Schweiz
Forschung

Schweden bietet 100’000 Franken Prämie für abgeworbene Top-Forscher

Schweden bietet 100’000 Franken Prämie für jeden abgeworbenen Top-Forscher aus der Schweiz

Weil die Schweiz nicht mehr als Vollmitglied beim EU-Forschungsprogramm «Horizon Europe» teilnehmen kann tobt jetzt der Kampf um Talente.
02.02.2022, 00:5503.02.2022, 11:08
Remo Hess, Brüssel / ch media

Michael Hengartner, Präsident des ETH-Rats, schlug unlängst Alarm: «Wir erleben jetzt die ersten Rückschläge», so der Molekularbiologe und ehemalige Rektor der Uni Zürich im «SonntagsBlick» zum Ausschluss der Schweiz aus dem EU-Forschungsprogramm «Horizon Europe». Es ist dies die Konsequenz der gescheiterten Verhandlungen zum Rahmenabkommen.

Unsere Forscher sind begehrt. Schweden zahlt viel Geld, um sie abzuwerben. Bild: Mitarbeiter im Functional Genomics Center von Uni und ETH Zürich.
Unsere Forscher sind begehrt. Schweden zahlt viel Geld, um sie abzuwerben. Bild: Mitarbeiter im Functional Genomics Center von Uni und ETH Zürich.Bild: keystone

Konkret meint Hengartner, dass Forschende in der Schweiz nicht mehr in vollem Mass von den prestigeträchtigen Förderungen des «European Research Council» (ERC-Grants) profitieren können, die oft auch als «Champions League» unter den EU-Förderungen bezeichnet werden.

Schweden bietet 100'000 Franken für jeden ERC-Forscher

Für Schweden ist das Leid der Schweiz nun ein Grund, in die Offensive zu gehen: «Es gibt jetzt eine Gelegenheit für Schwedische Hochschulinstitutionen, führende europäische Jungforscher zu rekrutieren», schreibt der Schwedische Forschungsrat auf seiner Website.

Ins Visier genommen haben die Schweden jene 28 Forschende aus der Schweiz, die Anfang Jahr für einen ERC-Grant ausgewählt wurden, das EU-Geld aber nicht in Anspruch nehmen können, solange sie nicht in die EU wechseln. Sie sollen jetzt nach Schweden ziehen.

Als Motivation soll es auch gleich einen ordentlichen Batzen geben: Alle schwedischen Hochschulen, die erfolgreich einen der 28 ERC-Gewinner aus der Schweiz abwerben, erhalten rund 100’000 Franken (1 Million Schwedische Kronen).

Das Geld kann beispielsweise dafür verwendet werden, um die Zügelkosten der Forschenden, deren Miete oder Auslagen für mitreisende Familienmitglieder abzudecken. Wer bis zum 31. März beweisen kann, dass er erfolgreich einen Top-Forschenden aus der Schweiz verpflichtet hat, erhält die 100’000 Franken auf sicher.

Ob von den 28 Schweizer ERC-Preisträger aus der Schweiz jemand auf den schwedischen Lockruf einsteigen wird, muss sich zeigen. Bislang entschied sich die überwiegende Mehrheit auch ohne EU-Fördergelder in der Schweiz zu bleiben, da der Bundesrat finanziell in die Lücke springen und das Geld selbst bereitstellen wird. Was fehlt, ist jedoch die volle Einbindung in das EU-Forschungsnetzwerk.

Der Kampf um die Talente ist entbrannt.

(saw/ch media)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
9 Bilder für geilen Science Porn
1 / 11
9 Bilder für geilen Science Porn
Vom Chemie-Labor auf in den Weltraum: eine Karte aller Raumsonden-Missionen der NASA .Hier>> gibt es die Infografik in voller Grösse. bild: nasa
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Das könnte dich auch noch interessieren:
Bericht: Fast jedes fünfte Kind in der Schweiz ist armutsgefährdet
Besonders gefährdet sind Kinder aus Einelternhaushalten und kinderreichen Familien, wie ein Bericht des Netzwerk Kinderrechte Schweiz zeigt.
Am 17. Oktober ist Internationaler Tag für die Beseitigung der Armut. Anlässlich dessen will das Netzwerk Kinderrechte Schweiz, ein Dachverband und Verein, der sich für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention (KRK) in der Schweiz starkmacht, eine Zwischenbilanz ziehen. Ein neuer Bericht mit Fokus auf Kinderarmut soll zeigen, wo die Schweiz in Bezug auf diese Umsetzung steht.
Zur Story