunehmend belastet.

Herausforderung: Einheimische besser einbinden

Wie können die Interessen von Einheimischen und Touristen in Einklang gebracht werden? Eine Herausforderung für die Reisebranche. Der Tourismus müsse sich aktiv um das Wohl der lokalen Bevölkerung kümmern, betont der Schweizer Tourismus-Verband in seinem Overtourism-Papier. Wichtig seien «partizipative Prozesse». In Luzern etwa setzt sich eine eigens eingesetzte Arbeitsgruppe der städtischen Behörden und der Tourismusorganisationen mit der Frage auseinander, wie das Verständnis zwischen Bevölkerung und Gästen gefördert werden kann. Interlaken hat derweil eine Kampagne zur «Stärkung des Tourismusbewusstseins» lanciert. (sva)

Der Zufall will es, dass sich diese Woche auch der Schweizer Tourismus-Verband erstmals offiziell in die Debatte einmischt. Die Organisation legt ein mit Spannung erwartetes Positionspapier vor, unter dem Titel «Overtourism und seine Begleiterscheinungen». Gleich im ersten Abschnitt macht der Verband in fett gedruckten Buchstaben klar: «Man kann in der Schweiz nicht von Overtourism sprechen.»

In einigen Destinationen jedoch habe sich «die wachsende Masse von Touristen so stark konzentriert, dass die einheimische Bevölkerung Probleme bekundet». Neben Luzern werden im Verbandspapier auch Interlaken und Bern sowie das Jungfraujoch und die Rigi genannt. Das Phänomen ist laut dem Verband nicht neu, überhaupt trete es «nur sehr punktuell auf». Mit dem Aufkommen des Begriffs «Overtourism» werde vermehrt emotional argumentiert und auch das mediale Interesse sei gestiegen.

Riesenreisegruppe in Luzern

Punktueller Dichtestress

Nur heisse Luft also? So einfach wollen es sich die obersten Touristiker der Schweiz dann doch nicht machen. Nach der einleitenden Klarstellung folgen im Positionspapier differenziertere Töne. Der Massentourismus könne negative Begleiterscheinungen aufweisen, heisst es. «Während viele Destinationen gerne mehr Gäste hätten, erhöht sich der Dichtestress an einigen wenigen Hotspots zu bestimmten Zeiten.»

Wo die Schwelle zu Overtourism beginnt, lässt sich kaum an einer objektiven Grenze festmachen. «Wird die Kapazität der Destination durch die touristische Nachfrage überschritten, ist von Overtourism die Rede», erklärte der Tourismusfachmann Fabian Weber von der Hochschule Luzern jüngst dieser Zeitung. Limitierend wirken könnten ebenso die Infrastruktur oder die Akzeptanz der Einheimischen.

Strikt gegen Einschränkungen

Der Tourismus-Verband ist sich bewusst, wie schnell ein Unbehagen in offene Feindseligkeit umschlagen kann. In Badeorten am Mittelmeer etwa sprayen Aktivisten immer mal wieder Parolen wie «Tourist go home» an die Mauern.

Damit die Reiserei hierzulande «angesichts des erwartenden Wachstums in den kommenden Jahren» nicht plötzlich als Bedrohung empfunden wird, schweben dem Verband vorbeugende Massnahmen vor. Ziel müsse es sein, gesund und nachhaltig zu wachsen. Negative Konsequenzen für Einheimische wolle man verhindern.

Debattiert wird, wie die Touristenströme so gelenkt werden können, dass sie nicht als unangenehm empfunden werden. Der Verband befürwortet grundsätzlich eine Steuerung. Wenn nötig, sollen Reisende räumlich und zeitlich besser verteilt werden. Weniger Umsätze will allerdings keiner hinnehmen, und weniger Menschen sind aufgrund dessen auch nicht unterwegs. Die Rede ist etwas sperrig von «Massnahmen, die das Aufkommen bei Bedarf umlenken und breit verteilen, ohne die unternehmerische Freiheit wesentlich zu beschneiden».

Der Verband will die Touristenströme mit gezieltem Marketing und neuen Angeboten lenken. So sollen etwa Vereinbarungen mit Car-Unternehmen geschlossen werden, um Gruppenreisen zu regulieren. Ebenso denken die Touristiker an «geschickte Raumplanungsmassnahmen», um Tagestouristen besser zu verteilen.

Zudem müssten Daten wie Gästebuchungen endlich einheitlich erhoben werden. «So kann abgeschätzt werden, wie hoch die Auslastung zu welchem Zeitpunkt ist», schreibt der Verband. Er plädiert für eine bessere Koordination zwischen den wichtigsten Akteuren der Branche – strikte Regulierungen aber dürften wirklich bloss als letzte Massnahme eingeführt werden.

