Schweiz
Gesundheit

St.Galler Spitäler streichen rund 440 Stellen

Ein Sanitaetssoldat und eine Pflegerin machen das Bett einer Covid-19 Patientin im Kantonsspital Fribourg HFR, am Donnerstag, 12. November 2020 in Fribourg. Angesichts der sanitaeren Lage und der Zuna ...
Pflegefachpersonen in einem Schweizer Spital (Archivbild).Bild: keystone

«Die finanzielle Lage ist dramatisch» – St.Galler Spitäler streichen rund 440 Stellen

Die vier St.Galler Spitalverbunde sind aufgrund ihrer finanziellen Situation gezwungen, über die nächsten Monate und Jahre total rund 440 Stellen abzubauen.
28.09.2023, 13:0028.09.2023, 14:16

Im November 2020 hatte der St. Galler Kantonsrat eine neue Spitalstrategie mit der raschen Schliessung der Regionalspitäler in Flawil, Rorschach und Wattwil beschlossen. Ebenfalls keine Zukunft gibt es für das Spital in Altstätten. Das Spital Walenstadt wurde dem Kantonsspital Graubünden verkauft.

Trotzdem blieben die vier Spitalverbunde ein politischer Dauerbrenner. Sie mussten wiederholt mit Steuergeldern gestützt werden. Zuletzt stimmten die St. Galler Stimmberechtigten im Juni einer Finanzspritze für die Spitalregionen «Rheintal Werdenberg Sarganserland» und Linth von insgesamt knapp 80 Millionen Franken zu.

Dramatische Lage

Dies alles reicht offensichtlich nicht aus. An der Medienkonferenz am Donnerstag sprach Stefan Kuhn, Verwaltungsratspräsident der Spitalverbunde, von einer dramatischen finanziellen Lage. Um die Situation zu verbessern, müssten die Ausgaben um jährlich 60 Millionen Franken gesenkt werden. Zwei Drittel davon, also rund 40 Millionen Franken, sollen durch einen umfangreichen Personalabbau eingespart werden.

In den kommenden fünf Jahren wollen die Spitäler rund 440 Stellen streichen. Insgesamt beschäftigen sie knapp 9000 Mitarbeitende in 6700 Vollzeitstellen. Ein Teil des Abbaus soll durch die normale Fluktuation umgesetzt werden. Diese liegt je nach Bereich bei 20 bis 35 Prozent. Die Verantwortlichen wollten am Donnerstag keine Schätzungen zur Zahl der Kündigungen bekannt geben.

Rasch Klarheit schaffen

Der Abbau verteilt sich unterschiedlich auf die Regionen. Das Kantonsspital in St. Gallen trifft es über alle Kliniken und Organisationseinheiten mit einer Reduktion von 260 Stellen. In der Spitalregion «Rheintal Werdenberg Sarganserland» sind es 80 Stellen bis 2024 sowie weitere 45 Stellen bis 2027. Im Spital Linth gibt es eine erste Tranche mit 34 und eine zweite mit 7 Stellen. In Wil geht es bis Ende Jahr um 8 Stellen.

Der Stellenabbau soll in erster Linie bei Supportfunktionen und in der Administration erfolgen, betroffen wird aber auch der Kernbereich von Medizin und Pflege sein. Die Qualität der medizinischen Leistungen werde sich dadurch nicht verändern, sagte der Verwaltungsratspräsident.

Die Verantwortlichen kündigten an, für das Personal möglichst rasch Klarheit schaffen zu wollen. Bis Ende Oktober soll bekannt sein, wo genau die Stellen gestrichen werden. Zur Abfederung kommt dann der «Rahmenmassnahmenplan» – der Sozialplan der St. Galler Regierung – zur Anwendung.

Weitere Einsparungen sind durch Kostenreduktionen im Sachaufwand geplant. Dazu werde ein Kapazitätsmanagement eingeführt, «um die benötigten Unternehmensressourcen mit der Patientennachfrage abzustimmen». Die Massnahmen sollen aber nicht nur die Ausgaben betreffen. Es brauche auch Verbesserungen bei den Einnahmen. Die Spitalverbunde fordern deshalb «eine Anpassung der Tarife an die Teuerung».

Folgen für Zufriedenheit und Qualität

In einer ersten Reaktion zeigte sich die Ostschweizer Sektion des Berufsverbandes der Pflegefachfrauen und -Männer «empört über die Entscheide der Führungsspitzen der Spitäler». Anstatt die Verantwortlichkeit für das finanzielle Defizit an den Kantonsrat als Verursacher zurückzuspielen, werde das Problem «auf die Schultern der Mitarbeitenden abgewälzt».

Das Management der Spitäler habe entschieden, die Reorganisation mit einer externen Beratungsfirma (PWC) durchzuführen. Wie oft in solchen Verfahren «mit hochkarätigen Unternehmensberatungen wird Personal entlassen». Danach stimmten zwar die Zahlen, das Image, die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und die Qualität nehme aber meistens ab, teilte der Berufsverband mit.

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