Die ganze Musikwelt spricht über Macklemore und Sheeran – die Kontroverse in 4 Punkten
Am Samstag tritt Weltstar Ed Sheeran im Rahmen seiner «Loop»-Tour im Lincoln Financial Field in Philadelphia auf – zumindest wäre das der Plan. Doch nachdem Rapper und Voract Macklemore nach seinen Pro-Palästina-Aussagen aus dem Lineup gestrichen wurde, überschlagen sich die Ereignisse.
Mittlerweile haben zahlreiche Supportacts angekündigt, nicht mehr mit Sheeran bei der Tour auftreten zu wollen. Unter ihnen Finneas, der Bruder von Popstar Billie Eilish. Aber auch der irische Sänger Aaron Rowe, die dänische Band Lukas Graham oder die irische Folk-Band Beoga haben sich aus Solidarität mit Macklemore dazu entschieden, ihre Auftritte mit Sheeran abzusagen.
Wie kam es dazu?
Eine Übersicht über die Ereignisse der letzten Tage.
Wie alles angefangen hat
Am 4. September trat Macklemore als Support-Act von Sheeran im MetLife Stadium in New Jersey auf. Den Auftritt nutzte der Rapper als politische Bühne.
Dann stimmte er sein Lied «Hind's Hall» an, in dem er seine Unterstützung für Pro-Palästina-Studenten der Columbia University thematisierte und Israels Vorgehen im Gazastreifen kritisierte. Im Hintergrund liess er Bilder aus dem zerstörten Gazastreifen laufen.
Nach dem Auftritt nahm die Kontroverse ihren Lauf. Online wurden Rufe laut, den Rapper von der Tour zu streichen. Verschiedene jüdische Einrichtungen und Gruppierungen forderten Sanktionen gegen Macklemore und einen Ausschluss.
Die Organisation Israeli-American Council (IAC) hatte nach den Äusserungen eine Petition gestartet, in der sie Sheeran dazu aufrief, den Rapper auf seiner Tour nicht weiter auftreten zu lassen.
Die Aktionsgruppe «StopAntisemitism» warf dem 43-Jährigen vor, er hätte das Publikum mit «Propaganda überrumpelt» – eine Behauptung, die später von Popstar Pink auf Instagram repostet wurde und die Debatte weiter aufheizte. Die Gruppe ist bekannt für ihre Pro-Israel-Position – vor allem in den sozialen Netzwerken – und ist regelmässig in Rechtsstreitigkeiten verwickelt.
Erst kürzlich wurde der Organisation zum Beispiel in einer Klage vom Mai 2026 des «Council on American-Islamic Relations» (CAIR) «systematisches Doxing und Belästigung» vorgeworfen.
«StopAntisemitism» kürt zudem jedes Jahr den «Antisemiten» oder die «Antisemitin» des Jahres, mit «Gewinnern» wie den rechtskonservativen Influencern Tucker Carlson (2025) und Candace Owens (2024), Rapper Kanye West (2022) oder der demokratischen Abgeordneten Ilhan Omar (2019).
Die Aktionsgruppe thematisierte seit dem Beginn der Kontroverse auch einen Auftritt Macklemores aus dem Jahr 2014, als dieser in einem aus ihrer Sicht «antisemitischen Kostüm» auftrat. Der Rapper entschuldigte sich damals für die Aktion, in den sozialen Medien wird der Vorfall aber nun wieder hochgekocht.
Reminder - Macklemore dressed up as an Orthodox Jew, wearing a massive prosthetic nose at a Seattle show.
— StopAntisemitism (@StopAntisemites) September 7, 2026
Macklemore doesn’t care about Palestinians.
He just hates Jews. pic.twitter.com/owNKyRA81D
Macklemore wird von Tour ausgeschlossen
Am Montag gab Macklemore bekannt, dass er aus der Tour ausgeschlossen wurde. Auf Instagram schrieb er unter anderem in einem langen Post: «Ed Sheeran und sein Team haben entschieden, mich von der The Loop Tour auszuschliessen.»
US-Medien zitierten den Tourveranstalter, dass mehrere Veranstaltungsorte den Verantwortlichen mitgeteilt hätten, dass sie kein Konzert mit Macklemore im Line-up zulassen würden. Eine der treibenden Kräfte soll dabei – gemäss Aussagen Macklemores – Robert Kraft gewesen sein, der Eigentümer des Gillette Stadiums und des American-Football-Teams New England Patriots. Dort hätte die Tour am 26. September Halt gemacht.
Kraft bestätigte dies später und sagte: «Meine Arena wird keine Plattform für Hass bieten», und warf dem Rapper eine «lange Geschichte antisemitischer Äusserungen» vor.
Nur wenige Stunden nach dem Post von Macklemore meldete sich auch Sheeran zu Wort und widersprach dem Rapper, dass er und sein Team für den Ausschluss Macklemores verantwortlich wären:
Er selbst habe in den vergangenen Tagen ausgiebig unter anderem mit Vertretern der Veranstaltungsorte, dem Tourveranstalter und «Aktivisten auf beiden Seiten» gesprochen, um eine gemeinsame Lösung zu finden, aber ohne Erfolg.
Er sei «entsetzt» vom Nahost-Konflikt und dem Leid auf beiden Seiten, schrieb Sheeran weiter. «Ich habe meine persönliche Meinung zu diesem verheerenden Konflikt. Nur weil ich mich dazu nicht öffentlich äussere, heisst es nicht, dass ich diese nicht habe, und es heisst auch nicht, dass es mir egal ist.»
Support-Acts solidarisieren sich mit Macklemore
Der Entscheid, Macklemore aus der Tour auszuschliessen, löste unter den weiteren Supportacts eine Kettenreaktion aus. So entschieden sich der irische Singer-Songwriter Aaron Rowe, die dänische Gruppe Lukas Graham, Finneas, der Bruder von Popstar Billie Eilish, und die irische Folk-Band Beoga aus Solidarität mit Macklemore, nicht mehr an der «Loop»-Tour aufzutreten.
«Ich würde jeden Respekt vor mir selbst verlieren, wenn ich einfach weitermachen würde wie bisher», begründete Aaron Rowe seine Entscheidung. Und die Gruppe Lukas Graham sagte: «Wir sollten in der Lage sein, über Krieg zu sprechen, über getötete Zivilisten, über Kinder, die das Recht haben, aufzuwachsen. Wo auch immer sie leben.»
Wie geht es jetzt weiter?
Das steht momentan in den Sternen. Wie erwähnt, sollte das nächste Konzert der «Loop»-Tour am Samstag im Lincoln Financial Field in Philadelphia stattfinden.
Auf der Webseite wird das Konzert noch immer mit den «Special Guest» Lukas Graham und Aaron Rowe angekündigt.
Auch auf Sheerans Webseite sind Graham und Rowe weiter als Support-Acts aufgelistet. Ob nun Ersatz aufgetrieben wird, das Konzert verschoben oder abgesagt oder kurzfristig andere Support-Acts aufgeboten werden, ist unklar.