4000 chinesische Touristen klappern Luzern ab

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    Alle Leser-Kommentare
  • Conguero 16.05.2019 11:58
    Highlight Highlight Ich kann Mallorquiner verstehen, die die Schnauze voll haben von den Auswüchsen des Billigtourismus wie Komma-Sauf-Parties, öffentlichem Sex, Lärm und Müll. Aber die Ostasiaten hier? OK, manchmal sind sie mit den hiesigen Gepflogenheiten nicht vertraut (das gilt aber umgekehrt genauso!), aber ansonsten sind sie ok. Ich setze mich gerne auf eine Bank und beobachte sie. Beste Unterhaltung... :-) Und während der Pöbel in Mallorca (ja, auch aus der Schweiz) Geiz ist geil zelebriert, sind die Ostasiaten sehr spendabel. Also hört auf zu winseln und seid froh, sie zahlen vielen hier die Löhne.
  • Stiggu LePetit 16.05.2019 09:52
    Highlight Highlight «Man kann in der Schweiz nicht von Overtourism sprechen.»

    Ich wohne in der Altstadt in Luzern und muss sagen diese Aussage stimmt so nicht. Die ganze Altstadt ist voll von Touristen, die Einheimischen wurden schon lange verdrängt. Das Shoppingangebot beschränkt sich auf Luxusgüter und am Abend ist die Altstadt wie ausgestorben. Es gibt fast keine Beizen, Bars, Restis mehr, weil die Mieten unbezahlbar wurden. Ebenfalls ist die Car Situation am Schwanenplatz für den sonst bereits überlasteten Verkehr, nicht mehr tragbar!
  • Knety 16.05.2019 09:48
    Highlight Highlight Luzern hat aber immer noch seinen Charme und Charakter bewahrt. Interlaken jedoch nicht!
  • Solar 16.05.2019 09:06
    Highlight Highlight Ausländer auf der Durchreise, die Geld hierlassen. Zuviel für Schwizer li...
    Bleiben sicher 2 da und gehen dann auf's Sozialamt😂😂😂🤣
  • Mutbürgerin 16.05.2019 07:28
    Highlight Highlight Leider profitieren beim Tourismus nur die Branche und nicht die ganze Schweiz. Deren Lobby hat es letzes Jahr sogar geschafft, ihre sowieso schon tieferen MwSt. Spezialsatz von 3.8% auf 3.7% zu senken. Wenn die Nachfrage nach dem Schweizer Tourismusangebot sowieso schon so hoch ist, kann man auch den normalen MwSt. Satz verlangen und in der heutigen Zeit wäre zusätzlich eine Klimaabgabe für jeden Touristen Pflicht.
  • Trompete 16.05.2019 06:24
    Highlight Highlight "Als Overtourism („Übertourismus“) wird eine Entwicklung im Tourismus bezeichnet, die das Entstehen von offen zutage tretenden Konflikten zwischen Einheimischen und Besuchern an stark besuchten Zielen zum Gegenstand hat.[1] Aus Sicht der Einheimischen werden Touristen zu einem Störfaktor, der das tägliche Leben vor Ort zunehmend belastet; auch die Besucher selbst können die hohe Zahl der sie umgebenden Touristen als störend empfinden."

    Ich bezweifle, dass der Autor bisher wusste was Overtourism ist, sonst würde er mal mit Einheimischen statt nur mit Tourismusfachleuten sprechen.
  • Schneider Alex 16.05.2019 05:56
    Highlight Highlight Es gibt Hotspots des Tourismus in der Schweiz, bei denen keine heimatlichen Gefühle mehr aufkommen.
    • Herr Ole 16.05.2019 09:34
      Highlight Highlight Ich habe an fremden Orten sowieso nie heimatliche Gefühle, auch wenn sie zufällig im gleichen Land liegen wie meine Heimat...

Nach dem «Whakaari»-Drama: 7 tödliche Touristenorte dieser Welt

Am Montag brach auf der neuseeländischen Insel White Island der Vulkan «Whakaari» aus. Mindestens 8 Menschen starben. Ein tragisches Ereignis, doch bei weitem kein Einzelfall: Immer wieder sterben Touristen an gefährlichen Orten.

Mit dem Adrenalin ist es so eine Sache: Ein unglaubliches Gefühl, wenn es durch die Adern pumpt und den Puls hochschnellen lässt. Aufregung pur – es gibt nichts Vergleichbares.

Leider reicht der Sprung vom 5-Meter-Turm oder die Abfahrt auf der roten Piste vielen Menschen nicht mehr, um sich einen richtigen Adrenalinschub zu verpassen. Und so suchen sie immer wahnwitzigere Abenteuer, um sich lebendig zu fühlen.

In diesem Artikel geht es jedoch nicht um Wingsuits oder von Kriminalität verseuchte …

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