Schweiz
Zürich

Das Alba-Festival wird abgesasgt – Veranstalter fühlt sich diskriminiert

Nach Verbot von Alba-Festival – Veranstalter fühlt sich «klar diskriminiert»

03.09.2021, 10:3606.09.2021, 16:17
Zu solchen Bildern wird es dieses Wochenende nicht kommen: Das Festival wird nicht stattfinden.
Zu solchen Bildern wird es dieses Wochenende nicht kommen: Das Festival wird nicht stattfinden.Bild: shutterstock

Eigentlich hätte das Alba Festival auf dem Zürcher Hardturmareal dieses Wochenende stattfinden sollen. 20'000 Besucher und Besucherinnen hätte dann, am grössten albanischen Festival Europas, auf das Festivalgelände strömen sollen. Doch der Zürcher Regierungsrat zieht den Veranstaltern kurzfristig den Stecker: Die Bewilligung wurde gestern überraschend aufgehoben.

Dann reagiert das Alba-Festival-OK. Sie künden auf ihrer Homepage rechtliche Schritte gegen den Regierungsentscheid an:

«Mit grosser Überraschung und Bestürzung nehmen wir den Entscheid des Regierungsrates, der dem Alba-Festival die erteilte Bewilligung weniger als 48 Stunden vor Festivalbeginn entzieht, zur Kenntnis. Wir prüfen nun diesen Entscheid juristisch und kommunizieren zeitnah.»

Doch daraus wird nichts. Denn wie die Zürcher Staatskanzlei mitteilt, hat das Verwaltungsgericht am Freitagmorgen entschieden, die Beschwerde der Alba-Organisatoren abzulehnen. Somit wird das Festival definitiv nicht stattfinden.

«Stigmatisierung einer Bevölkerungsgruppe»

Die albanische Community habe sich bei dem Festival von ihrer besten Seite zeigen wollen, sagte der Veranstalter von der Medien. Die Veranstaltung sei als 3G-Anlass geplant gewesen, also nur für geimpfte, genesene oder getestete Personen. Dies sei in verschiedenen Sprachen erklärt worden und auch der kantonale Impfbus sei beim Festival vorgesehen gewesen.

Adem Morina, Veranstalter des Alba-Festival, rechts und Perparim Avdili, Gemeinderat FDP Stadt Zuerich, sprechen mit Medien, nach dem dem Alba-Festival vom kommenden Wochenende in Zuerich die Bewillig ...
Adem Morina, Veranstalter des Alba-Festival, rechts und Perparim Avdili, Gemeinderat FDP Stadt Zuerich, sprechen mit Medien, nach dem dem Alba-Festival die Bewilligung wieder entzogen wurde.Bild: keystone

Durch die Absage hätten sich die Veranstalter klar diskriminiert gefühlt. Der albanischstämmige Zürcher FDP-Gemeinderat Përparim Avdili kann die Absage aus epidemiologischer Sicht zwar nachvollziehen, findet den Verweis auf die albanische Community aber «skandalös», wie er bei der Medienkonferenz sagte. Es handle sich um die Stigmatisierung einer Bevölkerungsgruppe. Das sei inakzeptabel.

Wie hoch der entstandene Schaden für die Veranstalter ist, können diese noch nicht sagen. Es seien 200 bis 250 Personen an der Vorbereitung und der Durchführung beteiligt. Eine Versicherung für den Ausfall gebe es nicht. Ein Schadenersatz durch den Kanton solle jetzt geprüft werden. Ein juristisches Verfahren laufe.

So begründet die Zürcher Regierung den Entscheid

«Die Belastung des Gesundheitswesens im Allgemeinen und der Intensivpflegestationen im Besonderen hat zugenommen und nähert sich der kritischen Grenze», begründete der Regierungsrat ihren Entscheid. Eine Grossveranstaltung wie das Alba-Festival führe zu einer zusätzlichen Belastung der Spitäler, heisst es in der Medienmitteilung weiter. Denn erfahrungsgemäss gebe es an grossen Festivals immer einige Notfallpatienten zu versorgen. Diese Zusatzbelastung der Spitäler soll mit der Absage der Grossveranstaltung vermieden werden.

Hierbei verweist der Regierungsrat auch noch auf den Kanton Thurgau und die Stadt Frauenfeld, welche der Ersatz-Veranstaltung für das Openair Frauenfeld ebenfalls die Bewilligung entzogen haben. Das Mini-Open-Air Frauenfeldli hätte vom 14. bis 18. September stattfinden sollen.

Ein weiteres schlagendes Argument sieht der Regierungsrat in der betroffenen Community, an die sich das Festival primär richtet: «Erkenntnisse aus dem Contact Tracing des Kantons Zürich wie auch das Update der Covid-Science-Task-Force zeigen, dass sich Ferienrückkehrer aus dem Balkan überdurchschnittlich oft mit Covid-19 infiziert haben.»

Entsprechend hätten auf den Intensivpflegestationen überdurchschnittlich viele Patientinnen und Patienten einen Bezug zum Balkan. Es ist bekannt, dass es sich bei der grossen Mehrheit auf Intensivstationen um ungeimpfte Personen handelt. Aus diesem Grund schliesst der Regierungsrat, dass die Impfquote in dieser Bevölkerungsgruppe zu tief sei, um eine solche Grossveranstaltung verantworten zu können.

Er empfinde es als seine Fürsorgepflicht, so der Regierungsrat weiter, dem aktuell erhöhten Ansteckungsrisiko in dieser Bevölkerungsgruppe entgegen zu wirken und diese zu schützen.

Festivalbesuchende hatten sich unter anderem auf die albanischen Mega-Stars Dhurata Dora, Evana Gjata oder Dardan gefreut.

(saw)

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