Schweiz
Zürich

Corona: So will Zürich seine Bewohner impfen

epa08887912 Judith Rowell, an urgent care medical assistant who lost her mother to Covid-19, receives the Pfizer-BioNTech coronavirus disease (COVID-19) vaccine at Brigham and Women?s Hospital in Bost ...
Am 4. Januar geht es los in Zürich: Ab dann soll gegen Corona geimpft werden. Bild: keystone

So viele Menschen sollen in Zürich bis Ende Januar geimpft sein

Zürich, der bevölkerungsreichste Kanton der Schweiz, präsentierte am Montag seine Impfstrategie. Es sei ein grosses Unterfangen «mit vielen unbekannten Variablen», so die Verantwortlichen. Wie der Kanton vorgehen will und wer zuerst drankommt.
21.12.2020, 13:3421.12.2020, 16:09

«Darauf haben wir gewartet», beginnt die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli die Medienkonferenz. «Der Impfstoff ist da und er ist ein wichtiger Schritt in Richtung Normalität.»

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Zürich ist mit 1.5 Millionen Bewohnerinnen und Bewohner der bevölkerungsreichste Kanton der Schweiz. Bis ein Grossteil der Zürcherinnen und Zürcher geimpft ist, wird es noch eine Weile dauern. Die Planung der Impfungen sei eine logistische Herausforderung mit vielen unbekannten Variablen, hiess es von den Verantwortlichen.

So sieht das Vorgehen des Kantons aus:

Dezember

  • Erste Lieferung des Impfstoffs
  • Online-Anmeldung von über 75-Jährigen und Risikopatienten beginnt
  • Impfkampagne startet

Noch im Dezember sollen 16 Verpackungseinheiten des Impfstoffs von Pfizer/Biontech an die Kantonsapotheke geliefert werden, informiert Markus Näf, Projektleiter der Impfstrategie. Eine Kiste enthält gemäss Näf 975 Impfdosen. Knackpunkt beim Impfstoff ist die Lagerung: Die Flüssigkeit muss bei minus 70 Grad Celsius gelagert werden. Für die Lagerung brauche es spezielle Kühlprodukte. «Sie können sich vorstellen, dass solche Geräte in einer globalen Pandemie begehrt sind», so Näf. Man habe aber Zusagen, wonach weitere Geräte Anfang Januar geliefert werden sollen.

FILE - In this Tuesday, Dec. 8, 2020 file photo, 90 year old Margaret Keenan, the first patient in the UK to receive the Pfizer-BioNTech COVID-19 vaccine, administered by nurse May Parsons at Universi ...
Als erstes werden die Seniorinnen und Senioren über 75 Jahren geimpft sowie Menschen mit schweren Vorerkrankungen.Bild: keystone

Am 30. Dezember will der Kanton informieren, wie sich die Personen aus der Risikogruppe* für die beiden Impftermine anmelden können. «Es wird genügend Impfstoff für alle geben, die sich impfen lassen wollen», sagte Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP). Sie selber will sich auch impfen lassen, lässt aber jenen den Vortritt, die die Impfung nötiger hätten als sie, etwa den Seniorinnen und Senioren.

Januar

  • Weitere Impfstofflieferungen
  • Impfbeginn am 4. Januar
  • Impfung der Risikopersonen
  • Impfung in ersten Altersheimen

Am 4. Januar will Zürich am Institut für Reisemedizin am Hirschengraben die ersten Spritzen setzen. Dort ist bereits ein grosses Zelt aufgebaut, in dem die «Impfstrassen» organisiert werden. Wichtig ist, dass es keine Warteschlangen gibt wie damals bei der Schweinegrippe, als sich die Leute bis ans Central stauten.

Vials of Pfizer-BioNTech COVID-19 vaccines are ready to be injected to medical staff at the Ichilov Hospital in Tel Aviv, Israel, Sunday, Dec. 20, 2020. (AP Photo/Ariel Schalit)
Sobald der Impfstoff von Pfizer/Biontech in einem normalen Kühlschrank gelagert wird, muss er innerhalb von fünf Tagen aufgebraucht werden.Bild: keystone

Bei einer Behandlungszeit von 27 Minuten pro Person können im Institut für Reisemedizin knapp 600 Personen pro Tag geimpft werden. In einem ersten Schritt sind 16'000 Impfdosen verfügbar. Vorrang haben Personen, die älter als 75 sind oder bestimmte Vorerkrankungen haben. Zweite Priorität haben über 65-Jährige, danach folgen das Gesundheitspersonal sowie Bewohnende von Institutionen, darunter sind auch Gefängnisse.

