Recherche zeigt: 95 Prozent der Zürcher Musikförderung fliesst in die klassische Musik
Der Verein IG Musik hat die öffentlichen Fördergelder untersucht, die in die Musikbranche von sechs Schweizer Städten fliessen. Dabei wurden die Beträge auf Pro-Kopf-Ausgaben heruntergerechnet und miteinander verglichen. Als Grundlage für die Berechnungen wurden Zahlen aus dem Jahr 2024 genutzt.
Das Ergebnis: Pro Kopf fliesst in allen Städten der Grossteil des Geldes in die Klassik. Zürich investiert mit fast 95 Prozent den schweizweit höchsten Anteil seiner Fördergelder in klassische Musik. Das entspricht 223.50 Franken pro Stadtbewohner oder -bewohnerin im Jahr.
Von den Fördergeldern bleibt in allen untersuchten Städten für Musikrichtungen wie Pop, Rock, Jazz oder elektronische Musik nicht viel übrig. Auffällig ist jedoch, dass die Romandie für jüngere Musikgenres deutlich mehr investiert als die Deutschschweiz. So gibt Genf (43.50 Franken) pro Kopf doppelt so viel aus, wie beispielsweise die Städte Bern (20.40 Franken) oder Basel (20.50 Franken).
Im Vergleich gibt Lausanne mit 76 Prozent seiner Fördergelder den niedrigsten Anteil für Klassik aus und mit über neun Prozent den höchsten Anteil für Volksmusik und Musicals.
Die Recherche zeigt auch, dass über 80 Prozent und teils sogar über 90 Prozent der Musikförderung als «gebundene Mittel» über mehrere Jahre an die gleichen Empfängerinnen und Empfänger gehen. Dabei handelt es sich um meist grössere und traditionsreiche Institutionen.
Opernhaus erhält am meisten Fördergelder in Zürich
In Zürich erhält das Opernhaus mit rund 93 Millionen Franken den Grossteil der insgesamt 190 Millionen Franken Fördergelder des Kantons, schreibt das SRF. Hinzu kommen rund 25 Millionen Franken aus Ticketverkäufen sowie etwa 12 Millionen Franken von Sponsoren.
Dem Opernhaus wird oft vorgeworfen, nur von wenigen Menschen genutzt zu werden, aber verhältnismässig viel Geld zu erhalten. Der Intendant Matthias Schulz weist diese Kritik jedoch gegenüber SRF zurück: «Wir haben 250 Vorstellungen im Jahr. Rund 300'000 Menschen nutzen das Angebot.»
Für Cécile Drexler, Geschäftsleiterin des Branchenverbands Sonart, sind die kleinen Bühnen für die gesamte Musikbranche von entscheidender Bedeutung, wie das SRF schreibt. «In Lausanne gibt's einen Club neben dem anderen, während in Zürich Clubsterben herrscht und im Tessin praktisch keine Konzertclubs existieren», sagt sie.
Drexler ist deshalb der Meinung, dass insgesamt mehr Geld benötigt wird, wenn die Gesellschaft in Zukunft eine vielfältige Kulturszene möchte.
(pem)