In den ersten Januarwochen erwartet Zürich weitere Lieferungen des Impfstoffes. «Wir rechnen mit 50'000 Dosen, die geimpft werden können», so Impf-Projektleiter Näf. «Das ist noch nicht die grosse Menge, aber genügend, dass wir gezielt mit der Impfung der Risikogruppen beginnen können.»

Die grösste Herausforderung im Januar sei aber, die Menschen aus den Risikogruppen zu erreichen und sie über die Sicherheit und den Nutzen der Impfung zu informieren. Läuft alles nach Plan, sollen bis Ende Januar 20'000 Personen geimpft sein.

Februar

  • Impfung des Gesundheitspersonals
  • Pilotimpfzentrum
  • Erste Hausärzte sollen impfen

Sobald die freiwillige Impfung von Risikopersonen genügend fortgeschritten ist, soll in einem nächsten Schritt auch das Gesundheitspersonal und Menschen, die engen Kontakt zu gefährdeten Personen haben, geimpft werden. Projektleiter Näf rechnet damit, dass in den nächsten Tagen und Wochen der Impfstoff von Moderna von Swissmedic zugelassen wird.

epa08895990 A medical staff of the Hadassah Ein Kerem Hospital receives a dose of the Pfizer-BioNTech COVID-19 vaccine at Hadassah Ein Kerem Hospital in Jerusalem, Israel, 20 December 2020. Israel beg ...
Im Februar soll bereits die Impfung des Gesundheitspersonals beginnen. Bild: keystone

Der Moderna-Impfstoff muss – anders als der von Pfizer/Biontech – nur bei minus 20 Grad Celsius gekühlt werden. Sobald auch der Impfstoff von Moderna zugelassen und geliefert sei, könne man auch in grösseren Hausärzte-Zentren mit der Impfung beginnen, erklärt Näf. «Mit dem Imfpstoff von Biontech/Pfizer ist die Impfung für die Hausärzte logistisch kaum machbar. Sie müssten innerhalb von fünf Tagen 975 Patientinnen impfen.»

Dies, weil den Hausärzten keine Spezial-Kühllager zur Verfügung stehen, um die Kisten mit 975 Impfdosen bei minus 70 Grad zu kühlen.

März / April

  • Aufbau grosser Impfzentren
  • Impfung der restlichen Bevölkerung

Sobald genügend Impfstoff vorhanden ist, sollen Ende März die ersten grösseren Impfzentren stehen. «Beim Impfzentrum haben wir ein anderes Set-up», erklärt Projektleiter Näf. Bei den Risikogruppen ginge es in einem ersten Schritt darum, zu informieren und sich auch mit den Angehörigen auszutauschen. «Bei den grossen Impfzentren geht es primär um Effizienz und darum, viele Menschen innerhalb kurzer Zeit zu impfen.»

Massenabfertigung im Akkord: In solchen Impfzentren sollen im April bis zu 8'000 Zürcherinnen und Zürcher täglich geimpft werden.
Massenabfertigung im Akkord: In solchen Impfzentren sollen im April bis zu 8'000 Zürcherinnen und Zürcher täglich geimpft werden. bild: kanton zürich

In den Pilot-Impfzentren will man 5'000 bis 8'000 Personen pro Tag impfen. Dafür ist auch viel Personal erforderlich, ist sich Infektiologe Jan Fehr bewusst. Er ist Leiter des Departements für Public und Global an der Universität Zürich. Man werde auf Fachpersonal und Medizinstudenten zurückgreifen, so Fehr.

Mit Material von der sda

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
19 Instagram-Fails: Weniger Photoshop wäre weniger peinlich
1 / 21
19 Instagram-Fails: Weniger Photoshop wäre weniger peinlich
Hier biegen sich schon die Balken.
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Mathys über die Virus-Mutation
Video: extern / rest
82 Schafe stürzen in Graubünden über Felshang in den Tod
Am 11. September entdeckte eine Hirtin in der Val Russein in Graubünden unterhalb eines Felshanges zahlreiche tote Schafe. Dort lagen die Tiere wahrscheinlich bereits zwei Tage. Dichter Nebel hatte die Sicht im alpinen Hochtal am Fusse des Tödi zuvor für mehrere Tage stark eingeschränkt.
Zur Story